Ich teile ganz klar die Einschätzung des Eisbären, dass es für den Zweiten der BOL Nord extrem schwer sein wird, in der Reli etwas anderes als den dritten Platz zu belegen.
Ich habe einige Spiele der BOL Süd gesehen und stelle fest, dass die Staffel in dieser Saison bärenstark ist.
Die BOL Nord und viele dort immer noch Aktive kenne ich ja nun auch über viele Jahre und ohne Häme bleibt festzuhalten, dass das Niveau da sicher etwas niedriger ist.
Die hin und wieder vernommene Verallgemeinerung, dass dies IMMER so sei, gefällt mir allerdings auch nicht.
In diesem Jahr kommen im Südbereich mehrere Faktoren zusammen:
- TTSV Del, die sich nach einigen Jahren wieder zusammengefunden haben und jeder LL gut zu Gesicht stünden
- Eine Zweite des TV Hude, in der die Nummern 1-3 den Aufwand für die OL scheuten und lieber in der BOL spielten; allesamt in der Vorsaison mit klar positiven Bilanzen in der VL ausgestattet
- über Venne ist hier schon gesprochen worden
Union Meppen, in der Vorsaison lange vorne mit dabei, hat in diesem Jahr durch die enorm starke Liga ein negatives Punktekonto.
Allerdings:
So eine Relegation ist naturgemäß nur eine Momentaufnahme an einem Spieltag. Daher ist da nach meiner Erfahrung vieles möglich.
Möglicherweise hat man aufgrund der Spielsysteme plötzlich ungeahnte Chancen.
Ein Nachrücken aufgrund eines Verzichtes in höheren Klassen ist immer denkbar.
Daher, egal für wen sich die Chance bietet: In jedem Fall wahrnehmen!
Zumindest weiß man so wo man steht und hat gegen Teams gespielt, die man sonst kaum mal zu Gesicht bekommt.
Bzgl. des Spielbetriebes in einer (zu) hohen Klasse gibt es sicher Negativ- aber eben auch Positivbeispiele:
- Als wir mit dem HTV vor Jahren in die LL aufstiegen, hatten uns vor der Saison 2 Leistungsträger verlassen. Nach 2 Spielen verletzte sich dann noch unsere Nr.4 so schwer, dass die Saison für ihn vorzeitig beendet war. Den Rest des Spieljahres würde ich gerne aus meinem Gedächtnis streichen - das war bitter!
Letztlich führte das Ganze zu einer nahezu völligen Aufgabe geregelten Trainings und in der Folge gar zum gänzlich unnötigen Abstieg in die BZL in der daran anschließenden Saison. Erst dort gab es dann wieder Spaß am Sport und normale Leistungen. Auch gewinnen will wieder gelernt sein.
- Auf Remels trifft u.U. ähnliches zu, wobei es mir naturgemäß schwer fällt, dies aus der Ferne zu beurteilen.
- Viele weitere Beispiele könnten hier sicher angeführt werden.
- Mit dem TV Hude sind wir in diesem Jahr ziemlich aussichtslos in der OL gestartet. Der Saisonstart lief richtig schlecht. In im Nachhinein entscheidenden Spielen haben wir Punkte liegengelassen, die wir vermutlich im weiteren Verlauf der Spielzeit nach Akklimatisierung nicht verloren hätten.
Wahrgenommen haben wir die Aufstiegsmöglichkeit, weil das quasi die Belohnung für den verbliebenen Teil der VL-Mannschaft für massiven Einsatz in den vorangegangenen Jahren darstellte.
Wir haben uns vor der Saison immer wieder klargemacht, dass primäres Ziel nur sein konnte, eine andere Rolle als die der durchgängigen "Schießbude" zu spielen.
Glücklicherweise gab es dann noch in der HR den Befreiungsschlag mit einem sensationellen 9-1 gegen den letztjährigen Vizemeister.
Die Zuschauer haben mitgezogen, es kommen auch nach feststehendem Abstieg regelmäßig noch 50-60 Leute. So macht es nachwievor großen Spaß, Spieler in der Halle zu begrüßen, die TT auf ganz hohem Niveau bieten.
Wenn dann das Team des Tabellenführers beim Zwischenstand von 4-4 ein kurzes "Krisengespräch" führt, um sich darauf einzuschwören, bloß nicht in Hude einen vielleicht am Ende entscheidenen Punkt liegenzulassen, hat das Ganze am Ende Sinn gemacht.
Wichtig ist glaube ich, am Anfang eines solchen Unterfangens, nicht zu hohe sportliche Erwartungen zu formulieren.
Man muß sich darauf einstellen, dass es (sowohl persönlich als auch als Team) hohe Niederlagen hagelt.
Der Zusammenhalt im Team muß vor Beginn des Unternehmens 100%ig stimmen. Aus meiner Erfahrung treten "Schwelbrände", die bei Erfolgen unter dem Teppich bleiben, offen zu Tage, wenn es nicht so läuft. Das ist das größte Risiko, häufig genug mit Folgewirkung auch für die nächste Spielzeit.
Es wird meist so sein, dass einige aus dem Team sich recht schnell an das Niveau der höheren Liga anpassen können, während andere von Niederlage zu Niederlage marschieren und so immer mehr an Selbstvertrauen verlieren. Es ist dann m.E. elementar, diese Mitspieler immer wieder aufzubauen und zu vermitteln, dass auch sie bedeutsamer Teil des Teams sind.
Eine negative Grundhaltung Einzelner wird sich negativ auf das Gesamtgefüge auswirken. Konkurrenzverhalten und Druck innerhalb der Mannschaft sind nach meiner Erfahrung in solchen Sitautionen höchst kontraproduktiv.
Man muß folglich wissen, dass eine solche Saison auch psychologisch höchst anspruchsvoll sein kann.
Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann es sogar ausnehmend viel Spaß machen, in einer (zu) hohen Spielklasse an den Start zu gehen.
Man wächst dann an seinen Aufgaben und wird (auch persönlich) z.T. ganz erstaunliche Ergebnisse erzielen können.
Ich persönlich jedenfalls bin wirklich froh, dies Erlebnis OL mitmachen zu können, auch wenn das persönliche Ende ob eines Tennisellenbogens eher unbefriedigend ist.
Ich werde diese Saison sicher zurückblickend als Highlight meiner "Karriere" verbuchen.
Also:
"Ran an den Speck"

und nicht bange machen lassen.
Gruß Tom