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AW: Testberich: Die Angel
Noch vor einem knappen Jahr kannte ich Eigenbauten von TT-Hölzern nur vom Hörensagen. Das waren für mich immer irgendwelche Freaks, die sich ein bisschen Sperrholz zurechtschnitten und dann behaupteten, dass sie damit super spielen könnten. Einmal hatte ich die Gelegenheit, ein soches Holz kurz zu testen. Es war furchtbar.
Doch im vergangenen Jahr wurde ich Stück für Stück vom Gegenteil überzeugt. Es gibt tatsächlich Eigenbauer, die sich mit unheimlich viel Einsatz, Kreativität und Geduld ihre Hölzer zusammenbauen und die dabei ganz hervorragende Ergebnisse erzielen. Einer davon ist Uli, den ich - um jeglichen Anschein von Befangenheit auszuräumen - persönlich nicht kenne und mit dem ich bisher ausschließlich über das Internet Kontakt hatte. Vielleicht ändert sich das ja mal!
Uli hat mir vor ein paar Wochen seine "Angel" zugeschickt. Mittlerweile habe ich 3x damit trainiert und zum Abschluss - in anderem Zusammenhang - folgenden Bericht verfasst. Der Text berichtet zugleich von einem Spiel gegen einen weiteren, noch sehr jungen Selberbauer:
"Gestern war es endlich soweit. Nach monatelangen, nicht enden wollenden Vorbereitungen hat das Treffen der TT-Titanen Fuddler und Ric endlich stattgefunden. Auf der einen Seite das junge Supertalent aus Drensteinfurt. Auf der anderen Seite der Routinier aus Köln.
Doch der Reihe nach: Bereits bei der Begrüßung rückte der Fuddler mit einer ersten Überraschung raus. Unter dem begeisternden Applaus seiner mitgereisten Fans zog er mit höhnischem Grinsen seine neueste Schöpfung aus dem mitgebrachten Sportkoffer: Ein ausschließlich auf seine Stärken zugeschnittenes Sportgerät, dessen Zusammensetzung so geheim ist, dass noch nicht einmal der Fuddler selbst genau weiß, was er da gemacht hat. Die RH war belegt mit einem nagelneuen Fakir (1mm, rot), auf der VH leuchtete ein Blues F5 von Donic.
Ric hatte sich nach langen Überlegungen für den SB, ox auf der RH und einen F3, 1,8mm auf der VH entschieden. Zwischen den Belägen befand sich die legendäre Angel aus dem Hause Möller.
Der Rest ist schnell erzählt. Erfahrung siegte über Spielwitz - 3:1 für den Mann aus Ascheberg.
Die Gründe für die Niederlage: Der Fakir war einfach zu schnell und damit zu unsicher. Noch im Verlaufe des Abends wurde der Schwamm von seinem Besitzer genervt entfernt. Die noch beim Einspielen sichere VH wackelte unter Druck beträchtlich.
Die Gründe für den Sieg: Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit. Die Angel ist ein ungemein kontrolliertes All+-Holz. VH und RH ließen sich mit den genannten Belägen unglaublich sicher spielen. Dabei war es egal, ob Schupfball mit der RH oder Block mit der VH. Im Zweifel ging der Ball auf die gegnerische Seite. Es fiel auf, dass sich die Angel sehr problemlos spielen lässt. Alles geht - so sollte ein AR-Holz auch sein.
Charakteristik des Holzes (nach meinen subjektiven Einschätzungen): Mittelschnell-schnell, kontrolliert, praktisch kein Katapult (im Vergleich zum NBS), RH recht zügig, VH etwas schneller, großer Sweetspot, normaler Ballabsprung, keine herausstechenden Leistungsspitzen (weder beim Schuss, TS, Konter usw.), sondern extrem ausgewogen.
Einzige echte Enttäuschung war der SB auf der RH. Es handelte sich um einen im November 2005 gekauften Belag, der erschreckende Schwächen in der Schnittumkehr aufwies. Der Block war sicher, aber auch ziemlich harmlos. Wir waren beide überrascht. Er spielte sich in etwa wie ein Scalpel, allerdings ohne dessen gute Angriffsoptionen. Aus diesem Grund kann ich zur Eignung hinsichtlich der Schnittumkehr nicht übermäßig viel sagen. Ganz extrem ausgeprägt scheint sie aber nicht zu sein.
Es fällt schwer, Besonderheiten hervorzuheben. Wie bereits erwähnt liegt die Stärke dieses Holzes darin, dass alle Schläge (soweit ich sie spiele) sicher funktionieren (Abwehr spiele ich nicht). Für mein Spiel fehlte mir der die VH unterstützende Katapult. Aber das ist Geschmackssache, meistens wird ja das Gegenteil gewünscht. Hinsichtlich der RH würde ich ein härteres Holz mit kürzerem und flacherem Ballabsprung bevorzugen. Das kommt meiner Spielweise mehr entgegen. Die Angel eignet sich m. E. für den nicht ganz dicht am Tisch stehenden Angreifer, der variabel TS und Schuss spielt. Inwieweit sie auch dem Abwehrspieler entgegenkommt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Auf der RH müsste man mal eine griffige Noppe ausprobieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass Off-Bälle damit sehr gut funktionieren.
Fazit: Ich möchte unbedingt noch einmal ein anderes Möller-Holz ausprobieren, das meinem persönlichen Spielstil mehr entspricht. Einmal mehr bin ich beeindruckt, was man als ambitionierter Amateur (nicht abwertend gemeint)-Hölzer-Bauer so hinbekommt. Wenn ich diese Fähigkeiten hätte, würde kein Händler an mir einen weiteren Euro verdienen. Leider liegen meine besonderen Fähigketen auf anderen Gebieten."
Also - wer Lust hat es auch einmal auszuprobieren, sollte Uli anschreiben. Der lässt sich bestimmt nicht lumpen.
Gruß
Richard
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