Einzelnen Beitrag anzeigen
  #54  
Alt 10.04.2006, 23:11
Benutzerbild von Jipsi
Jipsi Jipsi ist offline
registrierter Besucher
Forenmitglied
 
Registriert seit: 20.11.2004
Ort: Düsseldorf
Alter: 54
Beiträge: 229
Jipsi ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: FLOW VI: Die ultimative Frage an alle...

Ich kann mich nicht erinnern, jemals beim Tischtennis ein Flow-Gefühl gehabt zu haben.
Beim Motorsport (Rundstrecke, Markenpokal) allerdings sehr wohl:
Es ist ein Gefühl, als ob man auf eine Rauhfasertapete starrt und irgendwann meint, Gesichter oder andere Bilder zu erkennen.
Man denkt nicht; es ist der pure Instinkt, der einen handeln lässt.
Irgendwann, man kann es schwer beeinflussen, kommt der Punkt, an dem man irgendwie aufwacht: Man erkennt (bezogen auf Motorsport), dass man instinktiv (unbewusst) auf der letzten Rille fuhr, auf dem Dir eigenen Leistungszenit, Dein maximales mögliches Potenzial.
Wenn man "aufwacht" ist es aber leider mit dem High-Sein (Flow) vorbei.

Ayrton Senna beschrieb einmal vor Journalisten sehr gut, wie es ist, ein Flow zu haben:
Aus: "Ayrton Senna- Hart am Rande des Genies" von Christopher Hilton, S. 187:

"Manchmal weiß ich, warum ich bestimmte Dinge so und nicht anders mache. Manchmal weiß ich das aber auch nicht. Es gibt Momente, in denen wohl der natürliche Instinkt in mir bestimmt, was ich mache. Ob dies angeboren ist, oder ob sich dieses Gefühl bei mir mehr als bei anderen Menschen entwickelt hat, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist es aber in mir, und es kann mich manchmal absolut beherrschen.
Beim Wettkampf gegen die Uhr und gegen die Konkurrenten entsteht eine Spannung, eine besondere Art von Kraft - während ich Runde um Runde fahre - die mich völlig von allen anderen Dingen loslöst. Ich kann Ihnen ein gutes Beispiel dafür geben.
Monte Carlo ´88, letzter Teil der Qualifikation. Ich hatte schon die Pole, aber ich fuhr eine Runde nach der anderen immer noch schneller und schneller. Zuerst war ich knapp der Schnellste, dann war ich eine Sekunde, dann zwei Sekunden schneller, einschließlich meines Teamkollegen (Anm.: Alain Prost, sein damaliger Erzfeind) im gleichen Auto. Plötzlich bemerkte ich, dass ich das Auto nicht mehr bewusst fuhr. Ich fuhr gewissermaßen instinktiv und war dabei in einer ganz anderen Welt. Es war, als ob ich in einem Tunnel fuhr - der ganze Rennkurs war ein Tunnel. Ich fuhr und fuhr und fuhr und holte mehr und mehr aus mir heraus. Ich war eigentlich schon weit jenseits der Leistungsgrenze, aber ich war in der Lage, mich immer noch mehr zu steigern. Und dann war es plötzlich, als ob ich von etwas angestoßen wurde und aufwachte. Ich erkannte, dass ich in einer ganz anderen Welt gewesen war. Meine sofortige Reaktion war, den Fuß vom Gas zu nehmen und langsamer zu machen. Ich fuhr an die Boxen zurück und wollte an jenem Tag nicht mehr auf die Strecke gehen. Es erschreckte mich, weil ich erkannte, dass ich die Schwelle des bewussten Handelns deutlich überschritten hatte. Das passiert selten, aber ich halte diese Erkenntisse in mir sehr lebendig, weil dies für die Selbsterhaltung sehr wichtig ist."

In memoriam Ayrton Senna da Silva, 21.03.1960 - 01.05.1994.
Größter Rennfahrer aller Zeiten.

Geändert von Jipsi (10.04.2006 um 23:14 Uhr)
Mit Zitat antworten