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AW: FLOW VI: Die ultimative Frage an alle...
Hi,
es gibt für mich verschiedene Arten Flow, die ich mir zum Teil erst durch die Thematisierung hier im Forum bewusst gemacht habe.
Im Badminton öfters, aber auch bei anderen Gelegenheiten erlebte ich intensiven Flow, ohne um den Flow zu wissen. Jetzt, bewusster, kann ich ihn in Grenzen herbeiführen. Im Training kann ich in Phasen in denen ich nix mehr zu treffen drohe mich an Flow "erinnern" und den Kopf - besser Bewusstsein - aufmachen. Ich spiele sofort deutlich sicherer, der Zustand hält meist nicht lange an, hilft mir jedoch auch noch hinterher.
Schach habe ich oft im Flow gespielt. Fällt mir gerade ein, ich spiele schon lange nicht mehr.
Starker Wettbewerb hilft mir außerordentlich in Flow zu kommen, also üblicherweise nicht vor der 2.Hälfte des Entscheidungssatzes. Ich erlebe dann so gegensätzliche Dinge wie höchste Konzentration bei gleichzeitiger Ruhe und Gelassenheit. Ich nehme alles um mich herum wahr, jedoch wie durch einen Vorhang, mich stört dann auch nichts, lediglich das Spielfeld, den Gegner, den Ball, den Schiedsrichter nehme ich ganz klar wahr. Der Spielstand wird nebensächlich, ich weiß meist gerade noch den Spielstand, habe den aber auch schon nicht mehr mitbekommen. Taktisch spiele ich dann optimal, denke wohl oberflächlich nach, wobei das nur in eine Richtung weist, fühle aber wie ich spielen muss. Meine Risikobereitschaft ist sehr hoch, deckt sich aber mit dem was ich spiele. Nur dann gelingen mir Bälle, die ich sonst unter zufällig abbuchte. Ich weiß ganz genau, ob ein Ball geht oder nicht, spiele an meinem Limit und das ruhig, in höchster Konzentration. Den Ball, der über Sieg oder Niederlage entscheidet, spiele ich völlig unbeindruckt mit höchstem, angemessenen Risiko.
Extremen Tunnelblick im Flow hatte ich im Halbfinale eines Badmintonturniers gegen den Vorjahressieger. Nachdem ich offensiv nicht durchkam, mich körperlich schon platt gemacht hatte, das Spiel eigentlich schon verloren war, stellte ich auf Ballhalten und ausplatzieren um - das ist eigentlich mein Spiel. Das ging dann so stark mit Flow einher, dass ich das Gejohle bei den Zuschauern kaum mehr wahrnahm und in meinen Tunnelblick kaum der Gegner "reinpasste". Ich habe den Tunnel nicht mehr weiter aufbekommen. Trotzdem war ich ganz locker und ich vergesse nie, wie bewusst ich wahrnahm wie mir gleichzeitig der rasende Puls gegen den Kopf schlug ... schlug ... schlug ... völliges körperliches Limit, einhergehend mit höchster Präzision in den Schlägen.
Finale habe ich verloren, das Halbfinale war körperlich zu teuer.
Ich bin mir sicher, einige von denen, die das als esoterisch abtun, hatten schon Flow.
Ich komme aus der rationalen Ecke, mir ist so ein Thread schon anstrengend. Im Sport erst den eigenen Mangel an "aus dem Bauch spielen" erkennend, versuchte ich den "Bauch" einfach nur zuzulassen. "Rational" ist im Sport einfach zu langsam!
So, da sind mir ja fast die drei (Ab-)Sätze gelungen.
Gruß, Nik
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Gruß von der Ostsee
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