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Bier und Whisky - Searching for Quality....
........nach dem mich ein paar interessierte User (zwar nur eine Handvoll aber immerhin) im Forum und per PN in den letzten Wochen immer mal wieder in Sachen Bier und Whiskytipps bedrängt haben, hier nun für alle Interessierten - Freaks wie Normalverbraucher - ein kleiner Blitz-Exkurs....
Da ich kein Spirituosen- oder Getränkehändler bin und auch sonst keine kommerziellen Interessensgruppen vertrete, gebe ich die Infos so unverblümt wie möglich.... ( eine umfangreichere Reportage von mir zu diesem Thema - allerdings mit Rücksicht auf verschiedene Importeure, Erzeuger etc. etwas entschärft und allgemeiner gehalten - erschien bereits in den 90er Jahren in `Essen und Trinken` sowie verschiedenen Tageszeitungen wie `SZ` und `Frankfurter Rundschau` ) .
Leider haben - meiner bescheidenen Meinung nach, die ich aber mit vielen Freaks weltweit teile - nahezu sämtliche Destillerien in Schottland in den letzten drei Dekaden qualitativ mehr oder weniger stark nach gelassen :
Schwankende Güte der Rohstoffe, immer mehr abnehmende Qualität der benutzten und gebrauchten Fässer (in denen zuvor meist spanischer Sherry oder amerikanischer Bourbon lagerte), sowie vor allem eine immer mehr um sich greifende Technisierung und Automatisierung beim Herstellungsprozeß (kürzere Destillationszeiten , traditionelle Kohlebefeuerung der Stills (Brennblasen) durch Gas ersetzt etc.) und noch Einiges mehr haben zu diesem Niedergang geführt.
Ganz Ähnliches mussten wir leider in Deutschland beim Bier in den letzten Jahren oft schmerzlich erfahren : Viele Erzeuger haben vor lauter Expansionsdrang und Output-Steigerung meist die Liebe zum Detail verloren; kleinere Brauereien wurden häufig aufgekauft bzw. übernommen und ein Grossteil der überregional verbreiteten deutschen Biermarken befindet sich heute in der Hand von einigen wenigen riesigen Konzernen, die ihre Gelder mehr für ausgeklügelte Marketingkonzepte und Werbe-Übertragunszeiten im Fernsehen denn für beste Rohstoffe (in erster Linie der hochwertige und nicht ganz billige Aromahopfen aus den Top-Anbaugebieten Spalt, Tettnang und der Hallertau) oder grössere Sorgfalt bei der Herstellung verwenden.
Eine um sich greifende Uniformität des Geschmacks ist das traurige Ergebnis - viele im Handel erhältliche Marken stellen im Vergleich zu früher nur noch eine belanglose Einheitsbrühe dar. Da sich dieser Degenerationsprozeß über die letzten zwei Jahrzehnte mehr oder weniger schleichend vollzogen hat, haben sich leider viele viele Biertrinker in Deutschland an diese Veränderungen gewöhnt. Wer aber sich aber die Mühe macht, einmal eines der wenigen deutschlandweit übrig gebliebenen Klassebiere zu probieren, der wird hier sein blaues Wunder erleben und viele bisher in Keller und Kühlschrank präsente Namen auf ewig von seiner Zunge verbannen.
Um an dieser Stelle nicht gegen die Auflagen von TT-News zu verstossen, gebe ich im folgenden nun einfach eine kleine subjektive Liste weiter, die bei mir und in meinem Freundeskreis aus über 20jähriger Trink- und Verkostungserfahrung sowie strenger Beobachtung von mehr als 600 verschiedenen Pilsbieren in ganz Deutschland über die Zeit entstanden ist ; unserer Meinung nach halten diese kleinen bis sehr kleinen Brauereien auch heute noch die Fahne deutscher Braukunst hoch - allerdings sind die allermeisten davon nur im näheren Umkreis der Brauerei erhältlich und deshalb im Getränkehandel der Grossstädte praktisch nicht zu bekommen .
Es ist halt so wie bei vielen guten Dingen im Leben: Wer wirklich die Spitze erklimmen möchte, der muss eben einige Mühen auf sich nehmen, mindestens einen Tag Urlaub einplanen, das Auto volltanken und bereit sein, mehrere hundert Kilometer quer durch Deutrschland zu gondeln - wer als echt ambitionierter Qualitäts-Pilstrinker dazu nicht zumindest ein bis zweimal im Jahr bereit ist, der hat solch epochalen Geschmackserlebnisse auch nicht verdient....
Freudenberger Pils, aus Freudenberg im Raum Amberg/Nürnberg :
37 Bittereinheiten und allerbester Aromahopfen aus Tettnang und Spalt - für mich nicht nur das beste Pilsener Deutschlands oder das beste Bier der Welt - nein , es gehört zusammen mit den allergrössten Weinen aus Burgund, Bordeaux und der Mosel sowie zwei drei schottischen Single Malts zu meiner Top Ten der grössten Getränke überhaupt auf diesem Planeten :
Unheimlich würzig, herb aber trotzdem süffig.....mit einer ultrakomplexen Dimension im extrem langen Abgang.
Hauff Pils aus Lichtenau :
Etwas süffiger als das Freudenberger und nicht ganz so spritzig-frisch , ebenfalls top ( Hopfen aus Spalt und der Hallertau) .
Spalt No. One :
Aus der gleichnamigen Stadt ; bester Aromahopfen aus dem hauseigenen Garten - mit gut 40 Bittereinheiten so kernig und knackig wie Jever zuletzt Ende der 70er Jahre.
Bamberger Klosterbräu Gold Pils , Bamberg :
Weniger herb als die oben Genannten , aber eines der Markantesten.
Tettnanger Kronen Pils, Tettnang am Bodenseee:
Nicht mehr so fulminant aromagehopft wie früher, zählt aber immer noch zur Spitze.
Maisel Pils , Bamberg (nicht mit dem Bier gleichen Namens aus Bayreuth zu verwechseln) : Schlanker u. rassiger - kaum süffig sondern mehr norddeutsch angehaucht.
Wagner Pils, Kemmern :
Geht in Richtung des Bamberger Klosterbräu mit einer eigenwilligen und sehr interessanten Malznote, die den Hopfen etwas in den Hintergrund treten lässt.
Treuener Pils, Treuen :
Süffig u. knackig (bei Top-Bieren kein Widerspruch) , am ehesten dem oben stehenden Hauff vergleichbar.
Mayer´s Pilsener Oggersheim :
Das beste Bier der Pfalz und die Hausmarke von Altkanzler Helmut Kohl - zumindest von Genussmitteln hatte der Gute Ahnung : neben der Aromahopfennote treten urplötzlich auch dezente Anklänge an tropische Früchte (Mango ?) zutage - bemerkenswert eigenwillig...
Und beim Whisky ?
Nun, vor allem Mortlach, Linkwood, Longmorn , Rosebank und mit Abstrichen Caol Isla, Clynelish , Dalmore u. Glenmorangie gehören für mich zu den wenigen Destillerien, die über die Jahre nicht ganz so stark nach gelassen haben wie Andere....
(Besonders augenfällig ist für mich der Qualitätsrückgang bei den sonstigen Islays sowie grossen Marken wie Macallan, Glenfarclas, Glenlivet plus den sechs Vertretern der Classic Malts Serie von United Detillers bzw . Diageo : ebenfalls ein grosser Konzern der viele Destillerien ohne Rücksicht geschluckt hat - wie beim Bier in Germany u.a. die `Brau und Brunnen` AG...) .
PS :
Viele zu dem Thema `Spitzenbiere in Deutschland und der Welt` von angeblich ach so renommierten Kennern in den letzten Jahren auf den Markt gebrachte Werke führen die oben genannten Biere gar nicht auf ; aus Rücksichtnahme auf (kommerzielle) Interessen der Wirtschaft werden dort zudem viele seit geraumer Zeit schwächelnde u. bekannte Marken schön geredet bzw. schön getrunken : Den Gipfel dieser Inkompetenz stellen für mich in dieser Hinsicht die Machwerke eines international (leider) recht verbreiteten Autors dar, der den gleichen Namen trägt wie einer der populärsten Sänger/Musiker unserer Zeit und der parallel auch in der Whiskyszene als Kritiker u. 'Experte' ähnlich unbedarft sein Unwesen treibt....
Geändert von Rieslingrübe (05.05.2006 um 07:00 Uhr)
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