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AW: Darf man bei einem Kantenball klatschen?
Hallo Zusammen,
im Grundsatz ist für mich persönlich ein von mir gespielter Kantenball immer Anlass, mich zu entschuldigen. Es kann natürlich sein, dass ein Zuschauer klatscht, ohne gesehen zu haben, dass es sich um einen Kantenball handelte und auch meine Entschuldigung ebenfalls nicht mitbekommen hat.
Das kann vorkommen. Dann wird dem Zuschauer aber in den meisten Fällen durch andere Zuschauer oder Mitspieler mitgeteilt, dass es ein Kantenball war. Reaktion des betreffenden Zuschauers ist dann ebenfalls eine Entschuldigung im Sinne von "Sorry, konnte ich von hier nicht sehen". Das ist dann auch völlig in Ordnung für alle - insbesondere für den Gegenspieler.
Es gibt aber auch die Form der - ich nenne sie "Psychos", die meinen, einen selbst durch Kantenball erzielten Punkt noch bejubeln zu müssen und damit ihren Gegner zu provozieren. Das gelingt dann auch häufig und ist in meinen Augen höchst unsportlich. Für solche Verfehlungen gibt es übrigens mittlerweile in höheren Klassen offizielle Verwarnungen. Allerdings haben in Landesligen und erst recht in Kreisklassen die Zähler selten bunte Kärtchen dabei. Ganz abgesehen davon, dass auch andere Klarheiten kategorisch übersehen werden - ich nenne nur mal falsche Aufschläge. Die kommen sogar in der Landesliga noch haufenweise vor. Wird aber selbst bei entsprechendem Hinweis an den Schiedsrichter spätestens nach zwei Aufschlägen wieder ignoriert. Das ist für meine Begriffe auch nicht in Ordnung. Wozu gibt es dann ein Regelwerk?
Meines Erachtens hat der Tischtennis-Sport hier ein enormes Nachholbedürfnis in Sachen Fairness und Selbstüberwachung. Nur mal so als Anhaltspunkt: Ich spiele auch Golf. Da ist es z. B. absolut selbstverständlich, es selbst mitzuteilen, wenn man den Ball durch eigene Dösigkeit bewegt hat. Auch, wenn es keiner gesehen haben kann, weil die Mitspieler vielleicht zwanzig Meter entfernt stehen. Man kassiert dafür zwei Strafschläge und kann sich über sich selbst ärgern. Es gibt zwar auch in diesem Sport einige (wirklich sehr wenige) schwarze Schafe. Die betrügen sich aber letztendlich selbst durch das Verheimlichen solcher Verfehlungen. Und auf Dauer will niemand mehr mit solchen Schwachstromsynapsen spielen.
Doch zurück zum Kantenball: Was wäre denn mit einer Regeländerung dahingehend, dass ein offensichtlicher Kantenball, der beim Wegspringen deutlich die Flugrichtung ändert, als "Aus" gezählt würde? Das wäre zwar auch wieder mit Zündstoff versehen, weil vermutlich eine Menge Spieler Diskussionen anfangen würden, "ob der jetzt wirklich ein Kantenball war oder nicht"...aber in meinen Augen wäre eine solche Überlegung mal wirklich interessant.
Derartige Diskussionen könnte man natürlich im Keim ersticken durch umlaufende Sensorbahnen, die genau an der Kante angebracht würden und bei Berührung durch den Ball einen Piepston aussenden. Wäre ab einer bestimmten Produktionsmenge noch nichtmal wirklich teuer. Ich schätze mal knappe 20 Euro inkl. Batterie betriebenem Piepser.
So manches Spiel würde dann jedenfalls nicht mehr durch die Zahl der "Nassen" entschieden, über die man sich sonst so reichlich ärgern kann. Und man wäre einen Schritt weiter, was die Entgiftung des Tischtennis-Sports angeht.
Beste Grüße
Olaf
P.S.: ...wenn's mal wieder etwas länger dauert... Entschuldigung für den etwas ausführlicher gewordenen Beitrag. Wem es zu lang war, dem spendiere ich einen virtuellen Schokoriegel.
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"Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen." George Orwell (1903-50), eigtl. Eric Arthur Blair, engl. Schriftsteller.
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