Interessanter Beitrag, der aus meiner Sicht aber noch ein paar Fragen offen läßt:
1. Wenn du die Noppe nur zur Aufschlagannahme und um mehr Sicherheit in dein RH-Spiel zu bekommen brauchst, dann würde es der Anti immer noch tun. Insofern dürfte dich ein eventuelles GLN-Verbot doch gar nicht tangieren.
2. Als Kenner der Kreisebene kann ich nur sagen, die Masse der dort agierenden GLN-Spieler deckt 80-90% des Tisches mit der RH ab und verfährt nach dem Zerstörerprinzip. Angriffsschläge beschränken sich im wesentlichen auf VH-Schüsse. Ich kenne dort nur ganz wenige Noppenspieler, die ein sicheres VH-Topspin-Spiel beherrschen und die spielen höchstens im oberen PK der Kreisliga.
3. Wenn das mit dem Spiel gegen Noppen so einfach wäre wie es das Schnitt-Umkehr-Prinzip vermuten läßt, dann versteh ich nicht warum es jedes Jahr neue Noppentypen geben muß, die immer wieder mit dem Argument "noch stärkere Flatterbälle" oder "jetzt weiß ihr Gegner überhaupt nicht mehr, welcher Schnitt im Ball ist" auf den Markt gebracht werden.
4. Vor ca. 15 Jahren hat es mal ein denkwürdiges Senioren-WM-Endspiel zwischen dem österreicherischen Materialfetischisten Toni Hold und Erich Arndt (ich glaube damals mit über 50 noch Oberligaspieler) gegeben, bei der der Filigrantechniker Arndt nachher sagte, er hätte keine Ahnung gehabt, welchen Schnitt die Bälle seines Kontrahenten gehabt hätten und die Returns wahlweise meterweise zu weit oder gleich auf die eigenen Tisch gesetzt. Dies zeigt, daß auch Spieler, die das Spiel nachweislich verstanden haben, bei manchen Materialien vor Rätseln stehen.
5. Die Einführung des (später verbotenen) Curl-Spezial-Belags hat gezeigt, daß Spieler (und das waren keine aufstrebenden Jungtalente) innerhalb einer Serie plötzlich drei Klassen stärker waren, nach Verbot des Belags aber in etwa wieder auf ihre alte Leistungsstärke zurückfielen.
6. Daß ein NI-Spieler ohne jede Übung mit einer GLN nicht agieren kann, ist alles andere als erstaunlich. Ehrlich gesagt kenne ich niemanden, der mit einem völlig anders gearteten Schläger halbwegs vernünftig spielen kann. Das brauch eines an Training und Gewöhnung. Insofern kann ich diese (häufig gewählte) Argumentationsform auch nicht als ernsthaftes Pro-Noppen-Argument akzeptieren.
7. Spiele zwischen Noppenspieler auf Kreisebene kenne ich nur als endloses Gewürge, weil einer mit den Bällen des anderen nicht klarkommt. Gewinnen tut dann in aller Regel derjenige, der weniger angreift und damit weniger Fehler macht.
Fazit: versteht mich nicht falsch, ich bin kein Noppenhasser und habe früher selber Anti gespielt. Insofern begrüße ich grundsätzlich eine gewisse Vielfalt an Materialien, aber dies muß in gewissen Grenzen bleiben, die von der Mehrheit der TT-Spieler akzeptiert werden. Der gnadenlosen Materialschlacht, die in diesem Bereich (aber auch bei den Frischklebern) seit einigen Jahren unkontrolliert tobt, muß deshalb Einhalt geboten werden