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AW: Fairness? Aggressives Verhalten?
Ich glaube, dass ich das schon mal anderswo in diesem Forum erzaehlt habe, aber ich tue es gerne noch einmal: In fernoestlichen Kulturen (chinesisch, japanisch, koreanisch, etc.) gilt "dem Gegenueber in den Augen schauen" definitiv *nicht* zu Hoeflichkeitsgeste - es ist naemlich zu eindringlich. Hoeflich ist dagegen, den Kopf nach unten zu neigen bzw. auf dem Boden zu schauen. Im antiken China hat man bei einem kaiserlichen Empfang dafuer den Kopf verlieren koennen, dass man den Kaiser ins Gesicht schaut - egal offen oder verstohlen, ohne zuvor von ihm ausdruecklichen dazu auffordert zu werden. "Ausspaehen des kaiserlichen Anlitzes" war also eine bekannte Todsuende.
Zugeben, damals gab es auch keine "Haendeschuetteln" - zumindest nicht so wie heute. Aber selbst viele heutige japanische und koreanische Sportler neigen noch automatisch ihre Oberkoerper nach vorne, wenn sie dem Gegenueber die Hand geben, und schauen dabei oft nach unten. Das ist eine ueberaus hoefliche Geste.
Dagegen ist das "am Gegenueber vorbei ins leere Luft schauen", wie es stellenweise tatsaechlich von Ma Lin und andere Chinesen praktiziert werden, mit Sicherheit *nicht* als hoefliche Geste gemeint. Es ist genau das, wie die Europaer es auch wahrnehmen: ein Ausdruck der Geringschaetzung oder zumindest der Gleichgueltigkeit. Zwar waere die gleiche Geste im antiken China durchaus als Hoeflichkeit wahrgenommen - das Meiden des Hinschauens als Zeichen der Ehrfurcht, aber diese Tradition kennen heute nicht einmal die durchschnittlichen Intellektuellen in China, geschweige denn die deutlich unterdurchschnittlich gebildeten Leistungssportler.
Geändert von henrypijames (22.05.2006 um 21:31 Uhr)
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