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AW: Philosophie-Thread
Hallo liebe Mitgrübler,
vielleicht war die Gott Diskussion ein bisschen zu hoch angesetzt, ich hätte da ein Thema, das mich seit einiger Zeit fasziniert, und zu dem ich bis jetzt immer noch keine eindeutig festgelegte Meinung habe:
Was haltet ihr von Kausalität? Denkt ihr, das es so etwas wie ein grundlegendes Kausalitätsprinzip gibt, das unserer Welt zugrunde liegt, oder ist Kausalität nur etwas, was wir Menschen geschaffen haben um die Welt zu verstehen?
Mit Kausalitätsprinzip meine ich etwas Naturgesetzähnliches, was auf folgende Art formuliert werden könnte :"jede Ursache hat ihre Wirkung", oder auch, "jeglich Wirkung muss eine Ursache haben".
Geschichtlicher Hintergrund:
In der Antike war der sogennante Schicksalglaube oder Fatalismus recht geläufig. Menschen glaubten an ein fest bestimmtes Schicksal, dem sie nicht entrinnen konnten.
In Zeiten der Renaissance kam dazu der Determinismus, die Menschen glaubten zwar nicht mehr an ihr Schicksal, glaubten aber dennoch, das die Zukunft durch ihr jetziges Handeln determiniert wird.
Schließlich kam die abgeschwächte Form des Determinismus, die Kausalität, jegliches Handeln hat eine Wirkung.
Diejenigen, die an Kausalität glauben, erlitten im letzten Jahrhundert einen Rückschlag, als Heissenberg mit seiner Unschärferelation und Gödel mit seinen Unbestimmtheitssätzen ein allgemeines Kausalitätsprinzip fast schon ad absurdum gefuhrt haben:
-Heissenberg: man kann nur bis zu einer gewissen Unschärfe die Position und die Geschwindigkeit eines Elektrons vorhersagen, dies führte dazu, das man in der Quantenmechanik nur Wahrscheinlichkeiten angeben kann, und keine definiten Aussagen mehr möglich sind
-Gödel: wies mittels der "mathematischen Logik", auch Metalogik genannt, nach das formale Systeme (damit sind Axiomensysteme gemeint, wie sie in der Mathematik und Informatik verwendet werden) Sätze enthalten, die man weder Beweisen noch Wiederlegen kann. Das bedeutet: jedes formale System hat unschliessbare Lücken (dies führt z.b. in der Mathematik dazu, das die sogenannten Konstruktivisten jegliche Wiederspruchsbeweise ablehenen, und damit u.a. auch die Existenz der irrationalen Zahlen)
Also, was denkt ihr, gibt es grundlegende Prinzipien die das Handeln und den Ablauf der Geschichte steuern, oder kann man zukünftige Dinge nur mittels Wahrscheinlichkeiten vorhersagen?
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"Nun, ich habe vor, sie [die Welt] zu erforschen, ohne sie vorher zu definieren!
Richard P. Feynman
Geändert von Dieterkuhn (01.06.2006 um 17:50 Uhr)
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