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Alt 06.06.2006, 12:52
Balian Balian ist offline
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Balian ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Freches Sponsoring

Solche oder ähnliche Geschäftsmodelle gabe es zu den Hype-Zeiten der New Economy 2000/2001 in Massen, keines ist je aufgegangen. Damals gab es etliche Betreiber von unterschiedlichsten Seiten, die mit der Anzahl der täglichen Clicks und angemeldeten Usern übers Land gezogen sind und Investoren davon überzeugen wollten, in kostenpflichtige "Content-Seiten" zu investieren. All diese Seiten, die vorher einen regen Traffic hatten, drifteten danach sofort in die Bedeutungslosigkeit ab. Das hat mit Tischtennisspielern und ihren Eigenarten gar nichts zu tun, das ist mehr oder weniger typisch für die gesamte Internet-Community.

Auch der Versuch namhafter Zeitungsverlage ihre Online-Seiten als Bezahlservice zu etablieren (Spiegel, Handelsblatt, usw) dürfen getrost als gescheitert angesehen werden. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so schwierig, gestaltet sich die Finanzierung von Internet-Seiten über Bannerwerbung. Auch dieses Geschäftsmodell arbeitet in den meisten Fällen nicht dauerhaft kostendeckend. Kennzeichen einer jeden Internet-Community sind nun mal halt ihre Unverbindlichkeit und die Ungebundenheit ihrer User. Hat seine Nachteile (Spam, anonyme Störenfriede), aber auch seine Vorteile (Informationen erreichen ohne großen Aufwand eine Menge von Adressaten und schafft damit nie gekannte Transparenz). Ich möchte es jedenfalls in dieser Form nicht mehr missen.

Zurück zum eigentlichen Thema: LIEBHERR. Aus meiner Sicht ist Liebherr einer der wenigen Werbepartner/Sponsoren beim Tischtennis, deren Werbekonzept eine schlüssige Strategie verfolgt. Sie erreichen über die Randsportart TT, die wirtschaftlich von Europäern dominiert ist, insbesondere ihre Zielgruppen in China/Asien (=Wachstumsmarkt von Liebherr), weil dort das Öffentlichkeitsinteresse weitaus größer ist. Ich glaube nicht, daß Liebherr auf anderem Wege mit vergleichbarem Aufwand dort eine ähnliche Medienpräsenz erreichen könnte (und mit dieser Form auch intelligenter agiert als VW, die nur die chinesische Mannschaft sponsorn).

Und gerade deshalb ist ein solcher Sponsor, der sich dem TT offensichtlich schon länger verschrieben hat und dabei auch einen gesunden Eigennutzen hat, unendlich wichtiger als solche Werbepartner, die dies nur aufgrund der Beziehung einzelner Funktionsträger (s."Opel") tun oder weil sie einfach einmal einen anderen Vertreibsweg ausprobieren wollen, der bei (vorhersehbarem) Mißerfolg schnell wieder eingestellt wird (s. "ratiopharm" oder auch jetzt "ARAG"). Und die bereits angesprochene Kooperation von betandwin und dieser Seite würde ich jetzt auch mal in diese Schublade platzieren.

Fazit: wenn TT wirklich einen professionellen Anspruch haben will und mehr Öffentlichkeitswirkung erreichen will, dann brauchen wir gerade solche Sponsoren wie Liebherr. Wenn wir - und auch dafür hege ich eine gewisse Sympathie - weiter unabhängig von Beeinflussung von außen unseren Hobbysport betreiben wollen, dann sollten wir weiter nach "gutmütigen Mäzenen" suchen, die rein aus persönlicher Profilneurose oder Gutmütigkeit bzw. manchmal aus auch Dummheit die Exzesse des Profitums und der "Möchterngern-Profis" der Landes- und Oberligen finanzieren und ansonsten unser Image als Garagensportler mit Bierbauch weiterpflegen.
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