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Alt 27.06.2006, 09:39
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Carstens_Brüderchen Carstens_Brüderchen ist offline
Isch hol glei mein Bruda!
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AW: Möglicherweise neue Regel bei langen Noppen (Bestimmung der Reibung)

Hi!

Habe mich ja lange hier rausgehalten, möchte aber mal ein kurzes Zwischenfazit ziehen:

Der Tenor derer, die für eine Abschaffung sind, lautet: "Macht keinen Spaß, gegen GLN zu spielen. Nichtmal dagegen zu gewinnen (!)."

Diejenigen, die für die GLN sind, sagen immer wieder: "Ist doch nicht mein Problem, wenn einer nicht dagegen klar kommt." Dabei wird auch häufig noch davon gesprochen, dass es "Spaß macht, wenn man den Gegner mal so richtig ärgern kann."

Letzten Endes wollen also beide Parteien Spaß. Die einen, indem sie besser kalkulieren können, was der Ball nach dem Schlag des Gegners macht; die anderen, indem sie ebendies verhindern wollen.

Meine persönliche Meinung hierzu sei jetzt erstmal unmaßgeblich. Nur ist in anderen Rückschlagsportarten so etwas undenkbar. Tennis, Badminton, Squash etc. haben zwar auch eine Evolution des Materials durchgemacht. Weniger Schlägergewicht, größere Trefferfläche usw., jedoch diente dies höchstens zu einem besseren (saubereren) Treffen des Balles, niemals aber dazu, den Schlag des Gegners zu erschweren.

Analog hierzu ist die Vergrößerung des Spielballs im TT eher vergleichbar, welche zwar im Grundsatz das Tempo aus dem immer schneller gewordenen Spiel nehmen sollte, somit aber letztendlich auf mehr Kontrolle ausgerichtet ist.

Dieser Aspekt ist - glaube ich - vielen bei der Betrachtung der hiesigen Kernfrage abhanden gekommen. Das Tempospiel wurde bereits vor einigen Jahren durch diese Regelung entschärft. Dies dürfte eher den Spielern der Langnoppe entgegen gekommen sein als den Angriffsspielern.

Das, was jetzt mit der GLN angedacht ist, soll hier eventuell für einen Ausgleich sorgen. Einerseits sollte das Spiel etwas langsamer gemacht werden (Gründe hierfür liegen u.a. in der Nachvollziehbarkeit von Ballwechseln bei hochklassigen Spielern - insbesondere bei Fernsehübertragungen). Anderseits wurde hierdurch dem bis dahin immer seltener gewordenen und anerkanntermaßen unattraktiverem Langnoppenspiel (ich rede von höherklassiger Ausrichtung) neuer Nährboden geebnet. Ich nehme an, dass dies durch die GLN-Regeländerung kompensiert werden soll.

Nun kann man über den Sinn eines solchen Hinundher vorzüglich streiten - was ja hier auch zu Tage tritt. Unterm Strich wird aber das kommen, was kommen wird. Oder anders gesprochen: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist."

Um aber nochmal den Vergleich zu anderen Rückschlagsportarten zu bemühen: Eine Materialänderung hat dort nie dazu geführt, dass der Ball plötzlich völlig anders reagiert als bisher. Man trifft ihn vielleicht leichter, aber es ist immer noch notwendig Spin und Gegenspin AKTIV zu kontrollieren. Und das sollte meines Erachtens auch im TT so sein. Ich denke, dass ein Tennisschläger, der durch bloßes Hinhalten einen Hammertopspin des Gegners in einen Hammergegenspin verwandelt, umgehend durch die entsprechenden Gremien verboten würde. Warum? Weil dies sonst der Philosophie des Spiels widerstreben würde. Und diese liegt sicher nicht nur für mich in der besagten AKTIVEN Spielkontrolle, die im TT durch Materialien wie die GLN systematisch untergraben wird.

Hierzu ein noch generellerer Ansatz, der den Grundsatz von Sport etwas mehr einbezieht: Es geht nicht darum, den Gegner mit möglichst geringem Einsatz zu schlagen. Es geht darum, sich selbst permanent zu verbessern und durch die erzielte Verbesserung die Grenzen des Risikos beim Spiel immer weiter zu verschieben - nicht jedoch durch das Material, sondern durch Verbesserung von Fitness, Schnelligkeit, Ballgefühl, Reaktion und Beweglichkeit.

Wer jetzt wieder mit dem Argument kommt, dass man ja auch sein Spiel gegen die GLN kontinuierlich (s. Aspekt "Ballgefühl") verbessern könne, hat den Sinn der eigentlichen "sportlichen" Aktivität nicht verstanden.

Gruß

Olaf
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"Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen." George Orwell (1903-50), eigtl. Eric Arthur Blair, engl. Schriftsteller.
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