Zitat:
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Zitat von Carstens_Brüderchen
Hi!
Analog hierzu ist die Vergrößerung des Spielballs im TT eher vergleichbar, welche zwar im Grundsatz das Tempo aus dem immer schneller gewordenen Spiel nehmen sollte, somit aber letztendlich auf mehr Kontrolle ausgerichtet ist.
Dieser Aspekt ist - glaube ich - vielen bei der Betrachtung der hiesigen Kernfrage abhanden gekommen. Das Tempospiel wurde bereits vor einigen Jahren durch diese Regelung entschärft. Dies dürfte eher den Spielern der Langnoppe entgegen gekommen sein als den Angriffsspielern.
Das, was jetzt mit der GLN angedacht ist, soll hier eventuell für einen Ausgleich sorgen. Einerseits sollte das Spiel etwas langsamer gemacht werden (Gründe hierfür liegen u.a. in der Nachvollziehbarkeit von Ballwechseln bei hochklassigen Spielern - insbesondere bei Fernsehübertragungen). Anderseits wurde hierdurch dem bis dahin immer seltener gewordenen und anerkanntermaßen unattraktiverem Langnoppenspiel (ich rede von höherklassiger Ausrichtung) neuer Nährboden geebnet. Ich nehme an, dass dies durch die GLN-Regeländerung kompensiert werden soll.
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Diese Sichtweise ist leider grundfalsch!
Die Wirkung langer Noppen ist sowohl durch die Änderung des Aspect Ratio als auch durch die Einführung des großen Balles deutlich verringert worden.
Ein Verlust an Geschwindigkeit ist kaum zu verzeichnen.
Wie auch? Das Material wird insgesamt immer schneller, zur Not wird halt ne Schicht mehr geklebt.
Die absolut geringsten Einbußen haben in der Folge diejenigen hinnehmen müssen, die beidseitiges europäisches Topspin-TT spielen.
Frag mal z.B. Matsushita oder noch besser Shibutani, was sie vom großen Ball oder der Änderung des Apect Ratio von 1,3 auf 1,1 halten.
Die ITTF hat mit ihrer Einschätzung die Wirkung beider Maßnahmen im Verbund betreffend schlicht falsch gelegen - kann passieren.
Als Konsequenz auf die deutlich reduzierte Wirkung der zum fraglichen Zeitpunkt auf dem Markt befindlichen LN mit Aspect Ratio 1,1 hat die Industrie dann GLN herausgebracht. Über lange Zeit gab es nur den TSP Bamboo als semiglatte Noppe, bis der Hallmark Dr. Neubauer SuperSpecial auf den Markt kam.
Erst danach entstanden GLN-Beläge in Vielzahl.
Ergo:
Dies muss im Ergebnis einer Verschlechterung der Möglichkeiten (Benachteiligung?) von LN-Spielern durch Regeländerungen gesehen werden.
TT war schon immer eine Sportart mit Materialvielfalt. In der Geschichte gab es eine Menge an Materialinnovationen, tw. Revolutionen:
Korkschläger
Barna
Schaumgummi
KN mit Schwamm
Noppen-Innen-Beläge
Antitop
Lange Noppen
Die Vergleiche mit anderen Rückschlagsportarten hinken daher, weil nur im TT Rotation und der Umgang damit eine derart zentrale Bedeutung hat.
Dies ist einer der Hauptfaktoren der Sportart und so gibt es auch keine "gute" oder "schlechte" Rotation.
Nachvollziehbar ist diese mit jedem der derzeit auf dem Markt befindlichen Beläge.
Dies Thema hier ist mittlerweile unendlich lang, meine Beiträge bisher stehen auf den vorderen Seiten.
Vieles, was danach gesagt wurde, unterstütze ich. Manches zeugt wie ich finde von maximal profundem Halb- bis Unwissen

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Ich möchte versuchen, einen Lösungsansatz zu präsentieren, mit dem man m.E. leben kann:
1. Ich finde es völlig richtig, dafür Sorge zu tragen, dass Beläge nur so gespielt werden, wie sie von der ITTF zugelassen wurden. Der häuslichen Nachbehandlung von Belägen ist ein Riegel vorzuschieben, Überprüfbarkeit vor Ort muß hergestellt werden.
Hierfür würde es aus meiner Sicht ausreichen, wenn man die Belagliste um die Kategorien "griffig" und "glatt" erweiterte.
Zudem lässt sich überlegen, ob man nur Beläge zulässt, die sich zur Gänze einer der beiden Kategorien zuordnen lassen. Dies hätte zur Konsequenz, dass LN mit glatten Köpfen und griffigen Hälsen nicht mehr zulassungsfähig wären. Bereits dies wäre ein deutlicher Einschnitt, böte aber die Möglichkeit, Noppen ob glänzender Oberfläche (Sekundenkleber o.ä.) bei Meisterschaften aus dem Verkehr ziehen zu können. Denkbar wäre, dass man grundsätzlich das Glätten per Aufbringen einer Chemikalie auf die Köpfe untersagt.
Das laut Bulletin ohnehin ja zu produzierende Reibungsmeßgerät würde ausreichen, um Beläge vor Ort auf Einhaltung des Parameters "Glatt-Griffig" wie aus der Liste ersichtlich überprüfen zu können.
2. Alle derzeit auf dem Markt verfügbaren GLN-Beläge sind für den Gegner in ihren Eigenschaften nachvollziehbar und lediglich als Reaktion auf die Materialspieler benachteiligenden Änderungen mit Einführung des 40mm-Balles sowie die Änderung des Aspect Ratio entstanden.
Will man nun diese Belaggattung verbieten, soll im Umkehrschluss der Aspect Ratio mindestens wieder auf den alten Wert von 1,3 hochgesetzt werden.
3. TT lebt zum einen von der Rotation und der Schnelligkeit des Sportes, zum anderen aber auch durch die Vielfalt der möglichen Spielysteme und gänzlich unterschiedlichen Wege, die zum Erfolg führen können.
Die Änderungen der letzten Jahre haben aus meiner Sicht zu einem deutlichen Ungleichgewicht in Richtung der Bevorteilung schneller, topspinorientierter Systeme geführt.
TT beraubt sich eines großen Teils seiner Faszination, wenn hier nicht aktiv gegengesteuert wird.
Ein Quasi-Verbot von Belägen mit niedrigem Reibungskoeffizienten wird dieses Ungleichgewicht noch größer machen und ist für die Entwicklung des Sportes kontraproduktiv.
Gruß Tom