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Alt 27.06.2006, 20:52
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Carstens_Brüderchen Carstens_Brüderchen ist offline
Isch hol glei mein Bruda!
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Carstens_Brüderchen ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Möglicherweise neue Regel bei langen Noppen (Bestimmung der Reibung)

Hallo Horst,

schaue auch gerade Spanien - Frankreich und habe mich währenddessen Deinen Worten gewidmet.

1. Deine Argumentation ist sehr sachlich und auch einleuchtend, was die physikalischen Eigenschaften der GLN anbelangt.

2. Auch gebe ich Dir Recht, dass die bisher ins Feld geführten Entscheidungskriterien zum Verbot bestimmter Beläge sehr willkürlich wirken. Es ist fast davon auszugehen, dass die Herrschaften ihre Entscheidung über eigene schlechte Erfahrungen mit Gegnern bzw. deren Belägen, Erzählungen Anderer und/oder das von Dir erwähnte Reiben des Balls über die Noppen erlangt haben. Das ist natürlich wenig profund.

Ich denke aber, dass es keiner exakten Messung von Reibungswerten bedarf, um im Grundsatz zu erkennen, worum es geht, nämlich dass - wie Du schon richtig erwähnst - der GLN-Spieler den Spin nicht aktiv ändern kann. Er kann es aber über die Bewegung so aussehen lassen, als habe er den Spin geändert. Das kann verwirren, da man unterbewusst auf eine andere physikalische Reaktion des Balls gefasst ist. Selbst, wenn man weiß, dass der Gegner mit der GLN fungiert, stellt sich eine kurzfristige andere Erwartungshaltung ein.

Elfmeter für Spanien!

Diese Erwartungshaltung mag nur für Sekundenbruchteile währen, bis das Bewusstsein sich wieder einschaltet und sagt: "Nein, auf den Topspin von dir kommt jetzt kein Topspin zurück!"

1:0 für Spanien!

Diese Sekundenbruchteile führen dann aber schon zum Fehler. Diese Fehlergefahr hat der GLN-Spieler jedoch nicht, da er nicht darüber nachdenken muss, ob da gerade Unterschnitt oder Topspin ankommt. Er muss das Ding nur über entsprechende Ein- und Ausfallswinkel zurückspielen, ohne den Gegenspin zu kalkulieren. Und DAS macht den Unterschied in der benötigten Koordination aus. Somit ist - nach entsprechender Justierung, die sicher auch etwas länger dauern kann - das Spiel mit der GLN irgendwann "einfacher". Zumindest wirkt dieser Vorteil in den niedrigeren Klassen nachhaltiger.

Letzten Endes erachte ich dies dann als unsportlichen Vorteil gegenüber dem Spieler mit vorhandener Reibung. Insbesondere, wenn auch noch Sidespin im Spiel ist, der hier komischerweise von niemandem weiter erwähnt wird.

Das ist aber ein wesentlicher Aspekt! Denn wir haben es nicht nur mit Unterschnitt und Topspin zu tun. Durch leichte Modifikation des Sidespins bei einem Topspin (durch den NI-Spieler) wird der Ball für den GLN-Spieler nicht wesentlich unkontrollierbarer, für den NI-Spieler im Anschluss jedoch sehr wohl. Und das, obwohl die entsprechende Modifikation des Spins seine eigene Leistung war.

1:1 für Frankreich!!

Der Kern der ganzen Diskussion lautet m.E. dahingehend, dass durch irreguläres Material die Leistung eines Spielers zunichte gemacht wird. Ein brilliant gespielter Ball zeigt dann nicht die Wirkung, die er normal hätte, nämlich eine erhöhte Schwierigkeit für den Gegner.

Stattdessen wird der NI-Spieler durch eine erhöhte Schwierigkeit für ihn selbst bestraft. Wäre dies durch den passenden Gegenschlag (der sehr viel höhere interne Berechnungs- und Koordinationsabläufe erfordert als mit einer GLN) passiert, so wäre das ebenfalls als ein brillianter Schlag des Gegners zu werten. So jedoch ist es eine, wie ich finde, unlautere Vereinfachung durch die GLN.

Halbzeit - jetzt schaue ich mir Netzer und Delling an. Immer wieder ein Genuss!

Hoffe, auch sachlich geblieben zu sein und grüße fröhlich

Olaf
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"Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen." George Orwell (1903-50), eigtl. Eric Arthur Blair, engl. Schriftsteller.
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