Testbericht Schildkröt Futec CV
nachdem ich das Holz nun 3mal gespielt habe sehe ich mich in der Lage einen Testbericht zu verfassen.
Zu meiner Person: Spielklasse BOL Lüneburg Pos. 4 TTVN
Ich bin beidseitiger agressiver Spinspieler wobei ich ca 65% mit VH spiele und 35% mit RH. Mein bester Schlag ist der VH Topspin/Schlagspin. Der Schuss ist eher die Ausnahme. Ich versuche so früh wie möglich die Initiative zu ergreifen. Aufschläge des Gegners, die lang sind und nicht zweimal auf meiner Seite aufspringen würden, werden sofort mit VH als auch RH angezogen. Mit der RH spiele ich nur den Eröffnungstopspin und schließ dann den Ballwechsel öfters mit einem VH-Schlagspin ab.
Mein Material (Standard):Beläge: VH Sriver L 2,1 sw, RH Sriver L 2,1 , beides mit 2 Schichten Nassgeklebt dann ab in die Presse für mindestens 30min.
Holz: Weltklasse Eigenbau, relativ weiches fast steifes Offensivholz.
Im Test: Schildkröt Futec CV konkav mit
VH Mambo H 2,1 RH Nittaku HP@ 2,0 beides nassgeklebt mit Presse
Technische Daten zum Holz:
Gewicht: 93,2
Schwerpunkt: 13cm o.Beläge (grifflastig) /16cm mit Belägen (stark Kopflastig)
Gesamtlänge: 28cm
Breite: 13,5cm
Außenfurnier: Samba 0,6mm
Sperrfurnier:? 0,4mm
Kern: Abachi 3,9mm
Gesamtdicke: 5,9mm
Steifigkeit/Elastizität: Das Holz ist tempoelastisch bis fast-steif und erinnert mich vom Anschlag sehr an dem Nittaku WL. Es ist etwas elastischer als das Donic Persson Powerplay aber steifer als ein Persson Power Allround.
Handling: Der Griff fällt etwas dünner aus dafür ist er jedoch ein wenig Breiter. Insgesamt ist er für konkav etwas kleiner was ich als sehr angehnehm empfinde. Auffallend ist das der Griff rund 1 cm länger als üblich ist.
Anschlagverhalten/Feedback/Ballgefühl: Beim Auftreffen des Balles auf dem Schlägerblatt ist ein lautes "klong" statt "klick" zu höhren . Das Anschlagverhalten ist somit eher als weich zu bezeichnen. Wenn der Ball nicht im Sweetspot auftritt sind deutliche Schwingungen zu spüren, dies ist nicht jedermanns Sache. Innerhalb des Sweetspots welcher im oberen Drittel (wie vom Erfinder beschrieben) liegt ist das Feedback deutlich geringer (fast steif). Auch ist der Ballabsprung hier deutlich höher als außerhalb des Sweetspots. Typisch für diese Kategorie ist das ausgezeichnete Ballgefühl. Das Holz liefert eine sehr starke Rückmeldung diese empfinde ich noch stärker als beim Nittaku WL.
Tempo: Das Tempo ist im klaren (Off) -Bereich anzusiedeln, wobei es in dieser Klasse wohl kaum Hölzer gibt die ein derartiges Tempo mit einem so deutlichem Ballgefühl kombinieren. Ich empfinde dieses Holz als einen Tick schneller im Vergleich zum Nittaku WL. Auffallend ist der relativ hohe Katapult für ein nicht Balsa-Holz. Ansonsten hat es jedoch keinerlei parallelen zum Balsa.
Ballabsprung: Das Holz hat einen auffallend hohen Ballabsprung so wie ich es bei noch keinem Holz erlebt habe. Dadurch ermöglicht es einem richtig schöne Bogenlampen zu spielen. Gegnüber anderen Hölzern muß das Schlägerblatt aber deutlich stärker geschlossen werden damit die Bälle nicht ins Aus gehen. Auch über dem Tisch beim Flip wirkt sich dies positiv aus. Sobald man den Ball jedoch nicht aktiv spielt wird dieser hohe Ballabsprung zum Boomerrang. Die Aufschlaganahme bzw. der Schupf gestaltet sich insbesondere mit dem HP@ als sehr schwierig. Diese Bälle gerieten mir desöfteren viel zu hoch. Diese Problem hatte ich aber mit dem HP@ auch schon auf anderen Hölzern, wenn auch nicht so stark ausgeprägt wie bei diesem Holz. Der Mambo H,der sowieso über einen flachen Ballabsprung verfügt spielt, sich hier wesentlich einfacher.
Tischnahes Spiel, Spiel aus der Halbdistanz: Das Holz lässt sich herrvorragend aus der Halbdistanz spielen und hat aufgrund der Schlagfläche seine Domäne eher im Topspinspiel als im Block/Konter. Gerade aus der Halbdistanz bietet es enorme Reserven. Für Blockspieler dürfte sich die schmale Schlagfläche als schwierig erweisen.
Kontrolle Rückschlag, kurz - kurz, Schupf: Trotz des guten Ballgefühls habe ich mit dem Holz in diesem Bereich noch echte Schwierigkeiten. Das Holz verlangt hier eher zu medium bis medium harten Belägen die über einen flache Ballabsprung und geringen Katapult verfügen. Shorehärte ab ca. 43°. Den Mambo H kann ich hier durchaus empfehlen. Ebenso dürte sich der Sriver L Bryce als auch der Ekrips aufgrund der flachen Ballabsprünge als geeignet erweisen.
Aufschlag:Hier bietet das Holz aufgrund des weichen Anschlages und der besonderen Schlagfäche enormes Schnittpotentiall. Wenn man es zusätzlich schafft den ,aufgrund der längeren Schlagfläche, größeren Hebel zu nutzen lassen sich hiermit extrem schnittreiche Aufschläge spielen. Die schmalere Schlagfläche sorgt anfangs allerdings für mehr Kantentreffer als üblich. Dies dürfe sich allerdings nach einer längeren Umstellungsphase vermindern.
Eröffnungstopspin: Aufgrund des deutlichen Ballgefühls lässt sich dieser sehr gefühlvoll und variabel spielen. Die Bälle haben besonders viel Spin und werden desöfteren vom Gegner überweggeblockt. Insbesondere auf Unterschnitt lässt aufgrund des hohen Ballabsprungs sich sehr einfach ziehen.
Schlagspin: Wenn man hier genau im Sweetspot trifft geht der Ball ab wie ein Zäpfen. (sehr gutes Beschleunigsverhalten). Trifft man hier nicht in diesem Bereich ist das Tempo deutlich geringer.
Kontrolle/Gefühl:Sehr gut,sowohl Kontrolle als auch Gefühl,besonders bei Spin gegen Spin.
Spinfähigkeit:Empfinde ich noch größer als beim Nittaku WL dies liegt meines erachtes in erster Linie an dem besonders gefühlvollen Aufbau und erst in zweiter Hinsicht an der aerodynamischen Form.
Flip: Gehört nicht gerade zu meinen Stärken allerdings lässt sich dieser Ball besonders gut mit dem Holz spielen. Dies führe ich auf die schmalere Schlagfläche zurück wodurch sich das Schlägerblatt weiter absenken lässt und dadurch für die Vorwärts/Aufwärtsbewegung mehr Raum bleibt.
Konter/Block: Ich bin kein Konter-Blockspieler.

..allerdings dürfte hierfür das Holz ein wenig zu elastisch sein und die schmaleren Spielfläche dürfte sich als Nachteilig erweisen. Hier empfinde ich das gute Ballgefühl als eher störend und ich würde mir weniger Feedback wünschen.
Schuss: Dieser Schlag spiele ich eher weniger und kann hierzu nicht viel sagen. Ahnlich wie beim Schlagspin. Sehr guter Speed wenn man gut trifft.
Fazit: Das Holz bietet excellente Topspineigenschaften und hat eine enormes Spinpotential. Es eignet sich insbesondere für den progressiven Topspinspieler sowohl in der Halbdistanz als auch am Tisch. Aufgrund der Tempoelastizität und dem auffallend hohem Ballabsprung eignet sich dieses Holz eher für Beläge mit einem etwas härterm Schwamm ab 43° Shore.
Gerade Chinabeläge dürften sich hier ausgezeichnet drauf spielen lassen. Da das Holz eine sehr hohes Beschleunigungsverhalten aufweist benötigt man keinen starken Katapult seitens des Belages. Mendo Energy,Neos Sound, Mambo, Samba etc. halte ich für ungeeignet auf diesem Holz. Der Belag sollte auf jeden Fall über einen flachen Ballabspung beim Schupf verfügen da diese Bälle sonst viel zu hoch geraten.
Wer eine Umstellungsphase von ca 3-4 Wochen nicht scheut, dem bietet dieses Holz ein hervorragendes Offensivpotenital mit einem deutlichem Feedback. Die Kontrolle bzw der Ballabspung bei der passiven Aufschlaganahme sowie im kurz-kurz ist sehr gewöhnungsbedürftig. In Verbindung mit den richtigen Belägen lässt sich dies jedoch bestimmt optimieren. Aufgrund der schmaleren Schlagfläche trifft man Anfangs den Ball beim Topspin/Aufschlag des öfteren mit der Kante, nach der Gewöhnungsphase sollte diese Problem allerdings nicht mehr auftauche. Beim Einspielen wie Konter/Block/Topspin-Topspin hatte ich kaum Kantentreffer, erst wenn man um Punkte spielt nimmt die Anzahl dieser Treffer zu, was ich auf eine schlechtere Beinarbeit/stärkeren Anspannung führe wodurch der Arm nicht mehr ganz so locker gehalten wird.
Insgesamt ist mir das Holz eine Idee zu Tempoelastisch, die für mich neue Form hat aber meine Neugier gewecht und als Eigenbauer werde ich mir mal was ähliches basteln.
Nachteil: Die Abstimmung mit den richtigen Belägen könnte sich als kostspielig erweisen da man auf passende gebrauchte Beläge wohl kaum zurückgreifen kann.