Ich denke auch, das Problem liegt bei Dir im Kopf!
Da müsste man etwas weiter ausholen, also......
Man kann zwei Spieler, die vom technischen und kognitiven (Taktik, usw.) Können her genau gleich stark sind, grob unterscheiden in
1. den umgangssprachlich sogenannten „Trainingsweltmeister“:
Er kann eigentlich alles, allerdings ist er im Spiel meistens nicht in der Lage, das umtzusetzen. Während ihm anfangs vielleicht noch einige gute Bälle gelingen, baut er, je enger der Spielstand ist und je wichtiger es wird, den Punkt zu machen, immer mehr ab. Schuld daran sind nur seine Gedanken. Er wird denken: „Oh mein Gott, wenn ich jetzt nicht den Punkt mache, werde ich vielleicht den Satz / das Spiel verlieren und werde dadurch zum Versager. Ich muss aufpassen, hoffentlich mache ich jetzt keinen Fehler!“ Und genau diese Denkweise bewirkt meistens, dass man nur noch passiv, sicherheitsorientiert spielt und auf einen Fehler seines Gegners wartet, anstatt das, was man im Training auch kann, einfach umzusetzen.
2. den sogenannten Siegertypen:
Er ist in jeder Spielsituation recht locker, anfangs interessiert es ihn weniger, ob sein Gegner die Punkte macht. In entscheidenden Situationen ist er dann plötzlich hellwach und hochmotiviert, weil er unbedingt den Punkt machen will.... und meistens auch macht!
Gedanken an ein mögliches Versagen gibt es bei ihm kaum, vielmehr könnte er denken: „So, jetzt geht es um die Wurst, das ist die Chance für mich, mich zu beweisen. Und mein Gegner wird bestimmt jetzt nervös sein, aber das bin ich nicht, denn ich weiss, was ich kann!“
Du siehst also, der Unterschied besteht zum grössten Teil im Denken. Während beim „Versager“ die Angst davor, zu verlieren viel stärker ist, überwiegt beim Siegertypen viel mehr die Vorfreude auf den Erfolg.
Nun wirst du das Problem sicherlich nicht dadurch in den Griff bekommen, dass du diesen Artikel liest und sagst:“ Alles klar, so läuft das also. Jetzt weiss ich bescheid!“
Oben schrieb ich etwas von passivem, sicherheitsorientierten Spiel. Ich kenne dich nicht und kann auch keine Ferndiagnose stellen. Wohl möglich, dass Du gar nicht passiv wirst, sondern wenigstens versuchst, dein Spiel so wie im Training durchzuziehen. Falls nicht, wäre das zumindest der erste Schritt, den du versuchen müsstest! Wie auch immer, entweder hast Du es versucht, oder Du versuchst es ab jetzt. Eine Gemeinsamkeit bleibt da wohl: Auch diese Schläge werden wahrscheinlich nicht klappen, bzw. haben nicht geklappt. Ich denke, dass liegt daran, dass Du während der Schlagausführung trotzdem noch zu viele negative Gedanken zulässt, die erstens die Konzentration auf die Schlagausführung selber stören und evtl. Vorgänge in Deinem Körper hervorrufen können, die Leistungsmindernd sind (wie z.B. das typische „Verkrampfen“).
Ich hoffe, ich konnte Dir hiermit einigermassen erklären, woher Dein Problem wohl kommen wird. Bei der Bewältigung ist es über dieses Medium nicht so gut möglich, da hier individuell auf dich eingegangen werden sollte. Vielleicht hast du einen psychologisch gewandten Trainer, mit dem du das schaffen kannst? Wäre einfacher, sonst als pauschalen Ratschlag für dich selber: Gerade negative Serien können das Denken in negativer Weise beeinflussen, positive die Positiven (z.B., wenn man gerade „einen Lauf hat“). Versuche, Dir zu sagen, dass du zwar Probleme mit der Umsetzung deiner Leistung in dem Wettkampf hattest, diese aber jetzt beheben möchtest. Als erstes solltest Du die Erwartungen runterschrauben und dir vor jedem Spiel sagen: Mit meiner alten Denkweise hätte ich das Spiel sicher verloren. Jetzt versuche ich viel positiver zu denken, manchmal einen „leck - mich - am - arsch – ball“ in den unmöglichsten Situationen zu spielen (ich hoffe, Dein evtl. vorh. Trainer reisst dir den Selbigen dann nicht auf). Sehr wahrscheinlich, dass du trotzdem verlierst, denn wie gesagt: Vom einen Tag auf den Anderen geht das mit Sicherheit nicht. Dann ziehe aber aus diesem Spiel die positivsten Dinge raus und sei stolz darauf. Die negativen darfst Du auf keinen Fall versuchen, zu verdrängen, sondern zu analysieren und es nächsten mal besser zu machen. So nach dem Motto: Gab es einen Grund dazu? Hing von diesem Ballwechsel mein Leben ab? Im nächsten Spiel wieder denken, wie oben beschrieben. Irgendwann wird mit Sicherheit mal ein Erfolgserlebnis kommen, an das du dich dann erinnern und in den nächsten matches auch aufziehen kannst. Wichtig ist halt eine innere Lockerheit zu erlangen, die man übrigens über Körpersprache auch nach aussen tragen sollte (aber das würde hier zu weit führen).
Das Systemtraining, wie es Turner auch schon schrieb, ist natürlich ebenfalls wichtig und erleichtert dir vielleicht einige Situationen im Spiel, da du diese Kombinationen schon mal durchgespielt hast und auch dann die Sicherheit und das Selbstbewusstsein besitzt, mit dieser Situation fertig zu werden.
Ich bin zwar kein Psychologe, sondern Trainer, aber hoffe dir den Einstieg etwas leichter gemacht zu haben. Denk dran, es gibt etliche Spieler, die das gleich Problem haben, wie du. Aber die wenigsten haben den Mut, öffentlich darüber zu diskutieren. Und das alleine zeugt schon davon, dass du ein gewisses Selbstbewusstsein haben musst. Nutze es!
Viel Erfolg :boing: