Wer glaubt, bei der von den meisten Bundesliga-Mannschaften gewünschten Reduzierung der Mannschaftsstärke ginge es um kürzere Spielzeiten oder Fernseh-Attraktivität, täuscht sich. Es geht schlichtweg ums Geld.
Vier Spieler (mit Ersatz fünf) in der 2. Liga kosten eben bedeutend weniger als 6 (7), 3 (4) Spieler in der 1. Liga Herren kosten ebenfalls weniger als 4 (5). Allein deswegen soll die 1. Bundesliga der Herren auf Dreier-Mannschaften reduziert werden, die 2. Ligen auf Vierer-Mannschaften.
Ob der deutsche Nachwuchs (auch der aus der erweiterten Spitze) dabei auf der Strecke bleibt, interessiert allenfalls die Landesverbände, die viel Geld in die Nachwuchsförderung inverstieren und deshalb bisher ziemlich einmütig gegen die Reduzierung der Mannschaftsstärke waren - Gott sei Dank, denn sonst hätten wir noch weniger deutsche Spieler in den Bundesligen, als dies jetzt schon der Fall ist.
Ob es juristisch möglich ist, den Vereinen vorzuschreiben, dass sie mindestens einen (oder zwei oder drei?) Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit aufbieten
müssen, ist zweifelhaft. Und wenn sich die Vereine
"freiwillig" darauf einigen, dann wird es höchstens einer sein. Denn - und das ist die Kehrseite der Medaille - deutsche Spieler sind in aller Regel "teurer" als ausländische.
Etwas mehr Ehrlichkeit in der Diskussion wäre vorteilhaft. Die wenigen Fernsehzeiten auf die Länge der Spieldauer zurückzuführen, ist jedenfalls verlogen. Oder warum macht man in allen Bundesliga-Spielen mit Vierer-Mannschaften (alle Damen, 1. Liga Herren) eine mindestens halbstündige Pause? Doch wohl auch nur wegen des Geldes (Einnahmen), oder? Meine Erfahrung: Je knapper das Spiel, desto höher das Niveau und die Spannung. Die kürzesten Spiele sind meistens die langweiligsten und niveaulosesten.
Im vorletzten (erneut sehr gut gemachten

)
tischtennis hat Roman Bonnaire, einst Zweitliga-Tischtennisspieler und Sportchef des Saarländischen Fernsehens, einige interessante, provokante und durchaus umstrittene Vorschläge zur besseren Fernsehtauglichkeit unseres Sports gemacht. Es wäre sinnvoll, hierüber mal in einem eigenen Thread zu diskutieren. Wer stellt ihn rein?
Nochwas: Die Reduzierung der Mannschaftsstärke scheint im Leistungssport-Ausschuss unter Eberhard Schöler weitaus umstrittener zu sein als bei den Bundesligisten und seltsamerweise auch im Trainerstab des DTTB. Hoffentlich bleibt man dort weitsichtiger als die mE sehr kurzsichtigen Vereine und Trainer. Denn "meine" These hat noch keiner widerlegt: Je weniger deutsche Spieler bei den Bundesligisten, desto geringer im Prinzip das Interesse der Zuschauer. Vom Fernsehen ganz zu schweigen.