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Alt 17.08.2006, 02:43
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Klaus123 Klaus123 ist offline
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Klaus123 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Wie kann ich meine Rückhand verbessern ?

Ich würde Solo-Training vorschlagen: Ich stelle eine Platte an die
Wand (die Wand sollte eben sein, also möglichst keinen Rauhputz oder
Ritzen haben), und stelle mich dann nah und mittig an die Platte,
werfe den Ball hoch und schieße ihn etwa 60 cm über der Platte aus
der Luft nicht sehr fest etwa 30 cm über der Plattenmitte an die
gegenüberliegende Wand. Der Ball prallt ab, springt zuerst auf die
gegnerische Spielhälfte und dann auf meine, mit ein wenig Übung
klappt dieser Aufschlag zu 90% (bei mir klappte er nach ca. einer
halben Stunde Übung, dann aber sicher. Dann kommt der Ball etwa
mittig und halbhoch zurück und man kann RH-Topspin ziehen, und zwar
nicht in die Ecken (damit ich mich nicht selbst ausspiele), sondern
wieder in Richtung Plattenmitte. Mit ein wenig Übung kannst du dir
den Ball mit dem "Wand-Aufschlag" nach Belieben so hoch oder so
niedrig kommen lassen wie du willst.

Jetzt zur Technik des RH-Topspins: Ich achte darauf, daß ich den Arm
nur bewege um das Handgelenk zum richtigen Ort zu führen, d.h. dahin,
wo der Ball voraussichtlich auftreffen wird. Mein Handgelenk muß
schon an dieser Stelle sein, bevor der Ball da ist! Sonst wird aus
der Schlagbewegung ein Schwinger, und das ist bei der RH genau das
falsche. Wenn der Ball dann dort ankommt, wo ich mit meinem Handgelenk
schon warte, dann ziehe ich nur aus dem Handgelenk fast völlig ohne
Arm! Und zwar beuge ich das Handgelenk nach hinten UND nach innen
beides muß anscheinend sein! Das sieht dann ziemlich krampfig aus:
der Handrücken fast flächen-parallel zum Boden, und die Fingerspitzen
zeigen auf meinen Bauchnabel. Aus dieser "Vorspannung" heraus
schleudere ich dann das Handgelenk nach vorne und zwar seitlich und
zackig. Man sagt immer, daß das Handgelenk dabei möglichst locker
sein muß, aber bei mir ist dabei jeder Muskel der Hand angespannt,
sonst wäre meine Hand wie ein Waschlappen und würde unpräzise nach
vorne flattern. Also auch wenn es widersprüchlich erscheinen mag:
völlig angespannt und dennoch "locker", also das "locker" nicht zu
wörtlich nehmen! Wichtig ist auch, daß ich den Arm dabei so wenig wie
möglich bewege!! Okay, natürlich muß der Unterarm ein bißchen
mitgehen, aber der eigentlich Spin kommt aus der Hand! Körpergewicht
lagert dabei natürlich auf meinem rechten Bein (wenn du Linkshänder
bist, dann auf dem linken), aber das wirst du ja schon wissen.

Noch was zum Solo-Training: wenn ich einen harten Topspin ziehe,
"spielt" die Wand mir den Ball ins Aus, ganz logisch, denn die Wand
kann den "Schläger" (sie hat keinen Schläger) ja nicht "zumachen".
(Ich fange dann den Ball aus der Luft auf und mache weiter.) Wenn man
aber will, daß die Wand den RH-Topspin auch ordentlich zurückspielt,
darf man nur weich ziehen, und das ist sogar noch eine bessere Übung
um Ballgefühl zu bekommen!! Die Wand bringt mir den Ball dann mit
leichtem Unterschnitt zurück, weil die Wand eben ziemlich glatt ist
(Stichwort: Spinumkehr, bzw. Spiegelspin). Der zweite Topspin wird
dann richtig schwer, und eine zeitlang hätte ich fast kotzen können,
weil ich es nicht geschafft habe den zweiten Ball übers Netz zu
ziehen, es ist etwa so als wenn dir jemand deinen Topspin mit
Hackabwehr zurückbringt. Ich muß dann den zweiten Topspin extrem
tangential anziehen, was wiederum eine exzellente Übung ist. Um gegen
Unterschnitt anzuziehen, muß nicht nur das Schlägerblatt offen sein,
sondern meine Hand muß in Richtung Handinnenseite bis zum Anschlag
eingeknickt sein (der Anschlag fixiert die Bewegung sozusagen). Beim
VH-Topspin ist es genau umgekehrt, die Hand muß in Richtung
Handaußenseite bis zum Anschlag abgeknickt sein, also alles andere
als "Normalhaltung". Mit diesem kleinen Anschlag-Trick ziehe ich
sogar Büffelschnitt weg, ohne Anschlag komme ich eher in die Klappse,
als daß ich fetten Unterschnitt übers Netz bringe. Beim ziehen gegen
besonders kurze und flache Bälle darauf achten, dem Ball nicht mit
dem Arm entgegenzukommen, sonst hilft auch das schnellste Handgelenk
nichts mehr, der Ball wird durch den Arm-Schwung hinten rausgehen.
Die Hand muß vielmehr schon an der richtigen Stelle warten/lauern.
(Ganz wie bei den Flips der Profis, Arm kurz vors Netz bewegen, kurz
inne halten, und dann erst flippen).

FEHLERKORREKTUR UND FEHLERQUELLEN:
Solltest du immer wieder den Ball verschlagen, versuch dich selbst zu
korrigieren, d.h. überleg dir was du an deiner Schlagbewegung durch
herumexperimentieren verändern könntest, sozusagen als dein eigener
Lehrer. Wenn es einfach nicht klappt, nicht stur denken es muß doch
irgendwann klappen und stur die gleiche Bewegung bis zum Erbrechen
machen, der Fehler liegt dann entweder ...
... am BEIN, d.h. keiner oder falscher Gewichtsverlagerung
... am ARM, d.h. meist zuviel Armbewegung, oder Arm geht dem Ball
entgegen statt schon vorher an der richtigen Stelle zu warten.
... an der HAND, d.h. zu wenig oder fehlerhaftem Einknicken des
Handgelenks, oder auch zu langsamen Herausschleudern der Hand.
Außerdem: Hand muß vor dem Bauch herausgeschleudert werden, nicht
neben dem Bauch.
... am AUGE, d.h. falschem Einschätzen des Spins, der
Geschwindigkeit, oder der Flugbahn des Balles. Wer gute Augen hat,
sieht den Spin sogar am Stempel des Balles. Timing: Zu früh am Ball,
oder zu spät am Ball.

ICH WILL NICHT BALLHOLENGEHEN
Ich habe einige Zeit gebraucht, um so einen Ballwechsel von 3-4
(manchmal auch 5) Tops hintereiander ziehen zu können, dann hat es
mir auch richtig Spaß gemacht, ich habe nicht auf die Uhr geschaut,
plötzlich waren 4 Stunden um. Nach diesem Solo-Training hatte ich
dann erstmalig einen technisch-sauberen RH-Topspin, vorher waren es
eher klägliche Versuche (Schwinger) gewesen, die mangels Konstanz
(habe eben keine Gegner die mir systematisch den Ball zuspielen) nur
gelegentlich mal klappten. Die Übung bringt einem nicht zuletzt
deshalb das Weich-Ziehen bei, weil, wenn man hart zieht, muß man den
Ball schnell auffangen oder sogar holen gehen, das ist anstrengend.
Wenn man aus Faulheit gar nicht zieht, bspw. nur schupft, dann muß
man erst recht den Ball holen gehen, weil er dann nicht mehr übers
Netz zurückkommt. Wenn man aber geschickt weich zieht, dann bekommt
man auch längere Ballwechsel zustande, d.h. weniger Ballholengehen,
und mehr Spaß!

ICH HATTE HEMMUNGEN
Früher habe ich das Handgelenk nicht so weit eingeknickt, weil ich es
mich einfach nicht getraut habe. Wenn du aber gegen eine Wand
spielst, ist es der Wand egal, ob du gar nicht erst triffst oder die
Bälle versemmelst, du kannst also wild drauflosexperimentieren, und
volles Risiko gehen, es gibt keinen Erwartungsdruck, und du stellst
besser auch keine Erwartungen an dich selbst, du läßt die Hemmungen
(Stichwort: das kann ich doch nicht) einfach fallen, das bringt dich
dann zu der "richtigen" Technik ... d.h. Hand herausschleudern und
den Ball extrem weich und tangential treffen. Hoffe dir einige
Anregungen gegeben zu haben.

Geändert von Klaus123 (17.08.2006 um 05:33 Uhr) Grund: Rechtschreibfehlerbeseitigung
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