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Viele Regeländerungen beim Tischtennis bringen wenig
schreibt konträr dazu am selben Tag die Pforzheimer Zeitung:
"Zagreb (dpa) - Die vielen Regeländerungen im Tischtennis haben wenig bewirkt. Bei den 23. Europameisterschaften in Zagreb ist fast alles so wie früher. Erstmals wird bei einer EM mit dem 40- Millimeter-Ball und Sätzen bis 11 Punkten gespielt - an der mageren Resonanz auf den Rängen hat das nichts geändert.
Die Tischtennis-Familie ist wie immer unter sich. Der Kreis wird sogar kleiner, weil einige Ping-Pong-Traditionalisten die Reformen ablehnen. «Die Leute in Kroatien haben andere Sorgen und gehen nicht zu Sportveranstaltungen. Das ist auch im Fußball so», versuchte Turnierdirektor Zlatko Cordas das geringe Interesse zu erklären. Dabei haben die EM-Gastgeber in Tamara Boros (Nummer 3) und Zoran Primorac (17.) zwei Weltklassespieler, die aber mit ihren Teams früh scheiterten. Beim Tennis-Daviscup-Match gegen Deutschland vor wenigen Wochen war der Dom Sportova allerdings ausverkauft.
Cordas, ehemaliger Teamcoach beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB), arbeitet seit einigen Jahren als Wettkampf-Manager beim Weltverband ITTF. Die ITTF hat die TV- und Marketing-Rechte für die EM in Zagreb vom kroatischen Verband abgekauft. «Der EM-Etat beträgt rund 600 000 Euro», sagt Cordas. Als Namenssponsor wurde erstmals eine Firma aus Deutschland verpflichtet. Das Unternehmen unterstützt auch den Bundesligisten TTF Liebherr Ochsenhausen und die Tischtennis Champions League.
«Es passiert so viel, da müssen wir uns innerhalb kürzester Zeit anpassen», sagte die deutsche Meisterin Nicole Struse. In dem Bemühen, die Sportart attraktiv für das Fernsehen zu gestalten, wurde erstmals das K.o.-System im Teamwettbewerb eingeführt. TV-Zeiten sind für den ITTF-Präsidenten Adham Sharara das Maß aller Dinge. Der Kanadier ist dabei auf den asiatischen Markt fixiert, weil Tischtennis in China einen hohen Stellenwert hat.
Das ist in Deutschland anders. Die EM 2000 in Bremen war für ARD und ZDF ein Flop. Aus Zagreb übertragen Eurosport und andere europäische TV-Sender mehr als acht Stunden. Das ist für die ITTF ganz in Ordnung, auch wenn nach eigenen Angaben kein großer finanzieller Gewinn dabei herausspringt.
Für eine grundlegende Änderung am Status einer «Randsportart» muss laut Hans Wilhelm Gäb mehr getan werden. Der DTTB-Ehrenpräsident fordert eine bessere Transparenz beim Aufschlag und eine Reglementierung des Materials, damit auch Nicht-Insider das schnelle, spannende und komplizierte Spiel mit dem kleinen Zelluloidball besser verstehen. «Die verdeckten Aufschläge müssen weg und nur zwei oder drei Beläge sollten erlaubt sein. Auch das Kleben sollte verboten werden. Wir brauchen keine Giftküche mehr», sagte Gäb. "
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