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AW: Schwerer in Unteren klassen ?!?!
Als ehemaliger, langjähriger Jugendtrainer und bekennender Krummspieler kann ich die Erfahrung vieler Youngster nur bestätigen: der Übergang in den Herrenbereich ist immer ein entscheidender Schritt, der oftmals Weichenstellung für die weitere TT-Karriere ist.
Relativ unabhängig von der Spielstärke (mal von der Spitze abgesehen, die in der Landesliga oder höher einsteigt) kann man fast alle Nachwuchsspieler in der ersten Herrensaison einer der drei folgenden Gruppen zuordnen:
1. Die Senkrechtstarter
Diese Spezies bringt vom ersten Tag an seine 100%ige Leistung. Es gibt keine Anpassungsschwierigkeiten, keine völlig unnötig verlorenen Partien oder unerklärliche Leistungsschwankungen. Dabei handelt es sich oft um Spieler, die im Jugendbereich eher durch ein sicheres Spiel und ein gutes Spielverständnis als durch technische Brillanz aufgefallen sind. Schwachpunkt dieser Gruppe ist oft das fehlende Steigerungspotential, die steigen oft in die Herren-Bezirksklasse ein und spielen zehn Jahre später immer noch da.
2. Die Spätentwickler
Trotz guter technischer Voraussetzungen und entsprechender Erfolge im Jugendbereich tun sich diese Experten am Anfang sehr schwer. Unnötige Niederlagen sowohl gegen ungewohntes Material, eigenwillige Technik oder bisher nicht bekannnte Schnittvariationen wechseln mit völlig unerwarteten Erfolgen gegen echt gute Leute. Unter Druck und wenn es darauf ankommt, geht gar nichts, dafür kommen in auswegslosen Situationen oft erstaunliche Leistungsschübe. Meist pendeln sich diese extremen Leistungsausschläge innerhalb der ersten beiden Jahre weitgehend ein, wer dabei fleißig trainiert arbeitet sich auch schnell ein paar Klassen aufwärts.
3. Die hoffnungslosen Fälle
Immer wieder gibt es jedoch hoffnungsvolle Nachwuchstalente, die den Sprung in den Seniorenbereich trotz aller spielerischen Voraussetzungen nie schaffen. Ein schwaches Nervenkostüm oder fehlendes Spielverständnis lassen sich auch mit noch soviel Training nicht ausgleichen und oft verliert man auch nach Jahren noch gegen Spieler, die einem technisch nicht ansatzweise das Wasser reichen können. Ergebnis: sowohl der Spieler mit sich selbst als auch die Mannschaft werden auf Dauer mit dieser Situation nicht glücklich. Hier ist es oft besser zu sagen: such dir eine andere Sportart, in der technisches Können auch entsprechend belohnt wird.
Grundsätzlich läßt sich sagen, das das Gros der Nachwuchsspieler irgendwo der Gruppe 2 zuzuordnen sind, mit einem gewissen Trend entweder zu der ersten oder dritten Gruppe. Entscheidend für einen gelungenen Übergang von der Jugend in den Herrenbereich ist die richtige leistungsgerechte Einstufung. Dabei sollte man m.E. folgende Kriterien anlegen:
- lieber oben in einer unteren Klasse als unten in einer höheren Klasse (=mehr Spielpraxis)
- in der ersten Serie tendenziell lieber eine (aber auch wirklich nur eine!) Klasse tiefer einreihen, als die Ergebnisse gegen Herrenspieler im eigenen Verein ausfallen (schützt vor deprimierenden Ergebnissen)
- lieber tiefer in einer intakten Mannschaft als in einem wirr zusammengewürfelten Hühnerhaufen, der halt noch einen Spieler braucht (Mannschaftsgefühl ist gerade für junge Spieler wichtig)
Wenn Verein und Jugendspieler diese Vorgaben beherzigen, dann sollte der Übergang weitgehend reibungslos über die Bühne gehen. Leider lehrt die Erfahrung, daß je nach Gesamtsituation des Verein Jugendliche entweder aufgrund von akutem Spielermangel oder falschem Ehrgeiz von Jugendtrainern bzw. den Jugendlichen selbst viel zu hoch eingestuft werden oder nach guter alter Gewohnheit sich erstmal von ganz unten hocharbeiten sollen. Beides fördert die weitere Entwicklung (sowohl die des Spielers als auch die des Vereins) leider nicht wirklich..........
Um abschließend nochmal auf den Threadtitel zurückzukommen, eine Beobachtung aus 25 Jahren Punktspielbetrieb : wer in der Kreisklasse deutlich negativ spielt, wird trotz aller Technik in der Bezirksklasse nie was reißen, auch wenn er von seiner technischen Veranlagung dort mitspielen kann (aber am Ende eben doch nicht punktet, s. Spielertyp 3).
Geändert von Balian (23.08.2006 um 15:15 Uhr)
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