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Alt 09.04.2002, 12:21
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Roßkopf lobt EM-Held Boll: "Er hat mehr von Waldner als von mir"

Kölner Stadtanzeiger:

Zagreb - Der Nachfolger von Jörg Roßkopf kommt aus der Nachbarschaft. Timo Boll, der bei den Tischtennis- Europameisterschaften in Zagreb mit drei Final-Teilnahmen im Einzel, Doppel und Team endgültig aus dem Schatten des deutschen Rekord- Nationalspielers trat, stammt aus Höchst im Odenwald. Sein Elternhaus steht nur unweit von Roßkopfs Geburtsort Dieburg. Der verletzte Europameister von 1992 verfolgte die Gala-Auftritte seines elf Jahre jüngeren Clubkollegen vom TTV Rebau Gönnern als Co-Kommentator im Fernsehen und prophezeite dem EM-Helden eine glänzende Zukunft.

"Ich hatte seine Erfolge erwartet. Timo befindet sich in absoluter Top-Form. Er wird in den nächsten drei Jahren bei jedem Turnier zu den Favoriten zählen. Das gilt auch für Olympia 2004 in Athen", sagte Roßkopf am Sonntag. Die beiden Hessen hatten in den vergangenen Tagen mehrmals telefoniert. Für den 32-jährigen Roßkopf der in seiner glanzvollen Karriere 16 Medaillen bei WM, EM und Olympia gewann, besitzt Boll das Talent, noch erfolgreicher zu sein. "Er hat in seinem Spiel mehr vom genialen Schweden Jan-Ove Waldner als von mir", verglich Roßkopf seinen Nachfolger mit dem besten Spieler der Neuzeit.

Auch für Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig war die EM ein Zwischenstopp Richtung Olympia 2004. "Timo hat das Potenzial, die Chinesen in einem wichtigen Wettkampf schlagen zu können", sagte der Coach. "Er ist ein kompletter Spieler mit guter Vor- und Rückhand. Sein Topspin kommt exzellent, seine Aufschläge sind gefährlich", charakterisierte Schimmelpfennig die Spielweise der neuen Galionsfigur. Innerhalb eines Jahres katapultierte sich der Vollblutprofi, der 1997 mit der Mittleren Reife die Schule verließ, zeitweise auf Rang 5 der Weltrangliste.

Als erster deutscher Spieler gewann Boll im Januar das Europa Top 12-Turnier. Das hatte noch nicht einmal Roßkopf geschafft. Der ist und bleibt ein Vorbild für den 21-jährigen Linkshänder, zumal Roßkopf vor zwei Jahren von Düsseldorf nach Gönnern wechselte. "Durch seine professionelle Einstellung zum Training habe ich viel gelernt", sagte Boll. Er legt jetzt nicht mehr den Schläger zur Seite, wenn gerade "kein Bock" auf Tischtennis angesagt ist. Früher galt er als "bewegungsfaul", jetzt hat er auch konditionell zugelegt.

"Ich musste erst lernen, den inneren Schweinehund zu überwinden. Da hat mir Helmut Hampl viel geholfen. Er trat mir auch mal in den Hintern, wenn es nötig war", bedankte sich Boll beim hessischen Verbandscoach und Vereinstrainer von Gönnern. Hampl (49), der auch Roßkopf entdeckte, ist der große Freund und Berater des deutschen "Jahrhundert-Talents", das als fünfjähriges Kind im Keller beim Ping Pong mit dem Vater die Liebe zum Tischtennis entdeckte.

Dank seiner mentalen Stärke und Willenskraft überstand Boll auch eine brenzlige Situation im EM-Halbfinale. Da verspielte er nach fünf klaren Siegen einen 8:4-Vorsprung und musste sogar einen Matchball des Österreichers Werner Schlager abwehren. "Das hat mich angekotzt. Ich hatte schon mit mir gehadert, konnte mich aber noch einmal zusammenreißen und konzentrieren", schilderte der dreifache deutsche Meister die Schlüsselszene des Turniers.

Privat gibt sich der Shooting-Star der Szene ruhig, bescheiden und bodenständig. Der Rummel um seine Person ist ihm manchmal zu viel, seine Manager wollen ihn und seine Erfolge aber so gut es geht vermarkten. Dabei will er sich jedoch nicht verbiegen lassen. "Ich will so bleiben wie ich bin", sagte Boll. Seine weiblichen Verehrerinnen, die in Japan und China besonders zahlreich sind, haben wenig Chancen. Seit mehr als zwei Jahren ist Timo mit der hübschen Rodelia liiert, die in Zagreb fest die Daumen drückte.
(dpa)
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