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Alt 09.04.2002, 12:23
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Letzte Chance Boll

Kölner Stadtanzeiger:


Von Dietmar Kramer
Neuss - Die Zukunft des Tischtennis heißt Timo Boll. In Deutschland sowieso und seit der EM in Zagreb auch in Europa. Der 21-Jährige erlebte in Kroatien seine lange vorhergesagte und zunehmend auch herbeigesehnte Geburtsstunde als Champion.

Die Ablösung von Jörg Roßkopf als Nummer eins in Deutschland, seine Pro-Tour-Erfolge, sein atemberaubender Aufstieg in die "Top Ten" der Weltrangliste, sein Erfolg als erster Deutscher beim wichtigen "Europe Top 12" - in Zagreb hat Boll die letzten Zweifel an seinen Möglichkeiten in beeindruckender Manier beseitigt.

Die Chancen, dass der begnadete Hesse das Tischtennis für lange Zeit ähnlich dominieren kann wie das schon in Zagreb von Boll buchstäblich demontierte "Genie" Jan-Ove Waldner in den 80er und 90er Jahren, stehen überaus gut. Die Tischtennis-Weltmacht China dürfte spätestens seit dem Boll-Festival auf dem Balkan alle Konzentration auf den Linkshänder richten, um bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und vor allem 2008 in Peking keine bösen Überraschungen zu erleben.

Zum Volkssport in Deutschland wird es Tischtennis trotz Bolls EM-Erfolgen natürlich weiter nicht bringen. Doch verschaffen der Glanz seines Medaillen-Dreierpacks und seine Perspektiven der achtgrößten Sportart im Lande die Möglichkeit, vielleicht doch noch aus ihrem Nischen-Dasein herauszukommen und wenigstens etwas mehr Beachtung und Popularität zu erlangen.

Dazu bedarf es neben ständiger Regeländerungen auch eines Umdenkens. Roßkopf und sein einstiger Weltmeisterpartner Steffen Fetzner beklagen trotz aller grundsätzlichen Probleme ihres Sports seit Jahren die Fehler von Funktionären und Managern bei der Vermarktung ihrer großen Erfolge. Zu defensiv war die Vorgehensweise im Zeitalter einer sich rasant entwickelnden Medienlandschaft mit all ihren marktschreierischen Begleiterscheinungen.

Ein wenig mehr dürfen sich Boll und sein Umfeld allerdings schon erlauben. Der Champion ist - wenn auch wie zuvor Roßkopf nicht vom Schlage eines Effenberg, Kretzschmar oder Nowitzki - eine zweite Chance für das Tischtennis in Deutschland. Aber wohl auch die letzte.
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