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Möchte Euch nicht langweilen, aber ..........
TTC Wehr entführt Titel aus Sachsen
Tischtennis-Regionalliga: Entscheidung fällt nach Krimi beim TTC Eilenburg
In Sachsen wird seit Samstag badisch gesprochen. Der TTC Wehr gewann im letzten Saisonspiel beim TTC Eilenburg mit 9:6 und feiert damit den Meistertitel in der Tischtennis-Regionalliga Süd. Damit ist der Aufstieg in die Zweite Bundesliga - wenn der Verband dies so will - so gut wie sicher. Tischtennis-Regionalliga:TTC Eilenburg - TTC Wehr6:9Weltklasse-Tischtennis in einer kleinen und total veralteten Halle, die eher in die Nachkriegszeit passt, in der aber eine riesige Atmosphäre herrschte - auf diesen Nenner lässt sich das Gastspiel der Wehrer in der sächsischen Stadt Eilenburg bei Leipzig am Samstagabend bringen. Dazu herrschte Hochspannung pur, wobei der TTC Wehr dank einer tollen Mannschaftsleistung das glücklichere Ende für sich hatte und nach über vier Stunden Spielzeit den Meistertitel sicher hatte. Das ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte bisher.
"Nur unsere Niederlage im dritten Doppel war entscheidend. Sonst gewinnen wir das Ding." Mit diesen Worten stampfte Eilenburgs Manager Alberto Ammann nach der Partie von dannen. Der Österreicher, der im Sachsenland das Tischtennis auf Vordermann bringt, hatte nicht ganz unrecht: Hätten nämlich die Wehrer Gerd Schönle und Damir Atikovic ihr Doppel nach 1:2-Satzrückstand nicht noch im Finaldurchgang mit 11:9 gegen die Eilenburger Zavoral/Sirusas gewonnen, wären die Gastgeber mit 4:1 nach dem ersten Durchgang der Einzel im Spitzenpaar davongezogen.
Hätte, wenn und aber - der TTC Wehr lag bereits nach den Doppeln wie erhofft in Führung. Neben Schönle/Atikovic, die dank ihres Erfolgs in der gesamten Saison unbesiegt blieben, punkteten noch Ivan Juzbasic und Dragutin Surbek gegen Egeholt/Gamm, während Neven Juzbasic und Manfred Grab gegen Kuzmin/Gavrilov als Verlierer von den Platten gingen.
Betretene Gesichter dann allerdings bei den Wehrern, als es im ersten Durchgang der Einzel im Spitzenpaar zwei Niederlagen gab. Nachdem Ivan Juzbasic gegen den Russen Denis Gavrilov in fünf Sätzen unterlegen war und auch Neven Juzbasic gegen Gavrilovs Landsmann Fedor Kuzmin in vier Sätzen trotz klarer Führung verloren hatten, stampften die Wehrer Fans und Verantwortlichen hektisch durch die Hallengänge. Den 2:3-Rückstand hatte niemand von den Gästen auf der Rechnung gehabt, sollte in Sachsen auf Wehrer Art gefeiert werden.
Doch dann passierte Unglaubliches und die lautstarke, aber stets faire Stimmung steigerte sich nochmals: Die Wehrer Mitte und dann vor allem das Schlusspaar der Gäste bewiesen Nervenstärke und stellte mit ihrem Sieg die Weichen auf Sieg.
Damir Atikovic stellte die Nerven seiner Fans allerdings auf eine Zerreißprobe: Gegen den Dänen Carsten Egeholt führte er mit 2:0 nach Sätzen, ehe der Schlendrian im Spiel des Kroaten Einzug hielt und er noch den 2:2-Satzausgleich zulassen musste. Dann aber im Finaldurchgang war Atikovic wieder ganz der Alte und er schickte Egeholt mit 11:2 von der Platte.
Dragutin Surbek bewies, dass er ein Kämpfernaturell besitzt. Gegen seinen Angstgegner, den Tschechen Roman Zavoral, gegen den er in der Vorrunde keine Chance gehabt hatte, verlor er wiederum zwei Sätze, ehe er auf Touren kam und noch im fünften Satz siegte. "In internationalen Wettbewerben spiele ich immer super. Für den TTC Wehr nicht", schimpfte der Kroate, der in den vergangenen Wochen nicht immer die beste Leistung im Vereins-Dress gezeigt hatte. Nicht so am Samstag: Den Tschechen kämpfte er richtig nieder.
Damit führten die Wehrer wieder, ehe das Schlusspaar an der Reihe war. Hier hatten die Eilenburger zwei Siege eingeplant. Sie hatten nicht mit den Wehrer "Urgesteinen" Manfred Grab und Gerd Schönle gerechnet. Der Litauer Vykintas Sirusas hatte Schönle bisher noch nicht kennengelernt. Seit Samstag ist dies anders: Der Linkshänder weiß jetzt, dass der Wehrer Kapitän ein nervenstarker Punktesammler ist. Schönle gewann in vier Sätzen.
Vier Mal hatte Manfred Grab bisher gegen Oliver Gamm, den einzigen Deutschen im Team der Sachsen, gespielt und vier Mal hatte er verloren. Dieses Mal legte sich Grab eine andere Taktik zurecht. Mit Köpfchen nahm Grab dem Linkshänder dank einer kontrollierten Spielweise den Wind aus den Segeln und siegte diskussionslos in drei Sätzen zum 6:3-Zwischenstand. Noch zwei Punkte fehlte zum Remis, was den Titel bedeutete.
Die entscheidenden Punkte holten schließlich Ivan Juzbasic im Spitzeneinzel gegen Gavrilov und Damir Atikovic durch seinen Erfolg gegen Zavoral. Manfred Grab stellte gegen Sirusas sogar noch den Sieg sicher.
Einen Wermutstropfen müssen die Wehrer aber noch schlucken. Der Süddeutsche Verband wird erst am Wochenende entscheiden, ob dem TTC Wehr der Aufstieg gewährt wird, da er wie vier andere Teams der Liga gegen die Ausländerregel verstößt (höchstens ein Nicht-EU-Ausländer pro Mannschaft). Es soll jedoch, so wird vermutet, eine Lösung im Sinne der betroffenen Vereine geben.
TTC Eilenburg - TTC Wehr 6:9
Doppel: Kuzmin/Gavrilov - N. Juzbasic/Grab 7:11, 11:4, 11:0, 11:3; Egeholt/Gamm - I. Juzbasic/Surbek 4:11, 8:11, 7:11; Sirusas/Zavoral - Schönle/Atikovic 9:11, 11:9, 13:11, 9:11, 9:11.
Einzel: 1. Durchgang: Kuzmin - I. Juzbasic 9:11, 11:9, 7:11, 11:4, 11:7; Gavrilov - N. Juzbasic 12:14, 12:10, 11:9, 11:9; Egeholt - Atikovic 9:11, 5:11, 11:9, 13:11, 2:11; Zavoral - Surbek 11:2, 12:10, 8:11, 4:11, 6:11; Gamm - Grab 6:11, 8:11, 3:11; Sirusas - Schönle 12:10, 8:11, 5:11, 9:11. - 2. Durchgang: Gavrilov - I. Juzbasic 6:11, 9:11, 13:11, 5:11; Kuzmin - N. Juzbasic 11:8, 11:6, 11:3; Egeholt - Surbek 11:8, 4:11, 7:11, 11:9, 11:6; Zavoral - Atikovic 11:8, 11:13, 8:11, 9:11; Gamm - Schönle 11:5, 11:8, 11:5; Sirusas - Grab 10:12, 4:11, 12:10, 5:11. (gew)
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Gerd Welte
Geändert von Manfred Grab (22.04.2002 um 10:26 Uhr)
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