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Alt 24.10.2006, 11:07
Hurz67 Hurz67 ist offline
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AW: Die Entwicklung des TT-Sports!?

Mal ein paar strukturierte Gedanken dazu...

Grundsätzliches Ziel sollte sein:

Der Sport soll als Massensport publikumswirksam sein, so dass sich die Mitglieder/Aktivspielerzahlen erhöhen und ein höherer Anteil der sporttreibenden/-interessierten Bevölkerung, dem TT-Sport zuwendet.

Was sich die Funktionäre/Verantwortlichen fragen sollten :

1. Was soll sie primär bewirken ?

2. Wie soll das Reformziel erreicht werden ?

3. Wen betrifft die Reform ?

4. Kann die Änderung umgangen oder kompensiert werden ?

5. Hat die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

6. Wer profitiert von der Änderung ?


An folgenden Änderungen des TT-Sports kann man das gut betrachten:

A. rot/schwarz Farbzwang

1. Was sollte sie primär bewirken ?

Verringerung des Materialvorteils bei Noppe bzw. Anti Kombi mit griffigen Belägen. Bessere Erkennbarkeit, mit welchen Belägen der Ball geschlagen wurde. Verbesserung der 'Durchsichtigkeit' des Spiels und damit Verbesserung der Attraktivität des Spiels.

2. Wurde das Reformziel erreicht ?

Teils/Teils, wobei die Schwierigkeit zu einem grossen Teil nicht in der Erkennbarkeit der Bälle liegt, sondern in der technischen Berücksichtigung der unterschiedlichen Bälle und dem eigenem Umgang damit.

Das Spiel wurde deswegen für Einsteiger/ nicht verbessert (korrigiert mich bitte...) und die Mitgliederzahlen wurden nicht, im Sinne eines Booms, relevant erhöt.

3. Wen betrifft die Reform ?

Bereits aktive Spieler und fortgeschrittene Spieler, Zuschauer.
Anfänger und TTEinsteiger haben mE zunächst nur bedingt Berührungspunkte mit der Problematik, da als erstes koordinative Aspekte und Fehlerfreiheit im Vordergrund stehen. Stark betroffen sind Spieler die sich im fortgeschrittenem Spiel zunehmend mit Rotation deren taktischen-/Materialmässigen Ausprägungen auseinandersetzen müssen.

4. Wurde die Änderung umgangen oder kompensiert ?

Teils/Teils, Verbesserung der übrigen Parameter: Material, Geometrie von Noppenbelägen unterliegt einer natürlichen Evolution. Allerdings konnte nicht mehr dieser dumpfe Täuschungseffekt genutzt werden und der Materialspieler musste sich mehr auf seine technische Spezialisierung konzentrieren.

5. Hatte die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

Die natürliche Evolution (Frischkleben/Tensor) der herkömmlichen NI Beläge, wurde im Gegensatz nicht reglementiert, so dass die Position klassischer OFF Spieler verbessert wurde. Das Spiel wurde schneller und damit schwerer zu verflolgen.

6. Wer profitierte von der Änderung ?

bereits aktive / Fortgeschrittene Spieler, Zuschauer, in geringem Maße auch die Hersteller, da potenziell zwei Farben je Belagstyp vorgehalten werden mussten/konnten.

B. Ballgrösse

1. Was soll sie primär bewirken ?

Das spiel langsamer und damit besser verfolgbar zu machen. Längere Ballwechsel und damit mehr Spannung zu erreichen.

2. Wie sollte das Reformziel erreicht werden ?

Der grössere Ball hat mehr Luftwiderstand und wird damit schneller von seiner Startgeschwindigkeit gebremst.

3. Wen betrifft die Reform ?

Bereits aktive fortgeschrittene Spieler. Anfänger/Einsteiger haben zunächst keinen Vorteil vom grösseren Ball.

4. Wurde die Änderung umgangen oder kompensiert ?

Ja, Seit der Einführung des 40mm Balles, haben Heresteller darauf reagiert und schnelleres Material auf den Markt gebracht. Das Verlangen, des Spielers, durch mehr Druck den Punkt zu machen, hat zu einer Ausweichbewegung der TT Szene zu mehr Frischkleben, schnelleren Belägen und schnelleren Hölzern geführt. Innerhalb kurzer Zeit (max. ein Jahr) hat das Spiel eine nahezu
gleichwertige Komplexität erreicht und ist nicht besser zu duchschauen.

Ausserdem ist die Geschindigkeitsabnahme durch den höheren Luftwiderstand über dem Tisch als minimal zu bewerten. Wogegen Tischfernes Defensiv Spiel leicht bevorteilt wurde, da der Ball theoretisch langsamer ankommt.

Das Spiel mit Rotation wurde minimal benachteiligt, da durch den grösseren Durchmesser, weniger Drehmoment auf den Ball übertragen wird.

5. Hatte die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

Der psycholgische Nebeneffekt auf die Aktiven als ' sinnlose Überreglementierung' ist im gossen und ganzen als negativ zu bewerten.

6. Wer profitiertevon der Änderung ?

TT Hersteller.

C. Aspect Ratio bei Noppen

1. Was soll sie primär bewirken ?

Die Effektivität von LN zu verringern und so das Spiel gegen LN Material zu vereinfachen. Sollte den Frustrationsfaktor bei forgeschrittenen konventionellen NI Spielern verringern und die Durchsichtigkeit des TT Spiels erhöhen.

2. Wie soll das Reformziel erreicht werden ?

durch kürzere/dickere Noppen sollte das Abknickverhalten der Noppen verschlechtert werden, so dass das Verhalten der LN besser einzuschätzen sein sollte.

3. Wen betrifft die Reform ?

Fortgeschrittene Spieler, in geringem Maße Zuschauer. Anfänger/Einsteiger werden technisch nicht von der Regel betroffen, können sich aber auch nicht aus den Reihen der Zuschauer rekrutieren, da das Spiel undurchsichtig und für einen selber technisch unerreichbar/unrealisierbar erscheint.

4. Wurde die Änderung umgangen oder kompensiert ?

Teils/teils: durch Variationen der verbleibenden Freiheitsgrade, im Bereich des Untergummi, des eigentlichen Noppenmaterials, sowie des Reibungsgkoeffizienten (Entwicklung der GLN) machte der Markt eine Ausgleichsbewegung in Richtung Vielfalt. Die TT-Szene wurde eher schwieriger, als einfacher durch diese Regel.

5. Hat die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

Ja: die Evolution des NI Bereichs (Material und Spielweise) und gleichzeitig die Entschärfung des LN Materials hat zu einer Gleichartigkeit (überwiegend NI spieler) im Spitzensport und damit zu mehr Tempo geführt, was das Spiel wieder undurchsichtiger und schwerer zu verstehen macht. Die Spieler müssen sich also durch noch ausgefeiltere und stärkere Techniken qualifizieren, was dem Zuschauer verborgen bleibt.

6. Wer profitierte von der Änderung ?

TT Hersteller, NI Offensiv Spieler, mittelbar (durch die Evolution des Materials) auch Material Spieler.

D. Zählweise bis 11

1. Was soll sie primär bewirken ?

Den Sport für den Zuschauer attraktiver machen.

2. Wie soll das Reformziel erreicht werden ?

Mehr Entscheidungsmomente im Spiel erzeugen.

3. Wen betrifft die Reform ?

Alle aktiven Spieler.

4. Wurde die Änderung umgangen oder kompensiert?

Nein, aber die veränderte Zählweise veränderte die Strategie des Spiels und führte teilweise schnellere Entscheidungen herbei. Da Spiel bevorzugt nun eher temporäre Leistungsspitzen, als hohe Konstanz und Langzeitkonzentration. Das abrufen der Leistung 'auf einen Punkt' wird nun priorisiert. Wie es zu der Leistungsfähigkeit/dem Leistungseinbruch kommt, bleibt nun eher verborgen. Das durchbeissen/durchkämpfen ist nicht erwünscht, der schnelle Erfolg zählt. Der Satz ist noch schneller vorbei, bei 5 Punkten Vorsprung, ist da Spiel zu einer hohen Warscheinlichkeit entschieden. Dieser Vorgang ist für einen Zuschauer noch schneller entschieden und kann leichter verpasst werden.

5. Hat die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

Es wird potentiell undurchsichtiger, warum ein Spieler gewinnt. Die einzelnen Situationen eines Punktgewinn/-Verlust werden immer wichtiger und damit aber auch für den Zuschauer im einzelnen schwerer zu erfassen.

Fazit: mehr Entscheidungsmomente, welche aber im einzelnen auch gewichtiger sind , aber deswegen nicht leichter zu erkennen.

6. Wer profitiert von der Änderung ?

in geringem Maße : Zuschauer.

E. Frischklebeverbot auf Basis organischer Lösungsmitteln (hypothetisch)

1. Was soll sie primär bewirken ?

Den Sport gesünder machen, Leistungsfähigkeit des NI-Materials einschränken und damit Tempo aus dem Spiel nehmen

2. Wie soll das Reformziel erreicht werden ?

Verbot der Nutzung von organsichen Lösungsmittelhaltigen Klebern.

3. Wen betrifft die Reform ?

Spitzensport, Leistungssport, mittelbar alle aktiven. Nur in geringem Maße Einsteiger/Anfänger.

4. Kann die Änderung umgangen oder kompensiert werden ?

Teils/teils: Die TT-Materialszene wird wieder eine Ausgleichsbewegung machen, noch elastischeres Material, verbesserte Tensortechnik. Entwicklung der Klebstoffe, Evolution im Holzbau.

Es werden mittelfristig (innerhalb von 1-2 Jahren) wieder die Tempo und Rotationswerte erreicht werden, wie vor der Frischklebe Ära.

Fehlende Kontrollmöglichkeiten im Breitensport.

5. Hat die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

Fehlende Akzeptanz im aktiven Leistungssport/Breitensport. Potentieller Aktivenchwund aufgrund von 'gefühlter Überreglementierung'.

6. Wer profitiert von der Änderung ?

Alle aktiven TT-Sportler, kurzfristig auf technischer Ebene die DEF Spieler (bis der evolutionäre Effekt wieder kompensiert wurde).
Teilweise die TT-Hersteller.

F. minimaler Reibungskoeffizient bei GLN (hypothetisch)

1. Was soll sie primär bewirken ?

den TT- Sport technisch durchsichtiger machen, die Zulassungsverfahren für Beläge durchsetzungsfähig machen.

2. Wie soll das Reformziel erreicht werden ?

Veränderung der Rahmenparameter für die LN Zulassung.

3. Wen betrifft die Reform ?

unmittelbar 'Randgruppe' GLN-Spieler, mittelbar alle fortgeschrittenen Spieler. Anfänger/Einsteiger

4. Kann die Änderung umgangen oder kompensiert werden ?

Teils/teils: die Regelung verhindert nicht das (G)LN Tuning, da die Qualität des Reibungskoeefizienten vor Ort ermittelt werden müsste. Alterung muss berücksichtigt werden (was passiert, wenn die Hersteller eine LN entwickeln die mit steigendem Alter immer glatter wird ?)

5. Hat die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

mE ist die Randgruppe der GLN Spieler in der gesammten TT-Szene zu klein, als das ein deutlicher negativer Nebeneffekt der Zahlen der aktiven, im Sinne des frustierten-Mitgleiderschwunds durch aktive GLN Spieler entstehen könnte. Ebenso, ist keine signifikante Erhöhung der Mitglieder auf NI Basis zu erwarten.

die Physik die hinter dem GLN Spiel steckt, ist eigentlich nur eine Verschärfung des 'Klassischen' Noppeneffekts, so dass hier eine Ausgleichsbewegung der Szene hin zu klassischen LN und ausgefeilterer Technik führen wird. Die Herstellerszene wird mittelfristig (innerhalb von 1-3 Jahren) die Vielfalt auf ca 80% des heutigen Wertes anheben.

Die Akzeptanz und Verberietung der LN in der TT-Szene wird deswegen sich nicht wesentlich verändern. Anfänger/Einsteiger sind nur gering betroffen. Im Leistungssport sind keine relevanten Änderung zu befürchten. Die Vielfalt der verschiedenen Spielsysteme wird sich im mittleren Leistugsbereich etwas einheitlicher strukturieren.

6. Wer profitiert von der Änderung ?

Die TT-Industrie , die ITTF, forgeschrittene NI Spieler (kurzfristig)

G. Verbot verdeckter VH Aufschläge

1. Was sollte sie primär bewirken ?

Durchschaubarkeit des Spielablaufs für TT-Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer. Bevorzugung des Punktgewinns aus dem Spielablauf statt innerhalb des Spielaufbaus. Verlängerung der Ballwechsel und Erhöhung der Attraktivität des Spiels im Spitzensport.

2. Wie sollte das Reformziel erreicht werden ?

Der Schlagbereich des Aufschlags soll frei sein von Körperteilen und Kleidung.

3. Wen betrifft die Reform ?

Spitzen-und Leistungssport, fortgeschrittener Breitensport.

Diese Regel nimmt dem hoch qualifierten spieler etwas die Übermacht gegenüber dem mittleren qualifizierten Gegenspieler und erleichtert den Übergang in höhere Ligen.

Die Durchschaubarkeit für den Zuschauer wird nur partiell etwas verbessert, der gesammte Aufwand und Leistungsunterschied zwischen Spielern wird deswegen nicht wesentlich offenkundiger.

4. Kann die Änderung umgangen oder kompensiert werden ?

Nein, allerdings ist die Akzeptanz teilweise niedrig und schlecht überprüfbar
(ähnlich wie Ball 16cm(?) hochwerfen). Bringt also nur im Spitzensport etwas und dort auchh nur für die Zuschauer, der Gegenspieler würde aufgrund seines Qualifikation geringere Probleme mit verdeckten Aufschlägen haben.

5. Hat die Reform Nebeneffekte die gegensätzlich wirken ?

Nein.

6. Wer profitiert von der Änderung ?

Zuschauer/ Spieler mittlerer Leistungsstufe
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...so: noch ein paar Anmerkungen dazu: Es ging mir darum, das mal zusammenzufassen. Ich persönlich empfinde viele Änderungen nur als marginal, die deutlichste für mich waren die 11Punkte Sätze !

Alle Aussagen sind meine persönliche Meinung und erheben nicht den Anspruch auf vollständigkeit oder Richtigkeit.
Alle Ausagen bezüglich zukünftiger Regelungen, sind meine persönlichen Vorraussagen und haben keinen Anspruch auf tatsächliches Eintreffen derselben.

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