Zitat:
Zitat von bigacky
Was passiert oder passierte sonst?
> Im Irak wurde von den Amis gefoltert und Bilder von nackten Gefangenen ( = lebende Menschen!) gemacht, die die Würde der Menschen total in den Dreck ziehen.
Überspitzt gesagt ist es mir lieber, wenn sie sich mit 100 Totenschädeln fotografieren lassen, anstatt zu foltern, vergewaltigen oder zu morden!
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Über den bisweilen überzogenen Grad der moralischen Entrüstung der Politiker und die Taten der US-Soldaten müssen wir nicht diskutieren.
Problematisch ist jedoch:
a) Das BW-Soldaten aus den Reaktionen der Weltöffentlichkeit, die auf die oben angeführten Bilder erfolgten, scheinbar nichts gelernt haben und sich der Sensibilität des Themas und möglicher Konsequenzen nicht bewußt waren oder es im Vertrauen darauf, dass es nicht publik wurde, ignorierten.
b) Eine Aufarbeitung ist aber notwendig, um dem Eindruck zu begegnen, es werde "heimlich" etwas getan, was nicht legitim oder mit den Bestimmungen des Grundgesetzes nicht vereinbar ist. In Deutschland fehlen innerhalb der Bevölkerung Erfahrungswerte mit Auslandseinsätzen. Das Thema ist zu neu, man kann sich nicht vorstellen, was Soldaten dort genau tun. Insofern entsteht ein Meinungsbild und es wuchern wilde Spekulationen und Vorurteile über die Aufgabe und den Einsatz der Truppe. Es muss jeglichem Eindruck begegnet werden, es geschiehe etwas "heimlich" oder "illegal" mit Freifahrtschein. Auslandseinsätze sind keine Wargames auf einem Abenteuerspielplatz ohne Regeln, Soldaten sind keine Rambos.Treten solche Eindrücke gehäuft auf, wie zuletzt beim Bericht des in Deutschland lebenden Gefangenen, der in Guantanamo inhaftiert war und von Beamten aus Deutschland verhört wurde, kommt es zu einem Vertrauensschwund oder Irritationen. Die Mission wird in Frage gestellt. Es fehlt dem Einsatz an Transparenz. Transparenz ist aber für Vertrauen und Rückhalt in der Bevölkerung notwendig, besonders dann, wenn in der Bevölkerung keine oder wenig Zustimmung zu Auslandseinsätzen herrscht.
Der Mangel an Information und Aufklärung ist vor allen Dingen ein Kommunikationsproblem. Der Einsatz wird durch das TV nicht ausreichend medial begleitet. Solange sich die mediale Berichterstattung auf einige Kurzberichte stützt, bleibt der Einsatz selbst unklar und alles scheint möglich. Das Abbild der Wirklichkeit wird auf einige Episoden verkürzt, die aber eine nachhaltige Wirkung erzielen. Dies ist hier passiert, insofern ist das Medienecho und die öffentliche Reaktion so gewaltig, zumal Negatives auf verstärktes Interesse stößt und für Einschaltquoten und zusätzliche Auflage sorgt.
c) Die Chance, sich von den Untaten der USA positiv abzuheben, gefährdet wurde, vertan kann man nicht sagen, da die Reaktionen der Moslems glücklicherweise nicht eskalierten. Als Bestandteil einer internationalen Friedenstruppe steht man im Focus und es besteht stets die Gefahr, dass die Vergehen eines Landes auf die "Friedenstruppe an sich" projiziert werden.
d) Sicherlich sind die Handlungen an sich vergleichsweise harmlos, verglichen mit den beschriebenen Greueltaten. Sie haben keine Menschenleben gekostet und auch niemanden dauerhaft körperlich oder psychisch geschädigt. Die vorübergehende Beschädigung des Image ist graduell anders einzustufen, befindet sich vom Sachverhalt her auf einem anderen Level.
Geht diese Affäre glimpflich aus und es kommt hoffentlich zu keiner Gegenreaktion, die Menschenleben kostet, müssen dennoch entsprechende Lehren daraus gezogen werden, dass sich solch ein Verhalten nicht mehr wiederholt. Die Reaktionen wären dann ein "Schuß vor den Bug" gewesen.
Das öffentliche Interesse wird bald abflauen und die "Karriere dieses Themas" in wenigen Tagen beendet sein und man wird sich neuen Skandalen oder kontroversen Sachthemen zuwenden, z.B. wieder der Gesundheitsreform.
Gruß Red Devil