Zitat:
...The one you love to hate...
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Der Titel geht eindeutig auf
´ the man you love to hate ´ und die Filmindustrie in Hollywood in den 20er Jahren zurück:
Die PR Abteilung des Nobel-Studios MGM griff dabei das Statement eines Filmkritikers auf, der keinen geringeren als den
Regisseur u. Schauspieler Erich von Stroheim so bezeichnete. Von Stroheim spielte zu Beginn seiner Karriere und auch später in seinen eigenen Filmen oft wahrhaft dämonische Charaktere; die Werke attackierten schonungslos bürgerliche Moralvorstellungen und schockierten das Establishment.
MGM-Bosse und besonders Starproduzent Irving Thalberg entwickelten auch persönlich eine Art Hassliebe zu Stroheim: durch seine fanatische Detailversessenheit besaßen seine Filme oft Überlänge (`Greed` z.B. über sechs Stunden) und kamen mit Rücksicht auf kommerzielle Erwägungen meist nur stark gekürzt und verschandelt in die Kinos. - Diese Zensur gilt bis heute als eines der tragischten Kapitel der Filmgeschichte überhaupt; denn der gute Erich war seiner Zeit damals meilenweit voraus...
Da dieser frühe Kult-Regisseur obendrein sein Budget durch Marathondreharbeiten vielfach weit überzog (sein Name wurde in Anspielung auf diese Kostspieligkeiten manchmal `$troheim` geschrieben), erhielt er ab Ende der zwanziger Jahre keine Aufträge mehr und war gezwungen, seinen weiteren Lebensunterhalt ausschliesslich als Schauspieler (meist in Gelegenheitsengagements u. kleineren Nebenrollen) zu fristen.
Jedenfalls gibt es nicht wenige renommierte Filmhistoriker und Kritiker, die Erich von Stroheim ungeachtet seiner relativ kurzen Schaffenszeit ganz weit oben im ewigen Regie-Olymp sehen - neben illustren Namen wie Renoir, Bunuel, Lang, Welles, Dreyer etc...
In den sechziger u. siebziger Jahren wurde der Spruch `The man you love to hate` dann übrigens noch einmal ausgegraben - und auf Klaus Kinski bezogen....
The Smiths: `Frankly Mr. Shankly...`
( " I want to go down in celluloid history..." )
PS:
Wen die Pionierzeit in Hollywood kurz nach der Jahrhundertwende, in der die grossen Studios - Universal, Paramount, MGM, Warner Brothers, Fox - gegründet wurden, interessiert:
Neal Gabler: `Ein eigenes Reich` - Wie jüdische Emigranten Hollywood erfanden... (Ein fetter u. sehr informativer Wälzer, bei 2001 z.Zt für schlappe sechs Euro zum Dumping-Preis im Weihnachtsangebot...) .
Zum Leben u. Werk Erich von Stroheims: Jacobsen, Belach, Grob: `Erich v. Stroheim`; Argon Verlag & Stiftung Deutsche Kinemathek (aufgelegt anlässlich einer Retrospektive 1994 in Berlin) .