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Alt 12.11.2006, 16:23
Stollentroll Stollentroll ist offline
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AW: was ist das für eine Art zu spielen?

Zitat:
Zitat von Pepino Beitrag anzeigen
Ein gewisses Maß an Grundintelligenz sollte schon vorhanden sein, dann klappt's auch mit dem eigenständigen Lernen.
Ja, solche Postings bringen das Thema gut voran...

Zum Spiel der alten Herren:
Hier sind 2 Dinge zu unterscheiden:

1. unorthodoxe Technik
Als "Systemtrainigsspieler" Spieler ist man es gewohnt, aus der Bewegung des Gegners heraus den Spin ungefähr abschätzen zu können. Die "alten Herren" machen allderdings oftmals Bewegungen, die in das antrainierte Schema nicht richtig hereinpassen. Der Kopf sortiert den Schlag dann in die Ecke, die am ähnlichsten ist und Schwupps, hat man sich mit dem Spin vertan.

2. Material und Altmaterial
Viele der alten Hasen spielen ihre Beläge sehr sehr sehr lang. Da werden dann aus vermeintlich spinreichen Belägen mit weichem Schwamm schwer berechenbare Angriffs-Antis. Ebenfalls schwer einzuschätzen die alten Barna Noppen (Klock!) die mal gar keinen Spin erzeugen, dann aber wieder recht viel.

Um die Sache in den Griff zu bekommen, muss man sich ganz grundsätzlich darüber klar werden, was es bedeutet wenn ein Belag griff ist, wenn er den Schnitt herausnimmt und was Schittumkehr für das eigene Spiel bedeutet. Das herauszufinden ist einerseits eine Trainingsfrage, andererseits aber auch nen theoretisches Ding. Oft fällt der Groschen dann Cent für Cent und die Ergebnisse verbessern sich. Für mich war es in der Materialtaktik am einfachsten, ein Mittel gegen Anti zu finden. Der Belag produziert keinen Schnitt und gibt den eigenen Schnitt stark abgeschwächt zurück. Wenn man da also einen langen US Aufschlag draufspielt, kommt der Ball meist wie ein geeierter Konter zurück, auf den man dann ohne Spin angreifen kann. Spielt man mit Spin, kommt US zurück, weitgehend unabängig von der Bewegung des Gegners. Das ist dann eine Trainingsfrage, bei der es darum geht, die alte Schnittvorhersage mit Materialinfos zu unterfüttern und dem Gegner anzupassen.
Glatte lange Noppen sind in der Praxis wie ein Anti, nur dass mehr vom eigenen Schnitt zurückkommt. Außerdem muss man sich immer wieder klar machen, dass die Dinge beim Aufschlag kaum Schnitt erzeugen.

Ganz wichtig ist es also den Kopf frei zu machen und sich darüber klar zu werden, dass sich die Technik des modernen Tischtennis gegenüber unorthodoxen Schlägen als überlegen erweist. Wer eine schlechte Technik hat, der hat Lücken im Spiel die man als junger Spieler ausnutzen kann. Oft versagen die alten Recken bei Bogen-Toppis in die Rückhand, bekommen diese Bälle nur schlecht unter Kontrolle.
Und wer Anti oder lange (glatte) Noppen spielt, hat mit diesen Belägen ebenfalls keine Möglichkeit aktiv den Spin zu beeinflussen. Wer das als Angriffsspieler richtig kapiert, der spielt danach mehr gegen sich selbst, gegen die eigenen, festgefahrenen Schnitterfahrungen als gegen den Gegner, der letztlich nur noch reagiert und das Spiel nur sehr eingeschränkt aktiv steuern kann.

Ich befinde mich derzeit in der Phase eben diese Bewegungsmuster erkannt zu haben, und kann teilweise im Spiel die Erkenntnisse umsetzen, mal besser, mal schlechter.
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