Zitat:
Zitat von Alan Shore
Leider scheinen die Ansprüche von Jochen Lang längst nicht immer mit dem Verhalten seiner eigenen Mannschaftskameraden übereinzustimmen.
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Die Ansprüche von Jochen und mir sind identisch.
Aus diesem Grund sehe ich da überhaupt keinen Widerspruch.
Und solange ich mich weiter als Spieler der höchsten Verbandsklasse mit derart peinlichen Bedingungen und der vielleicht angeborenen Uneinsichtigkeit vieler Mitglieder der TT-Gemeinde konfrontiert sehe, werde ich auch in Zukunft solche Ausraster nicht ausschließen können. Grund dafür ist in erster Linie allerdings nicht etwa fehlende Selbstbeherrschung, sondern vielmehr die Anpassung meines eigenen Anspruchs an den meiner Umgebung. Und wenn der, wie am Wochenende in Altena, unterhalb der Teppichkante liegt, dann ist es mir ehrlich gesagt scheißegal, ob ich dort gegen einen Handtuchkorb trete und dafür gelb-rot bekomme oder nicht.
Bevor ich Stellung nehme will ich zwei Dinge klarstellen:
1) Die Diskussion um die Spielbedingungen in Altena und der Ausgang des Spiels TTC Altena – TTF Bönen am Samstag sind zwei verschiedene paar Schuhe und haben nichts miteinander zu tun. Altenas Sieg war sehr wohl verdient, weil die Mannschaft gegenüber Bönen das größere Kämpferherz hatte und sich in den richtigen Momenten ans Limit gespielt hat. Die Niederlage von Bönen hat nichts mit den vorgefundenen Bedingungen zu tun. Genauso wenig sollen hier irgendwelche Spieler der Altenaer Mannschaft kritisiert werden.
2) Auch wenn ich (selbst in der Regionalliga) schon bessere Schiedsrichter als den vom Samstag erlebt habe, die gelb-rote Karte für die beiden Tritte gegen den Handtuchkorb entsprechen der Regel und gehen absolut in Ordnung.
Zur Diskussion um die Spielbedingungen in Altena (mit der ich zum hundertsten Mal auf ein generelles Problem hinweise) gebe ich noch folgende Randinformationen: Ende August fand von unserer Seite die erste Kontaktaufnahme mit Vertretern des TTC Altena statt bei der wir um die Verlegung des Spiels nachfragten. Bis Mitte November folgten zahlreiche weitere Telefonate, in denen wir insgesamt fünf bis sechs Ausweichtermine anboten. Diese wurden von Altenaer Seite allesamt abgelehnt, was absolut legitim und kein Grund für einen Vorwurf ist. Anfang November stieg Altenas Interesse an einer Verlegung plötzlich, da man merkte, dass man die Partie wegen der besetzten Sauerlandhalle in der Burgschule würde austragen müssen. Da war es dann jedoch bereits zu spät und es wurde kein Ausweichtermin mehr gefunden.
So reisten wir ersatzgeschwächt ohne Jaroslaw Werner nach Altena, und der erste Kommentar von unserem Kanadier Pierre-Luc Hinse beim Betreten der Halle war (in etwa übersetzt): „Was zum Henker ist hier los?“
Die Sportart Tischtennis ist in Kanada übrigens etwa 102mal (ca. 7.000 registrierte Spieler im Vergleich zu 720.000) kleiner als bei uns. Ligaspiele gibt’s dort auch nicht, und obwohl er anderes gewöhnt ist, zog Pierre-Luc erstaunt die Augenbrauen hoch.
Nach dem Einspielen zwischen Trennvorhang und dem Meisterschaftsspiel der zweiten (herzlichen Glückwunsch zum Sieg, ich glaube das Ergebnis war am Ende 9:3) und dritten Herrenmannschaft (das Spiel endete während der heißen Phase unseres eigenen Spiels, deswegen habe ich das Endergebnis nicht mitbekommen) Altenas konsultierte Jochen Lang zunächst den Schiedsrichter bezüglich der Lichtverhältnisse in den beiden Spielboxen, die von Altena als Austragungsort für das Regionalligaspiel ausgesucht worden waren. Der Unparteiische kam mit dem Ergebnis von 900 Lux zu uns zurück. Das war faktisch unmöglich und bedeutete, dass entweder
a) er uns anlog
oder
b) das Meßgerät defekt war
Nachdem Jochen sich von diesem Ergebnis zusammen mit dem Schiedsrichter persönlich überzeugen wollte, weigerte sich dieser die Messung unter Jochens Augen noch einmal durchzuführen mit dem Hinweis, wir „könnten ja unter Protest spielen.“ Nachdem wir letztlich darauf bestanden, dass die Messung erneut durchgeführt würde, ging der Schiedsrichter mit Jochen und dem Meßgerät noch einmal in die Box. Beim Ergebnis wurde schnell klar, weshalb er das nicht noch einmal machen wollte: Der Zeiger bewegte sich nämlich nicht, das Gerät war defekt, er hatte uns beim ersten Mal also angelogen.
Um keinen unnötigen Streit aufkommen zu lassen haben wir uns entschieden keinen Protest einzulegen.
Die weiteren Umstände sahen so aus: Unser Regionalligaspiel sollte an zwei Tischen zwischen Trennwand und den beiden anderen Meisterschaftsspielen (in der Landesliga und tiefer gibt es keine gelben und roten Karten, danach richtete sich die Lautstärke der Spieler). Die hintere der beiden zu kleinen Boxen war nur per Durchquerung der ersten Box zu erreichen, Mannschaftsbänke, Coachingstühle, Handtuchkörbe existierten gar nicht. Zu dieser Situation haben selbst die Altenaer Spieler A. Makowski und A. Wos mir gegenüber nur den Kopf geschüttelt. Aus diesem Grund baten wir den Altenaer Betreuer das Spiel doch wenigstens in zwei größeren, einzeln zugänglichen Boxen zu bestreiten. Dazu waren die Altenaer bereit, sie mußten ohnehin auf das Ende des Spiels der zweiten Mannschaft warten, denn erst dann war deren Spitzenspieler Nowak als Ersatzmann in der Ersten spielberechtigt und der Spielblock konnte ausgefüllt werden. Um 18:45h war das Spiel (zum Glück für Altena) dann beendet, und das Regionalligaspiel konnte auf diesen Tischen dann beginnen.
Alte Imperialtische, deren Beine zentimeterhoch in der Luft standen (ich übertreibe hier bewußt nicht) und den Ballabsprung unberechenbar machten, die beiden Boxen von zu kleiner, aber dafür verschiedener Größe, eine Box mit Handballtor, die andere ohne, aber dafür mit zwei großen Weichbodenmatten, usw. Die Teilnehmer der direkt Bande an Bande stattfindende Partie der dritten Mannschaft störte das wenig, für sie waren die Bedingungen normal. Das Bild was sich einem Laien bieten würde (wenn es jemanden interessierte) ist allerdings einfach nur peinlich.
Ich kann es einfach nicht fassen, dass es Leute in verantwortlichen Positionen der Tischtennisszene gibt, denen fehlende Handtuchkörbe, ein Handballtor in der Box, oder fehlende Mannschaftsbänke in der Regionalliga scheißegal sind. Wir reden hier über die höchste Verbandsklasse, in der keine Mannschaft ohne Kostenerstattung eines Spielers auskommt, viele hingegen tausende bis zehntausende Euros pro Saison aufwänden, um eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen. Es wird mir auf ewig unbegreiflich bleiben, wo das Problem liegt ein Handballtor vor dem Spiel aus der Box zu schieben oder bei ALDI für 0,95 Euro vier bepimmelte Handtuchkörbe zu kaufen, die für die nächsten drei Jahre Regionalliga halten würden.
Und noch etwas: Jedem einzelnen, dem die o.g. Mängelliste scheißegal ist und sich über unser Bestreben nach Professionalisierung des Sports mokiert, gebe ich eine Mitschuld daran, dass unsere Sportart Tischtennis keine Sau interessiert. Wer solch einen niedrigen Anspruch an sich selbst hat, wird in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, und das ist absolut gerecht so.
Ich verlangen im übrigen nichts, was wir nicht selbst auch bieten können. Wie ich an anderer Stelle bereits schon erwähnte kann jeder, für den die Bereitstellung von regionalligatauglichen Spielbedingungen eine unlösbare Aufgabe darstellt, zu einem Heimspiel der TTF Bönen kommen. Ich verlange keine neue Wissenschaft, sondern lediglich Dinge, die durch minimalsten Einsatz erreicht werden können. Nicht einmal Sponsoren sind dafür notwendig. Wer Banden in der richtigen Reihenfolge aufstellen will, um damit zwei gleich große Tischtennis-Spielboxen zu formen, braucht kein Geld. Ein paar Stunden in der Förmchenabteilung im Sandkasten als Kind reichen als Qualifikation dafür aus.
Als sportlicher Leiter habe ich in meinem Verein lange Zeit für die Förderung des Leistungssports und der Professionalisierung gekämpft. Das Ergebnis ist, dass heute mit minimalsten Finanzmitteln zwei Mannschaften in der Regionalliga spielen, die fast durchweg mit jungen deutschen Spielern, oder Eigengewächsen (abgesehen von der kostenlosen kanadischen Nummer 2) bestückt sind, die auch noch alle wöchentlich zusammen trainieren. Damit bietet der Verein den jugendlichen Talenten, die in der hervorragend geführten Nachwuchsabteilung regelmäßig heranwachsen eine ausgezeichnete Perspektive.
Am Wochenende rügte ein Altenaer Verantwortlicher unsere Beschwerde über die Spielbedingungen mit der Bemerkung: „Na ihr müßt es ja nötig haben.“
Ne, wir mit Sicherheit nicht. Aber der Tischtennissport ganz bestimmt.