|
Ich habe das Gefühl, daß hier nicht nur unterschiedliche Meinungen, sondern auch unterschiedliche Wissensstände diskutiert werden. Ich versuche daher mal das zusammenzufassen, was ich als Unbeteiligter und Nichtjurist verstanden zu haben glaube.
1. Schritt : Der DTTB versucht, eine Ausländerregelung einzuführen, die nur einen Nicht-EU-Ausländer pro Spiel zulässt.
Meine Meinung: Die Absicht, die Jugendarbeit zu stärken, indem die Anzahl der TT-Touristen aus dem Ausland eingedämmt wird ist durchaus löblich, zumal auch die Begleiterscheinungen wie Schwarzarbeit und Steuerbetrug nicht von der Hand zu weisen sind.
Die Problematik:
- Die Regelung wurde viel zu spät beschlossen, bzw. sollte zu früh eingeführt werden, der Wechseltermin war verstrichen, einige Verträge unterzeichnet (Parallelen zu anderen kurzfristigen Entscheidungen des DTTB drängen sich auf).
- Nicht alle Ausländer sind TT-Touristen, es gibt einige Fälle in denen gerade die Ausländer als Trainingspartner sowohl für die Aktiven, als auch für die Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen, hier wird Jugendarbeit also sogar negativ beeinflußt
- Die Regelung behandelt nicht alle Ausländer gleich, Franzosen, Holländer, Belgier usw. sind "gute" Ausländer, weil EU-Staatsbürger, Polen, Tschechen u.ä. dagegen sind weniger gut, da sie nicht aus einem EU-Staat kommen. Hieraus erklärt sich auch die lokale Begrenztheit der Streitigkeiten, da die Grenznähe zu den osteuropäischen Staaten hier eine Rolle spielt, während in Norddeutschland oder im Westen ja keine Probleme mit den dort grenznahen Staatsbürgern bestehen.
Ergebnis: Alberto Amann vom TTC Eilenburg klagt, bekommt Recht und der DTTB muß die Regelung fallen lassen, bzw. überarbeiten.
2. Schritt : Der DTTB macht knapp ein Jahr später den nächsten Versuch mit einer geänderten Fassung.
Meine Meinung: Wieso hat sich der Verband so lange Zeit gelassen, bis die Wechselfrist wieder fast erreicht wurde, obwohl man dafür bereits beim ersten Mal Prügel bezog ? Wieso war man beim DTTB trotz rechtsanwaltslastiger Personalstruktur nicht in der Lage eine klare, rechtlich einwandfreie Regelung zustande zu bringen ?
Die Problematik :
- Einführung zeitlich wieder viel zu knapp
- Ungerechtigkeiten wurden nicht beseitigt
Ergebnis: Diesmal klagen mehrere Vereine und wieder mit Erfolg. Die meisten bekommen eine Einstweilige Verfügung, die wohl besagt, daß aufgrund der zweifelhaften Rechtmäßigkeit der Ausländerregelung des DTTB diese von dem betroffenen Verein nicht eingehalten werden muß.
3. Schritt : Die Saison läuft unter sportlich zweifelhaften Rahmenbedingungen.
Meine Meinung: Der Verband bringt außer Drohungen und strikter Nichtbeachtung gerichtlich ausgesprochener EV's nicht Konstruktives, geht in keinster Weise auf die Vereine zu und bemüht sich auch nicht, die Rechtmäßigkeit seiner Regelung feststellen zu lassen. Nachgebessert wird schon gar nicht.
Ergebnis: Nach der Saison hat sich nichts an der grundsätzlichen Situation geändert, das Chaos ist perfekt. Wer steigt auf, wer ab ? Wer spielt wo und in welcher Aufstellung ?
4. Schritt : Kurz vor dem ersten Gerichtstermin zur Klärung der Zulässsigkeit der Ausländerregelung schließt der Verband mit dem betroffenen Verein einen Vergleich, der den Klassenerhalt zusagt, wenn die Klage zurückgezogen und zukünftig regelkonform angetreten wird.
Meine Meinung: Der Verband war sich seiner Sache vor Gericht absolut nicht sicher. Da man dies in solchen Kreisen nicht zugibt, wurde nach der bestmöglichen Lösung gesucht, die eine Niederlage erspart. Hier wird versucht die Vereine einzeln zur Aufgabe zu bewegen, obwohl deren Chancen die ganze Regelung zu kippen m.E. als gut einzuschätzen sind. Daß dies dann noch in Form einer Erpressung geschieht ist nur typisch für das Allmachtsgefühl unserer Verbände.
Die Problematik:
- Mit Erpressung lassen sich nur wenig Menschen "zur Vernunft" bringen. Die Entschlossenheit, für sein Recht zu kämpfen wird wohl durch solche Aktionen eher steigen.
- Der Vergleich würde ja lediglich einer Amnestie gleichkommen, in der Sache aber voll dem DTTB-Standpunkt entsprechen. Wofür hätte man dann gekämpft ?
- Inzwischen sind auch noch andere Unbeteiligte in den Strudel dieser Problematik geraten, da Auf- und Abstieg in allen Klassen durcheinander geraten.
Mein Fazit:
- Der Verband ist für die Regeln verantwortlich, die einen reibungslosen Ablauf der Rundenspiele garantieren / ermöglichen sollen. Wenn er es nicht schafft, die Regeln so zu beschließen, daß sie unzweifelhaft gültig sind (abgesehen davon, daß die Mehrheit sie auch wollen sollte), dann hat er die daraus resultierenden Probleme zu verantworten.
- Nicht alle Vereine, die gegen die Ausländerregelung Sturm laufen, haben das Wohl des TT-Sports im Sinn, aber nicht alle Vereine, die mehr als einen Nicht-EU-Ausländer einsetzen, sind egoistische, nicht Jugendarbeit betreibende Schurkenvereine.
- Wer aktiv wird, sollte die Folgen abschätzen (können), wer's nicht oder ungenügend tut ist für die Folgen verantwortlich.
- Das Befolgen der Regel, solange bis deren Ungültigkeit gerichtlich verordnet wird, ist so einfach nicht, wie es hier mehrfach dargestellt wurde. Spieler, die zwischenzeitlich nicht eingesetzt werden können, verlassen den Verein oder kosten Geld ohne zu spielen. Wer einmal weg ist, kommt u.U. nicht gleich wieder zurück, nur weil die Regelung seinen Einsatz im alten Verein wieder zuläßt.
- Aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge werden sich die gerichtlichen Auseinandersetzungen bei gleichbleibender Sturheit beider Parteien noch lange hinziehen.
- Das Image unserer Sportart wird massiv beschädigt und dies gerade von denen, die eigentlich für das Wohl unserer Sportart sorgen wollen und sollen. Da böse Absicht in diesem Fall wohl ausgeschlossen werden kann, zeigt sich hier wieder die Unfähigkeit unserer höchsten Funktionäre. Nicht ztum ersten Mal und wohl auch nicht zum letzten Mal, solange wir diese Akteure gewähren lassen.
Ich bitte, mich zu korrigieren, wenn ich etwas falsch verstanden oder wiedergegeben habe.
|