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Alt 17.12.2006, 16:37
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Mephisto Mephisto ist offline
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AW: Mitgliederentwicklung

Ich finde, in den letzten Jahren ist viel positives passiert und passiert weiter, um Tischtennis in D attraktiver zu machen. Wenn dies nicht der Fall wäre, müssten wir uns mit ganz anderen Zahlen auseinander setzen. D.h. natürlich nicht, sich damit zufrieden zu geben, sondern stets sind Bemühungen gefragt, diese Bemühungen intensiv fortzusetzen.

Alleine die Einführung einer digitalen Verwaltung z.B. von Spielberechtigungen hat dazu geführt, dass bei der Umstellung einige Karteileichen aus den Vereinslisten gelöscht wurden.

Aber das ist nicht der zentrale Fakt. Der liegt nicht innerhalb der Sportart, sondern in der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, der Individuierung der Gesellschaft, bei der ein Gemeinchaftsgedanke zunehmend in den Hintergrund kehrt. Es ist für viele schick, unverbindlicheren Trends als dem Gefüge Verein zu folgen. Z.B. ins Fitness-Studio gehen, wenn man selbst Lust und Zeit hat, oder sich zu einer Lifestyle-Sportart unabhängig von festen Zeiten und Räumlichkeiten zu treffen. Verbindliche Termine (die einen Vereinssport ausmachen) werden teils als "uncool" erachtet. Andere befriedigen ihre Leistungsethik lieber am Joystick oder der Tastatur als durch Schweiß. Die Palette an Möglichkeiten hat sich vergrößert, doch ist diese Entwicklung auch indirekt gewollt durch die Veränderung der Arbeitswelt. Trotz sinkenden Arbeitsvolumens durch technischen Fortschritt steigen die Arbeitszeiten und -belastungen, die Wegezeiten erhöhen sich durch eine Konzentration in Ballungsgebieten. In der Folge haben sich die Ganztagsschulangebote erheblich gesteigert und werden weiter forciert. In den Schulen finden mittags auch Sportangebote statt, die oft in Konkurrenz zum Vereinssport generell stehen. Gleichzeitig ist die Zahl ehrenamtlich Engagierter durch die erhöhten Belastungen rückläufig, mit denen der Vereinssport steigt und fällt. Gerade im TT gibt es dann den Gegentrend "reisender" Profitrainer. Diese leisten i.d.R. eine gute sportliche Ausbildung, sorgen aber nicht für eine Vereinsbindung. Zusätzlich separieren diese Tendenzen die Vereine in semiprofessionelle Dienstleister (die die Ware "TT-Ausbildung" anbieten), resignierende Vereine und welche, die ein gutes Angebot mit Eigenengagement bieten. Der letztere Typos ist rückläufig, aber genau der, der Menschen bindet und begeistert sowie Athmosphäre transportiert.

Vielleicht klingt das alles etwas negativ, doch verbirgt sich m.E. eine Werteveränderung hinter dem Phänomen des Mitgliederschwunds in Vereinen. Doch Werte lassen sich ändern. Es gibt politische Bemühungen zur Förderung des Ehrenamtes, die einerseits gut und richtig sind, andererseits aber von Verursachern der Werteveränderung als Maßnahme gegen Mangelerscheinungen ergriffen wurde. Ich stelle das Motiv in Frage, doch können die Maßnahmen ansich auf alle Fälle helfen.

Letztendlich liegt es aber an UNS allen und unseren persönlichen Lebensentwürfen, -einstellungen und -Werten. Dort, wo sich Menschen einsetzen,engagieren und identfizieren, findet auch eine positive Wirkung auf potentielle Mitglieder der Solidargemeinschaft Verein gegenüber statt. Der Weg ist und bleibt eine aktive, engagierte und integrative Jugendarbeit und eine ständige Suche nach nachwachsenden Multiplikator(innen), damit ein Angebot nicht zu personen gebunden ist, auch wenn gerade Vereine oft vom bedingunslosen Einsatz von Einzelpersonen leben; aber dies ist oft zeitlich begrenzt, wenn die Belastung zu groß wird. Auch gesellschaftliche Verhältnisse und Werte lassen sich verändern, wenn auch langsam in kleinen Schritten. Dafür muss man aber hinsehen und sich ggf. auch einmischen statt resignativ in ein Jammer-Dilemma zu verfallen.
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Nichts bleibt wie es wird!
Mephisto
TSG Oberrad
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