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Alt 18.12.2006, 12:57
Michael Knight Michael Knight ist offline
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AW: Trainingsfrage

@Cheftrainer,

ich stimme dir zu, dass auch die taktische Komponenten beherrscht werden sollten. Aber das hat lediglich etwas mit der Frage zu tun, wie/wann und warum man sich für die Anwendung einer Technik entscheidet. Deiner Argumentation nach wäre für den Marathon-Läufer die "variable Verfügbarkeit" ja quasi unbedeutend, da er nur eine Technik braucht. Aber seis drum, wie gesagt ist das Ganze ja einigermaßen überholt, nichtzuletzt aufgrund beträchtlicher inhaltlicher Inkongruenzen. Ich bemühe einfach mal wieder mein Beispiel:

Es wird bei diesem Trainingsverständnis ja zwischen Technikerwerbs-Training und Technikanwendungs-Training unterschieden (lernen - festigen - variable Verfügbarkeit; Grobform - Feinform - variable Verfügbarkeit; etc. manche sprechen auch noch von einer Erfassungsphase u.ä., letztlich läufts jedoch immer auf dasselbe hinaus).
In meinem ersten Post hab ich etwas von einer idealtypischen Bewegung gesagt. Jetzt lernt ein Kleinkind das Laufen aber nicht unter standardisierten Bedingungen - ohne äußere Störeinflüsse um sich auf die Bewegung konzentrieren zu können - auf dem Laufband im Wohnzimmer. Und anschließend, wenn die Bewegung "sitzt", nachdem sie zigfach "eingeschliffen" wurde, wird die "variable Verfügbarkeit" für den Transport von Teddybären, dem ausweichen von Hindernissen oder der Bewältigung unterschiedlichen Geländes trainiert.

Da per se jeder Schritt (und auch jeder Topspin etc.) anders ist, wird eine "variable Verfügbarkeit" bei jeder Bewegung trainiert, diese Einteilungen sind also künstlich und orientieren sich an hierarchischen, seriell arbeitenden Strukturen (Mensch/Computer-Analogie).

Zu meiner zeitlichen Einordnung dieser Vorstellungen:
Die erste Auflage der Bewegungslehre von Meinel datiert von 1960. Es gibt da sicher auch andere Standardwerke und ich will mich nicht über ein paar Jahre streiten. Nur das ist ungefähr der zeitliche Ursprung, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass diese Standardwerke ungeachtet jeder Entwicklung alle paar Jahre neu aufgelegt werden und so eine gewisse Aktualität suggerieren.

Zum Ostblock:
Ich habe mitnichten irgendetwas gegen den ehemaligen Ostblock. Aber wenn man sich mit solchen Dingen wie Training auseinandersetzt, sollte man sich vllt. klarmachen, dass die Koryphäen der deutschen Trainingswissenschaft (Meinel, Schnabel, Harre, Martin etc.) eben in diesen totalitären Strukturen aufgewachsen sind. Und das spiegelt sich natürlich auch in deren Modellen wieder. Wobei dieses Menschenbild auch heute noch einem weitverbreiteter Zeitgeist entspricht. Ich möchte also in keinster Weise die ehemalige DDR angreifen, sondern nur nachdenkenswerte Zusammenhänge aufzeigen. Zweifelsohne haben sich die genannten Herren um die Trainingswissenschaft sehr verdient gemacht. Und das diese Modelle auch erfolgreich sein können beweisen die Chinesen - aber wer möchte hierzulande schon wie die Chinesen trainieren?

Dass es dem Inhalt aktueller Trainerausbildungen entspricht ist mir bekannt. Ich hatte ja geschrieben, dass es leider noch nicht bis zu den Tischtennistrainern (inklusive Verbands- und Bundestrainern) vorgedrungen ist. Allerdings findet man die Kritik wirklich überall (wenn du ein wenig Literatur wünscht, kann ich ja mal eine kleine Liste zusammenstellen...per pn). Und sogar diese Kritik ist älter als die meisten Nachwuchsspieler. Was ich hier also vertrete ist nicht im mindesten ketzerisch, sondern längst etabliert (in Fachkreisen^^).

Entschuldigung fürs offtopic.

@Youkai:
Trainiere wie die kleinen Kinder laufen lernen. Das ganze ist eine Frage der Risikoeinschätzung. Ein Kind, welches eben erst laufen lernt, rennt auch nicht durch den Wald (vergleicbar einem "blinden" draufhaun). Genausowenig krabbelt es aber die ganze Zeit, nur um Stürze (vergleichbar einem übertriebenen Passivspiel zur Vermeidung von fehlern) zu vermeiden. Die richtige Risikoeinschätzung ist natürlich nicht so einfach, aber du siehst ja ob deine Bälle kommen und wie effektiv sie sind. Und wenn du Glück hast bekommst du auch noch Feedback von außen, wobei es immer Glückssache ist, an wen du da gerade gerätst.

Geändert von Michael Knight (18.12.2006 um 13:00 Uhr)
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