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Alt 06.02.2007, 14:35
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Rieslingrübe Rieslingrübe ist offline
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Pfeil1 Singularity

....es handelt sich hier um Tagebucheintragungen des Autors zwischen den Jahren 1935 und 1950...weil's mir grad so gefällt, noch 'n paar weitere Auszüge daraus:


5. Februar
An die Dinge glauben heißt: etwas bestehen lassen nach dem eigenen Tode, und im Leben die Befriedigung haben, in Berührung zu kommen mit dem, was noch nach uns bestehen wird.
Aber befriedigt es uns, zu denken, daß die Dinge früher als wir existierten, und daß wir, indem wir leben, in Berührung kommen mit dem, was früher war? Dieselbe magere Befriedigung werden wir haben, nachdem wir tot sind, indem wir wissen, daß etwas fortfährt zu sein..


5. Juni
Der Schmerz bewirkt, daß man in einer verzauberten, verträumten Sphäre lebt, worin die alltäglichen banalen Dinge eine Bedeutung annehmen, die furchterregend und ´thrilling´ ist, nicht immer unangenehm. Er gibt das Bewußtsein einer Trennung zwischen der Wirklichkeit und der Seele; er hebt uns in die Höhe und läßt uns das Wirkliche und unsern Körper nur flüchtig sehen wie etwas zugleich Entferntes und Sonderbares. Dies ist seine erzieherische Wirkung...

19.September
Was uns auch immer geschehen mag - verdienen wir Besseres ?
Immer sich begnügen, da zu sein...


7. Oktober
Wenn wahre innere Fortschritte nur die Kenntnisse sind, die mit Dingen zusammenfallen, die wir schon wußten, dann zählt nichts in uns als das Unbewußte, und dann ist hier unsere wahre Anlage und Art...

10. November
Die große Aufgabe des Lebens: sich rechtfertigen.
Sich rechtfertigen heißt: einen Ritus zelebrieren. Immer.

Jedoch: nur die Einzigartigkeit rechtfertigt; jener absolute Wert, der uns über alle Nebensächlichkeiten stellt...
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Alle Wege münden in schwarze Verwesung.... .. (Georg Trakl)
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