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Vorgehensweise beim Taktiktraining
Taktiktraining
Bei den vorliegenden Schritten möchte ich die grundlegenden Überlegungen an einzelnen Beispielen darstellen. Auf diese Art sollen die Spieler dann zu jedem Punkt mehrere Übungen entwickeln. Wichtig ist vor allem, dass der Spieler seine Spielzüge auch begründen kann. Nach anfänglichen grundlegenden Taktikübungen sollen anschließend spezielle Übungen erarbeitet und trainiert werden.
Bei einem Taktiktraining sind immer verschiedene Überlegungen zu berücksichtigen.
- Was will ich mit einem bestimmten Schlag erreichen? (Aufschlag, Rückschlag, Eröffnungsschlag,…)
- Mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt der Rückschlag mit welcher Rotation wohin?
- Wie kann ich einen Gegner dazu zwingen, mir Bälle mit gewünschter Rotation an einen bestimmten Ort zu spielen?
1. Schritt:
Was will ich mit meinem Aufschlag erreichen?
Ich muss bereits beim Aufschlag überlegen, was ich mit dem Rückschlag machen will.
- Will ich, dass der Gegner angreift?
- Will ich selber angreifen?
- Welche Schläge kann ich am Besten?
- Welche Schläge möchte ich am seltensten einsetzen?
- Mit welchem Schlag möchte ich eröffnen?
- Hat der Gegner bei der Aufschlagannahme besondere Schwierigkeiten?
- Mit welchem Rückschlag muss ich rechnen?
Dies sind nur einige Fragen, die ich bei taktischen Überlegungen anstellen muss!
Nach dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit und nach dem Ausschlussprinzip überlege ich mir Spielzüge:
Wahrscheinlichkeit:
Kurzer Aufschlag -> kurzer Rückschlag
Langer Aufschlag -> langer Rückschlag
Langer Aufschlag -> Gegner eröffnet das Spiel
Diagonal gespielter Ball -> diagonaler Rückschlag
Ball weit an die Seite gespielt -> Ball kommt auf die weite Seite zurück
Ausschlussprinzip:
Bsp: Ich möchte, dass der Ball mit Unterschnitt auf meine VH zurückkommt! Mit welcher Rotation muss ich den Ball wohin spielen?
Kurzer Aufschlag mit Unterschnitt -> Ball käme kurz zurück => ich kann keinen Topspin ziehen
Aufschlag mit Unterschnitt in die RH -> Ball kommt in meine RH
Langer Aufschlag -> Gegner eröffnet
Aufschlag mit Unterschnitt in die weite VH -> Ball kommt in die weite VH zurück => für eigene Eröffnung zu schwierig
Offensiver Aufschlag -> Gegner antwortet offensiv
=> Ich muss einen Unterschnittaufschlag spielen
=> Es bleibt nur ein kleiner „Fleck“ auf der VH-Seite des Gegners, damit ich meinen gewünschten Ball mit großer Wahrscheinlichkeit bekomme.
1.1. Ich möchte, dass der Gegner nicht angreifen kann!
Ausschlussprinzip:
Langer Aufschlag -> Gegner greift an
Offensiver Aufschlag -> Gegner greift an
Aufschlag ohne oder mit wenig Rotation -> Gegner greift an
Wahrscheinlichkeitsprinzip:
Kurzer Aufschlag -> kurzer Rückschlag
1.2. Ich möchte, dass der Gegner eröffnet!
Bsp.: mit VHT
Ausschlussprinzip:
Kurzer Aufschlag mit Unterschnitt -> Gegner legt den Ball kurz zurück
Kurzer Aufschlag ohne Rotation -> Gegner kann evtl. mit einem Flip eröffnen
Kurzer Aufschlag mit Oberschnitt -> Gegner spielt offensiv zurück oder spielt den Ball ins Grundlinienaus
Langer Aufschlag mit Unterschnitt in die VH -> Ein offensiver Gegner greift mit VHT an
Langer Aufschlag mit Unterschnitt in die Mitte -> Gegner greift wahrscheinlich mit VHT an
Langer Aufschlag mit Unterschnitt in die RH -> Gegner greift evtl. an, wobei ein RHT wahrscheinlicher ist als ein VHT
Wahrscheinlichkeitsprinzip:
=> Mit größter Wahrscheinlichkeit greift der Gegner mit VHT an, wenn der Aufschlag mit Unterschnitt auf die VH gespielt wird
=> Kurze Aufschläge mit Oberschnitt werden wahrscheinlich angegriffen
1.3. Ich möchte, dass der Ball mit einer bestimmten Rotation auf einen bestimmten Punkt zurückkommt!
Ein Beispiel wurde bereits unter 1. erklärt. (siehe Ausschlussprinzip)
2. Schritt:
Was mache ich mit dem Rückschlag
2.1. Der Gegner hat mir wie gewünscht den Ball zurückgespielt!
Bsp: Ich wollte, dass der Gegner mir den Ball mit Unterschnitt auf die mittlere VH spielt. Dies hat er auch getan. Wohin ziehe ich nun meinen VHT?
Analyse der Bewegungen meines Gegners:
- Auf meinen Unterschnittaufschlag hat mein Gegner VHSchupf gespielt. Dazu musste er mit dem rechten Fuß nach vorne.
- Bei der Rückbewegung in die Grundstellung passiert folgendes:
-> am schnellsten ist der Arm in der optimalen RH-Position
-> durch die Rückwärtsbewegung kann der Gegner am Wechselpunkt keinen Druck erzeugen
-> durch die Rückwärtsbewegung nach links hinten (Grundposition) wird die weite VH geöffnet und der Gegner kann nicht mehr ausreichend ausholen und Gegendruck erzeugen.
=> Der Spieler muss jetzt während des Ballwechsels die Bewegungen des Gegners beobachten und situationsspezifisch spielen.
=> Beste Punkte in dieser Situation: Weite VH und Mitte.
=> Evtl. wird auch die RH geöffnet, so dass auch dieser Anspielpunkt möglich ist.
===> Situationsbedingte Platzierungen
2.2. Der Gegner hat mir den Ball NICHT wie gewünscht zurückgespielt!
Auch die Gegner können Tischtennis spielen. Auch sie haben evtl. schon Taktiktraining gemacht. Daher versuchen sie unser Konzept zu durchbrechen. Wie kann ich den Gegner nun dazu zwingen, den Ball trotzdem mit einer gewünschten Rotation an einen gewünschten Platz zu spielen?
Bei dem obigen Spielzug habe ich dem Gegner einen Aufschlag mit Unterschnitt halblang in die VH gespielt. Er spielt mir den Ball jedoch mit Unterschnitt in meine RH zurück und nicht wie geplant in meine VH.
Wahrscheinlichkeitsprinzip:
Wenn ich den Ball halblang mit Unterschnitt an die weiße Linie auf der VH-Seite des Tisches spiele, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass der Ball in meine VH kommt. Der Schupfball darf jedoch nicht zu lang sein, da sonst der Gegner mit VHT eröffnen kann.
3. Schritt:
Training der Übungen!
- Übungen einzeln trainieren! (Nur ein Platzierungsort)
- Übungen als Alternativübungen trainieren! (Mehrere Platzierungsorte möglich)
- In Trainingsspielen nach taktischen Überlegungen Spiele spielen!
Diese Abhandlung soll dazu dienen, Trainern die Möglichkeiten vom Taktiktraining zu zeigen. Anhand der genannten Vorgehensweise lassen sich unzählig viele Übungen erarbeiten. Es ist jedoch entscheidend, dass die Spieler die Spielzüge selber erarbeiten, damit sie selber wissen, was sie tun. Wer solche taktischen Spielzüge bereits in seinem Repertoire hat, ist seinem Gegner immer einen Schritt voraus.
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