|
AW: Reduzierung der Mannschaftsstärke in 1. und 2.Bundesliga?
Ich denke, es ist falsch, die Attraktivität eines Sportereignisses auf seine Dauer zurückzuführen. Ein Eishockey-Spiel dauert mit allem Drum und Dran auch weit über zwei Stunden, ein Skispringen über drei Stunden, ein Tennisspiel oft noch länger. Ein Daviscup-Match dauert drei Tage (=15 Stunden oder mehr!) und hat mit die höchsten Einschaltquoten.
Eishockey und Basketball - sicher unbestritten mit die rassigsten Sportarten - kommen nur im deutschen Bezahl-Fernsehen vor (die 1. Fußball-Bundesliga live übrigens auch!). Die öffentlich-rechtlichen und die bezahlfreien privaten Sender geben viel Geld aus für Wintersport, für Leichtathletik (wenige Zuschauer trotz hoher Attraktivität), für Tennis (Zuschauer nur beim Daviscup und den großen Turnieren) und ansonsten für Fußball in den unteren Ligen. Handball fristete bisher auch im DSF nur ein Schattendasein. Hoffentlich wird es jetzt besser.
Turnen - dieser Sportverband hat nach Fußball die meisten Mitglieder! - kommt im Fernsehen fast überhaupt nicht vor. Golf dagegen überdurchschnittlich viel. Woran liegt das?
Sicher an der Fernsehtauglichkeit einer Sportart. Aber die kann auch von den Sendern selbst "gemacht" werden - siehe Skispringen (RTL) oder Biathlon (ARD/ZDF), zwei ziemlich "komplizierten" Sportarten, bei denen in den letzten Jahren fernsehtechnisch eine Revolution stattgefunden hat. Es liegt aber auch an den "Stars" einer Sportart. Von denen gibt's beim Fußball viele, beim Handball schon deutlich weniger, beim Eishockey und Basketball fast keine Deutschen (der Dirk spielt halt leider/Gott sei Dank in der NBA), beim Turnen (Hambüchen) und beim Tischtennis (Boll, Waldner) auch nur sehr wenige.
Warum werden dann trotzdem Sportarten wie Tennis (auch nur noch Haas) und Golf so relativ häufig gezeigt? Das liegt sicher an der Affinität der Fernsehgewaltigen. Die "Ober der Sender" zeigen, was sie selbst gerne spielen. Aber sollen wir deshalb gleich alle unsere Regeln ändern?
Tennis hat bewiesen, dass es - trotz der fast unerträglichen Pausen in einem Match - auch ohne Regeländerungen geht. Allerdings interessiert sich da kein Mensch für die Bundesligen - nicht mal die Tennisspieler selbst. Dies nachzumachen, wäre jedoch für den Tischtennissport mE tödlich.
Wir müssen unseren eigenen Weg gehen. Und der kann nur heißen: "Pflegen" wir unsere wenigen Stars, präsentieren wir unseren Sport besser als bisher, lasst uns bessere Netzwerke knüpfen zu Presse und Fernsehen, lasst uns Aktionen machen, damit Tischtennis auch für die breite Masse (vor allem an den Schulen) eine "In-Sportart" wird und lasst uns ansonsten Qualität walten - Qualität auf allen Gebieten, bei den Sportlern, den Funktionären, aber auch hier in diesem Diskussionsforum.
Und lasst uns bitte aufhören, ständig und immer wieder an Regeln und Mannschaftsstärken herumzudoktern. Nicht die Geige geigt, sondern der Geiger geigt. Will sagen: Es kommt - auch hier - auf die Menschen an, die uns repräsentieren. An den Tischtennistischen und an den Schreibtischen.
|