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Alt 24.02.2007, 03:14
henrypijames henrypijames ist offline
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henrypijames ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)henrypijames ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)henrypijames ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)henrypijames ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)henrypijames ist ein sehr geschätzer Mensch dessen Wort hier Gewicht hat (Renommeepunkte mindestens +250)
AW: Christian Süß

Zitat:
Zitat von Max Beitrag anzeigen
Frage an die Allgemeinheit: Ist es wirklich so von Vorteil als Doppelspieler eine starke Rückhand zu haben?
Nein. Die RH ist gewoehnlich im Doppel weniger wichtig als im Einzel.

Suess' Doppel-Qualitaeten bestehen im Wesentlichen aus folgenden Faktoren:

1. Wahnsinniger Ideenreichtum im Taktischen - in dieser Hinsicht gehoert er zur absoluten Weltspitze (auf gleicher Hoehe wie Ma Lin, Samsonov, Schlager und deutlich vor Boll).

2. Sehr gutes Klein-klein-Spiel - auch in dieser Hinsicht Weltspitze und mindestens genau so gut wie Boll.

3. Positionierung sehr nah am Tisch - es gibt kaum ein Spieler, der im Doppel so schwer von der Platte zu verdraengen ist bzw. so schnell wieder nach vorne zurueck kommt wie Suess. Gerade bei langen Ballwechsel ist es fast immer so, dass drei Spieler aus der Halbdistanz spielen, waehrend Suess vorne den Abschluss sucht - und meist auch findet.

4. Sicher aus der Halbdistanz - wenn er genug Zeit hat. Seine Halbdistanzbaelle sind zwar nicht so gefaehrlich (sprich schnell, druckvoll, schnittreich, exakt plaziert...) wie z. B. die von Boll, aber Suess macht genau so wenig Fehler (und er eilt sich wieder schnell zurueck an den Tisch, siehe oben).

Warum diese Vorteile bei ihm im Einzel nicht so gut zur Erscheinung kommen:

1. Ideen- und Abwechselungsreiches Spiel ist extrem anstrengend. Im Einzel muss man den Ball mehr als doppelt so oft treffen wie im Einzel (weil die Ballwechsel auch laenger sind), und Suess kann sein Ideenreichtum nicht so lange aufrecht erhalten wie Ma Lin oder Schlager (geschweige denn wie die Meister Waldner und Liu Guoliang).

2. Viele Gegner lassen sich im Einzel gar nicht auf Klein-klein-Duell mit Suess ein, sondern versuchen eher mit einfachen Eroeffnungsbaellen, selbst wenn diese keinen guten Qualitaet haben. Im Doppel waere eine schlechte Eroeffnung Selbstmord, im Einzel ist das weniger problematisch, vor allem, weil Suess nicht so gefaehrlich ist bei den laengeren Baellen.

3. Im Einzel ist man viel schneller wieder am Ball, also hat man nicht viel Zeit, sich ideal zu positionieren. Von hinten nach vorne zurueckzukommen ist besonders schwer im Einzel.

4. Auch hier wieder das Zeitproblem. Im doppel wird Suess sehr selten ausgespielt, im Einzel sehr oft.

Warum Suess in Mannschaftswettbewerben gutes Einzel spielt:

Der erste (und wichtigste) Vorteil, sein Ideenreichtum, bleibt bestehen, weil es nur drei Gewinnsaetze gespielt wird.

Was man an Verbesserungsvorschlaege unmittelbar daraus folgen kann:

1. Bessere Beinearbeit. Dann kommen die Vorteile 3 und 4 auch im Einzel zur Geltung. Uebrigens, als ich Suess einst im Interview fragte, was an seinem Spiel er am meisten verbessern will, gab er selbst die gleiche Antwort.

2. Hoehere Qualitaet bei den langen Baellen bzw. niedrigere Fehlerquote bei den aggressiven Angriffsbaellen. Sehr wichtig dafuer ist aber auch wieder die Beinarbiet.

3. Geistliches Stehvermoegen. Er hat schon einen sehr guten Kopf, soll ihn aber noch laenger anhaltend belasten koennen als jetzt. Das ist allerdings etwas, was man nicht unbedingt mit
Trainingsfleiss erzwingen kann...

4. Den Spielbetreuer mehr zuhoeren. Weil Suess gute eigene Ideen hat und auch sehr selbstbewusst in dieser Hinsicht ist, kommen die Ratschlaege des Trainers bei ihm oft nicht an. Aber zwei sind am Ende doch klueger als einer (zumal Prause auch ein guter Ratgeber am Boxrand ist), und selbst ein Taktik-Meister wie Liu Guoliang nahm begierig alles auf, was sein Betreuer (meist Cai Zhenhua) ihm in den Pausen und Timeouts zu sagen hatte.

So, damit habe ich hoffentlich hinreichend bewiesen, dass ich weiss, wovon ich spreche, wenn ich Suess' Tischtennis-Spiel kritisiere.

Geändert von henrypijames (24.02.2007 um 03:43 Uhr)
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