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Lieber Gerd, vor ca. 10 Jahren waren die Asiaten noch in einem Tief, die Europäer dominierten das Tischtennis (Waldner, Persson, Karlson, Roßkopf, Gatien etc). Das internationale Niveau war auch wegen der "Krise" vor allem der Chinesen deutlich niedriger als heute. Franz und Prause und andere haben dennoch - trotz sichererlich guter Leistungen - nie den ganz großen Durchbruch geschafft. Vielleicht auch deswegen, weil es damals in Deutschland nie diese Menge an ordentlichen ausländischen Trainingspartnern (und Gegnern) gab wie heute. Genau über diesen Punkt streiten wir uns: Nützen uns die (vielen) Ausländer oder schaden sie uns (und unserem Nachwuchs)?
Ich bin überzeugt: Ohne die vielen guten ausländischen Sparringspartner wäre z.B. der bayerische Nachwuchs nie so gut geworden, wie er unter Lena Andersson (mit noch wenigen) und mit noch viel mehr von diesen (vor allem chinesischen) Sparringspartnern unter Herrn Müller geworden ist. Ob allerdings die bayerischen Nachwuchs-Talente den Durchbruch schaffen, das muss sich - trotz TT-Leistungszentrum in Würzburg - erst noch zeigen. Die besten Chancen dazu hat wohl Angelina Gürz - wenn sie den Stress gerade in der Schüler/Jugendzeit durchhält.
Meine These bleibt bestehen: Vor allem die Ausländer in der 2., der 3. und 4. Liga bringen - wenn sie denn im Training da sind! - unserem Nachwuchs ganz viel (vor allem im Herrenbereich, die Mädels können auch mit jungen deutschen Jugendlichen gut trainieren). Und wer sich von unseren Jugendlichen gegen diese Ausländer nicht durchsetzt, der hat national und vor allem international keine Chance, ist also, so hart das klingen mag, für für eine nationale Förderung (z.B. auch durch die Bundeswehr) kaum geeignet.
Ich würde mich freuen, lieber Gerd, wenn Du Deine Einstellung in der Ausländerfrage vor diesem Hintergrund noch einmal überdenken könntest. Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt gibt es die EU, und in ein paar Jahren (siehe jetzt schon Japan-Circuit, in Kürze der Beitritt weiterer Nationen) wird die Globalisierung auch im Tischtennis noch weiter zugenommen haben. Man kann das bedauern. Aber aufhalten kann man es nicht.
Das internationale Niveau im Tischtennis ist jedenfalls in den letzten Jahren gewaltig gestiegen. Wir haben nur eine Chance, uns diesem Niveau anzupassen, wenn wir uns international - also auch mit den entsprechenden Trainings- und Spielpartnern - verbessern. Und zwar mit mehr als einem Weltklasse-Spieler. Ein Boll macht noch keinen Sommer. Leider.
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