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Alt 07.03.2007, 15:28
Chinabomber Chinabomber ist offline
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AW: Was ist bei betreuen zu beachten?

Coaching sollte man keinesfalls übertreiben. Der Spieler - und Jugendspieler schon mal gar nicht - ist nicht in der Lage, viele Informationen aufzunehmen, und erst recht nicht, sein Spiel eigenständig zu analysieren. Dabei verliert er nur seine Konzentration. Analysieren kann man nach dem Spiel, wenn es denn Sinn macht.
Das Wichtigste ist, daß man beim Spieler die Konzentration in der Pause hochhält bzw. dazu beiträgt, diese zu verbessern. Motivieren kann man vor und auch während des Spiels, aber nicht in der Pause, da das ihn nur ablenken würde.
Auf keinen Fall mehr als 3 Sachen sagen, eher weniger.
1. Ihn daran erinnern, wie er bisher am besten in den Angriff gekommen ist.
2. Ein Satz zu seiner Verteidigung.
3. Ein Satz zu seinen Aufschlägen, aber auch nur dann, wenn es wirklich Sinn macht.
Dann folgt ein letztes "konzentrier dich jetzt" und ich lasse ihn alleine, um sich noch einmal zu sammeln.

Ansonsten kann ich Cheftrainer nur zustimmen. Sätze wie "Herrgott, was spielst du für einen Bockmist!" müssen absolut tabu sein während des gesamten Spiels, aber auch danach! Wenn ein Spieler sich konzentriert hat und versucht hat, seine taktische Linie umzusetzen, dann muß der Trainer nach einem verlorenen Spiel dem Spieler klarmachen, daß sein Gegner einfach etwas besser war und der Spieler muß lernen das zu akzeptieren. Kritik vom Trainer sollte nur dann kommen, wenn der Spieler sich nicht konzentrieren wollte, bzw. keine ernsthaften Anstalten dazu unternommen hat, und wenn er partout nicht auf die taktischen Hinweise in den Pausen hören wollte, bzw. diesen nicht versucht hat umzusetzen. Ansonsten muß man als Trainer den Jungen ernst nehmen und davon ausgehen, daß er sein bestes gegeben hat - zumindest an diesem Tag. Ob er "normalerweise" hätte besser sein können spielt überhaupt keine Rolle!

Ein Trainer, der süffisant in der Ecke grinst (vor oder nach de Spiel) ist eine menschliche Niete. Als Trainer hat man nur die Funktion, dem Kind ordentlich TT beizubringen, nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß viele Kollegen sich als extrem Einpeitscher und hyper Motivator sehen und versuchen immer auch das letzte Fünkchen Leistung aus ihren Spielern rauszulocken. Damit haben sie in der Tat sehr häufig sehr viel Erfolg ... aber nur bis zu einem bestimmten Niveau. Und genau hier liegt meiner Meinung nach die Crux. Motivation ja, aber keine übertrieben, denn damit schadet man dem Jungen letzten Endes nur, weil man völlig falsche und übertriebene Erwartungen in seine potentielle Leistungsfähigkeit geschürt hat. In den meisten Fällen wird der Spieler diese Erwartungen irgendwann nicht mehr erfüllen können und dann hört er mit TT gefrustet auf. Die unter diesen Leuten weit verbreitete These "Wer in der Jugend ein paar Pokale geholt hat, der bleibt auch dabei!" halte ich für falsch und sogar gefährlich.

Geändert von Chinabomber (07.03.2007 um 15:44 Uhr)
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