Zitat:
Zitat von powerpaul
Warum hat er denn überhaupt gewechselt? Sehe keinen großen Vorteil für ihn darin, auf einen japanischen Belag zu wechseln. Gibts da Insider-Infos?
|
Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, was seine Beweggruende waren, ausser dass der Wechsel mir unmittelbar einleuchtend und sinnvoll scheint. Hou Yingchaos Vorhand-Topspin haben einen sehr guten Qualitaet und punkten oft sofort, andereseits ist seine Fehlerquote dabei auch sehr hoch - zu hoch fuer einen Weltklassenspieler. Es liegt daran, dass die Flugkurve des Balls sehr flach ist - typisch fuer chinesische Belaege, die haeteren Schwaemme verwenden und den Spin zum Grossteil durch das Obergummi erzeugen. Japanische Belaege mit elastischeren Schwaemme erzeugen bei Topspins eine deutlichere Bogen, damit kommen mehr Ballsicherheit, auch wenn die Baelle dann ein Tickchen langsamer und weniger giftig fuer den Gegner sind.
Anders als Angriffsspieler muessen Abwehrspieler meistens auch der Halbdistanz Topspins ziehen, die Schnelligkeit der Baelle verlieren dabei an Effekt, dagegen ist die sichere Flugkurve um so mehr Wert. Das Ziel von Hou Yingchao duerfte also sein, seine Vorhand-Topspin in Richtung Joo Sea Hyuk zu entwickeln. Denn der macht wesentlich weniger Fehler, ist aber nahzu genau so erfolgreich - er punktet seltener direkt mit dem ersten Topspin, aber nach zwei, drei Topspins gewinnt er den Punkt dennoch.
Im Vergleich zu Ding Song, der auch einen chinesischen Belag auf der VH benutzt, sind die Oberkoerperbewegungen von Hou Yingchao nicht ganz so harmonisch und geschmeidig, was bei seine VH-Topspins sowie seine haeufig eingesetzten VH-"Heber" besonders deutlich ist - die wirken immer ein wenig "hart", berade im Schulterbereich. Mit anderen Worten, Hou fehlt der notwendige hohe Grad an Koordination, um einen chinesischen Belag auf der VH perfekt zu beherrschen. Zumindest theoretisch wuerde ein japanischer Belag Abhilfe schaffen.
Der Erfolg des Experiments duerfte am Ende aber hauptsaechlich davon abhaengen, wie gut Hou bei Unterschnitt-Baellen - Schupf und Abwehr - mit dem neuen Belag auskommt. Denn das ist das taegliche Brot eines Abwehrspielers. Weichere Schwaemme bedeuten zwangslaeufig weniger Kontrolle im Klein-klein-Spiel. Sollte die Qualitaet der Schupfbaelle dadurch signifikant sinken, waere der Gewinn bei den Topspins die Sache nicht wert.