Zitat:
Zitat von Goofy
Dass die Ballwechsel früher angeblich länger waren liegt ja wohl nicht an der Zählweise.
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Das ist nun im Nachhinein nicht mehr festzustellen. Könnte mir aber vorstellen, daß die Zählweise auch ihren Anteil daran hat. Da man kaum Zeit mehr hat, sich auf den Gegner einzustellen, bleibt das erfolgsversprechendste und einfachste Konzept, selbst möglichst schnell und hart zu attackieren.
Man kann es sich schlichtweg nicht leisten, viel zu probieren. Wenn man zum Beispiel der Meinung ist, kurz in die Vorhand ist gut gegen den momentanen Gegner, und der trifft zufällig zwei brachiale Flips, wird man das bei den Sätzen bis 11, auch wenn es vielleicht genau richtig wäre, erstmal nicht mehr spielen.
Größeren Anteil hat wahrscheinlich dabei aber der dicke Ball. Wie Goofy selbst auch schrieb, muß er als Abwehrer näher an den Tisch. Das erhöht die eigene Fehlerquote, macht es aber auch für den Angreifer schwieriger, weil er weniger Zeit vor allem zum Einschätzen der Rotation hat.
Auch beim Topspin gegen Topspin steht man heuer mindestens einen Meter weiter vorne als früher. Zusammen mit der geringeren Rotation benachteiligt das alle Spielsysteme, die eher auf Sicherheit und Rotation ausgelegt sind, insbesondere in Entfernung vom Tisch.
Konsequenz: die Spieler bleiben vorne, attackieren härter, weil es am effektivsten ist und müssen sich dabei (wie viel waren es?) 6% weniger Sorgen um den Schnitt machen.
Gut, selbst wenn das oben alles so stimmte, könnte es natürlich trotzdem sein, daß wir aufgrund von Material und perfekterem Training heute ebenso schon an diesem Punkt gelandet wären auch mit der 21 und der 38.
Dennoch lassen sich die Schwächen der 11er-Sätze bezüglich Attraktivität nicht einfach wegdiskutieren. Ich versuche jetzt mal, meine persönlichen Vorlieben als Spieler bei der Betrachtung außer Acht zu lassen und nur zu schildern, wie es mir als Zuschauer geht.
Als Vorteil wird immer genannt, daß es viel öfter und schneller zu spannenden Entscheidungssituationen kommt.
Ich empfinde es aber meistens spannender, wenn sich das Ganze steigert und in einem dramatischen Höhepunkt am Ende entlädt. (Oje, der Satz wird wieder missinterpretiert.) Wenn jeder Ball so wichtig und spannend ist, wo bleibt da ein Höhepunkt?
In einer Ausgabe von
tischtennis letzten Jahres, glaube ich, gibt es eine von henrypijames übersetzte Untersuchung, die zeigt, daß sowohl die Phase des gegenseitigen Abtastens kürzer wird durch die kurzen Sätze (keine Überraschung) als auch, und was entscheidender ist, daß der Anteil von realer Spielzeit an der Gesamtzeit sinkt (in dramatischer Weise schriebe ich, wenn ich jetzt polemisch sein wollte).
Satzpausen, Auszeiten, Handtuchgeschichten, lange Konzentrationsphasen und Verzögerungen sind dafür verantwortlich.
Und sobald mal einer drei Punkte hintereinander macht, wird eine, soweit noch vorhanden, Auszeit genommen oder anderweitig eine Pause herbeigeführt, um den ungeheuren "Lauf" zu unterbrechen.
Was zusätzlich bei kurzen Sätzen nicht vorkommt, sind interessante Aufholjagden. Wie oft wurde es gefühlt noch einmal spannend, wenn einer sich anschickte, ein 7:15 noch zu drehen oder ein 8:18 oder sowas? Da waren auch noch Wechsel des Momentums beobachtbar. Nun ist, zack, der Satz vorbei, und der nächste fängt bei Null an, und man kann lediglich schauen, wer besser aus den Startlöchern kommt.
Der bessere Spieler kann sich nun auch keine Auszeiten erlauben und es lockerer angehen lassen. Das könnte viel zu gefährlich werden. Bis 21 konnte er den unterlegenen Gegner noch mal mitspielen lassen.
11 und 40 muß ich also wieder ein

erteilen.
Aufschlagregel ist prinzipiell in Ordnung, schade, daß sich nicht jeder immer daran hält. Mal sehen, wie das dann beim Frischklebeverbot wird, welches ohnehin ca. 16 Jahre zu spät versucht wird durchzusetzen.