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AW: 2.Bundesliga Nord Herren 2007/2008
Tündern: Bundesliga auch ohne Ovtcharov denkbar
Wehmut war das vorherrschende Gefühl beim letzten Bundesliga-Heimspiel des TSV Schwalbe Tündern mit Dimitrij Ovtcharov. Der Abschied des frisch gekürten Mannschafts-Europameisters und EM-Dritten ist eine Zäsur, soll aber nicht das Ende von Spitzentischtennis in dem Ortsteil der Rattenfänger-Stadt Hameln bedeuten. Trotz des sportlich inzwischen besiegelten Abstiegs haben die Niedersachsen sogar eine Zukunft im Oberhaus über das Saisonende hinaus noch nicht ganz abgeschrieben.
Bei seinem letzten Heimauftritt stellte Ovtcharov vor ausverkauftem Haus seine Ausnahmeposition noch einmal eindrucksvoll unter Beweis. Ausgerechnet gegen seinen künftigen Arbeitgeber Borussia Düsseldorf gewann der 18-Jährige das Doppel mit Lubomir Pistej und beide Einzel.
Wobei „gewann“ untertrieben ist: 600 Fans erlebten, wie „Dima“ erst Japans „Wunderkind“ Jun Mizutani und danach im prestigeträchtigen Duell der Mannschafs-Europameister auch Christian Süß mit 3:0 deklassierte. Obwohl seine Erfolge nicht zu einer Überraschung gegen den Rekordmeister reichten und die Rheinländer mit 6:4 gerade noch eine Blamage entgingen, unterstrich der Youngster damit ein weiteres Mal, dass er zurzeit hinter Timo Boll klar die deutsche Nummer zwei ist.
Dimitrijs Vater und Trainer Mikhail Ovtcharov erlebte das letzte Heimspiel an der Seite seines Sohnes mit „sehr gemischten Gefühlen. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, was in mir vorging, natürlich war viel Wehmut dabei“. Das galt auch für den Filius. „Ich bin schon ziemlich ergriffen“, meinte er: “Der Abschied fällt mir sehr schwer. Schließlich habe ich bisher nur für diesen Verein gespielt, seit meinem sechsten Lebensjahr.“
Anders als der TTV Gönnern nach Bekanntgabe von Bolls Wechsel nach Düsseldorf konnte Tündern eine Kettenreaktion verhindern, nachdem auch Ovtcharov bei den Borussen unterschrieben hatte. „Wir haben viel dafür gearbeitet, dass es bei uns nicht zu einer Katastrophe kommt“, sagt der frühere UdSSR-Nationalspieler. „Wir werden zumindest in der zweiten Liga ein Team haben, das nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird, sondern sich eher nach oben orientieren kann.“
Unter Dach und Fach sind die Verträge mit drei Spielern. Ara Karakulak, die Nummer 21 der deutschen Rangliste, kommt vom Regionalligisten Hagenburg. Ein neues Gesicht ist der junge Slowake Elcin Gasymov, während der gebürtige Russe Stanislav Golovanov mit bulgarischer Staatsbürgerschaft nach Tündern zurückkehrt. Drei weitere Spieler sollen noch verpflichtet werden. Zu diesem Kreis soll dem Vernehmen nach auch einer der zwei großen englischen Talente Paul Drinkhall und Darius Knight gehören.
Aber auch das Thema Bundesliga ist in Tündern noch nicht ganz abgehakt; schließlich kämpft Gönnern um die Lizenz, und Plüderhausen lässt seit Monaten verlauten, dass der Klub kurz vor dem Rückzug stehe. „Ich denke zwar eher nicht, dass wir eine Chance bekommen“, sagt Tünderns Trainer: „Aber wir versuchen eine Mannschaft zusammenzustellen, die in der zweiten und im Notfall auch in der ersten Liga spielen kann. Ich weiß aber selbst nicht, ob ich mir letzteres wünschen soll.“
Denn auch wenn sich Tündern im Fall der Fälle noch aus der „Konkursmasse“ eines anderen Vereins bedienen könnte, scheint eines wohl klar: Das Team wäre deutlich schwächer als die derzeitige Mannschaft, die mit 1:33 Punkten die Saison abgeschlagen als Schlusslicht beendet.
Wohin auch immer die Reise geht, ein Teil des Trainers Mikhail Ovtcharov wird sich weiter mit dem eigenen Sohn beschäftigen, und das nicht nur aus der Ferne. “Ich werde so oft, wie es möglich ist, nach Tündern kommen. Meine Eltern bleiben ja hier, und mit meinem Vater werde ich dann auch noch trainieren“, betont der deutsche Shootingstar.
Dagegen habe der künftige Arbeitgeber auch keine Einwände, versichert der Herr Papa: „Ich habe mit Düsseldorfs Trainer Dirk Wagner gesprochen, und er hat gesagt, wenn Dimitrij Lust und Zeit hat, wäre das in Ordnung. Das haben wir nicht vertraglich geregelt oder so. Wir werden das einfach kurzfristig absprechen, wenn er mal ein freies Wochenende oder ein paar freie Tage hat.“
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