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AW: Chinesische WM-Auswahl 2007
Es ist ja nicht so, als wuerde China das nicht versuchen wollen. Im Gegenteil: Man versucht es geradezu verzweifelt, Kurznoppen-Angriffsspieler zu foerdern. Nur sind die Kandidaten - viele von ihnen anfaenglich mit hoffnungsvolle Zukunftsaussicht in die Nationalmannschaft aufgenommen - bislang alle nicht gut genug, um auch nur in die Naehe der Spitze zu kommen.
Der momentan beste Kurznoppen-Nachwuchs, Jiang Haiyang, hat Ende letzten Jahres bei der Jugend-WM mitgespielt, allerdings mit sehr enttaueschenden Ergebnissen: Niederlage im Mannschaftfinale gegen die japanische Nummer drei, spaeter dann Niederlage im Einzel den spaeteren (ebenfalls japanischen) Sieger. Mich wuerde nicht ueberraschen, wenn Jiang gar mehr nicht in die erste Nationalmannschaft schafft.
Man muss anmerken, dass Tan Ruiwu kein "Kurznoppen-Angriffsspieler" im chinesischen Sinne ist, denn die Noppen sind bei ihm auf der Rueckhand-Seite, dagegen muss man beim klassischen chinesischen Kurznoppen-Angriff die Noppen schon unbedingt auf der Vorhand haben. So ein Spieler ist Zhan Jian (Shakehand-Rechtshaender mit NI auf der Rueckhand), der letztes Jahr bei der Vorbereitung auf Bremen fuer mehrere Ueberraschungssiege gesorgt hat. Zhan ist uebrigens auch der einzige Spieler, der einen positiven Bilanz (und zwar deutlich) gegen Ma Lin hat - sein Angstgegner sozusagen. Aber auch Zhan hat nie bis in die erste Reihe geschafft und ist Ende letzten Jahres von sich aus aus der Nationalmannschaft zurueckgetreten.
Selbst Kurznoppen-Rueckhand-Spieler wie Tan Ruiwu werden in China verstaerkt gefoerdert - bei den Damen halbwegs erfolgreich, bei den Herren gar nicht. Der zuletzt beste Spieler, Tang Peng, Vize-Asienmeister von 2003, wechselte vor zwei Jahren wegen Aussichtslosigkeit nach Hongkong.
Um es nochmals zu betonen, fuer einen chinesischen Spieler reicht nicht, wenn er "allen Top-Spielern gefaehrlich werden kann". Das ist ohnehin jeder, der zur chinesischen Nationalmannschaft gehoert. Um ein Stammspieler im chinesischen Team zu werden, muss man nicht nur Top-Spielern schlagen *koennen*, man muss es auch tatsaechlich tun - und zwar mit Konstanz. Kurznoppen-Angriff ist von Natur aus aeusserst fehler-intolerant und damit nicht konstant.
Liu Guoliang ist in China das, was Waldner in Europa ist - ein Jahrhunderttalent, das unmoeglich zu reproduzieren ist. Nur weil er es geschafft hat, muss es noch lange nicht heissen, dass Normalsterbliche es auch koennen. Aber selbst Liu Guoliang hat nach der Einfuehrung vom 40-mm-Ball und Verdeckungsverbot beim Aufschlag schnell keine Zukunft fuer sich mehr gesehen und ist ins Trainerstab gewechselt. Viele Chinesen glauben heute, dass die Zeiten fuer klassische Kurznoppen-Angriff fuer immer dahin sind.
Geändert von henrypijames (02.05.2007 um 14:04 Uhr)
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