|
AW: Volksport in China - Warum?
Im ersten Jahrzehnt der Volksrepublik (Gruendung 1949) hatten Menschen in China weder viel Zeit, noch viel Geld fuer Sport. Die allermeisten Menschen machten also gar keinen Sport. (Ueberhaupt hat Sport keine grosse Tradition in China, auch heute ist unter den Berufstaetigen in China der Anteil derer, die Sport machen, noch deutlich geringer als im Westen.) Denjenigen, die doch Sport gemacht hatten, standen nur wenige Sportarten zur Wahl, von denen Tischtennis eine war. Die Bezeichnung "Volkssport" verdiente zu jenem Zeitpunkt daher gar keine Sportart.
Saemtliche chinesische Nationalspieler in den fuenfziger und sechziger Jahren waren urspruenglich Amatuere, die das Spiel selbst erlernt haben. Selbst die Spieler in den Provinzmannschaften waren noch ihren normalen Beruf nachgegangen. Die Nationalspieler waren die einzigen, die in Vollzeit trainieren haben.
Heute ist Tischtennis als Sportart schon seit weit entwickelt. Im Gegensatz zu damals kann ein Kellerspieler (nichts anderes war Jung Kuo-Tuan) unmoeglich international mithalten. Daher waere der Boom in einem Land, der mit einem grossen Erfolg eines eizigen Spielers zu erwarten ist, zwar immer noch bemerkbar, aber nicht mehr mit damals zu vergleichen.
Ich glaube also nicht, dass Timo Boll selbst mit einem Olympia-Sieg viel mehr fuer den deutschen Tischtennis erreichen kann als Gatien fuer Frankreich oder Saive fuer Belgien. Fuer einen Boris-Becker-Effekt fehlt Boll noch die medienwirksamen Extravaganz.
Geändert von henrypijames (09.05.2007 um 13:25 Uhr)
|