Zitat:
Zitat von Tony_Iommi
Ich kapier's nicht. Ist da tatsaechlich eine Botschaft? Ich habe das Stueck soeben zum ersten Mal gehoert/gesehen. Und ich habe keinerlei Hintergrund - Informationen zur Bandhistorie, aber musikalisch gesehen, ist das wirklich unter aller Sau. Und auch lyrisch konnte ebenfalls nichts Besonderes erkennen. Jedoch gebe ich unumwunden zu, dass ich von Haus aus doof bin. Aber in Gottes Namen, erklaert mir doch bitte, was um Himmels Willen beindruckt Euch daran so nachhaltig?
Gruss
Tony
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Moin,
ich versuche es mal.

auch in der Musik gilt: es ist alles Interpretationssache. Einen Anspruch auf Wahrheitsverkündung maße ich mir selbstverständlich nicht an; der geneigte Hörer mag sich doch bitte selbst ein Bild machen.
Zur Bandhistorie, welche ich nicht erst seit des Tagen des www kenne, sei Folgendes gesagt: DAF stammt ursprünglich aus der Punk-Ecke; stilistisch ist die Band (die grade mal aus zwei Köpfen bestand) schwer einzuschätzen: Elektro meets Synthie meets Früh-EBM.
Und grade im EBM liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Gesang bzw. den "Shouts".
Die Schlagwörter "Hitler, Mussolini, Jesus Christus", verbunden mit der Aufforderung, die eben genannten zu "tanzen", ließ und lässt Faschismusvorwürfe (oder aber den Vorwurf der Blasphemie) laut werden.
Das betont männlich-übersteigerte Auftreten des Frontmanns, akkurat kurz geschnittene Haare und dessen Lederoutfit taten ihr Übriges.
Nun aber endlich zur versuchten Erklärung. Eben grade
weil Hitler und Mussolini (eher negativer Personen der Geschichte) in einem Atemzug mit Jesus Christus (eher positive Person der Geschichte) genannt werden, wird die Beliebigkeit jedweder Ideologie (egal ob "gut" oder "böse") dargestellt.
Es ist einfach das Brechen mit Tabus, welches die Sache so faszinierend gestaltet. Deutsche Musik sah doch - auch wenn ich natürlich nicht dabei war - Ende der 70er/Anfang der 80er eher brav bzw. dümmlich-spaßig (NDW...) aus, und dann kamen eben DAF (schon allein dieses Kürzel muss provokant gewesen sein, man denke an die "Deutsche ArbeitsFront"...) und man war/ist entsetzt.
Auch heute noch wirkt dieses Lied durchaus verstörend; so manchem, dem ich dieses Lied schon vorgespielt habe, wartete mit einer blitzschnellen Antwort auf, die sich irgendwo zwischen "Nazimusik!" und "Deutschtümelei!" einpendelte.
Und dies ausschließlich wegen den o.g. Reizwörtern und des musikalischen Konzeptes. In die gleiche Kerbe schlagen übrigens auch diverse andere Bands wie LAIBACH, Feindflug...
Jeder geht anders mit eindeutig (und das sind all diese Bands in meinen Augen
nicht!) rechtsradikal-neonazistischen Tendenzen um. Ich bevorzuge das Aufgreifen dieser als sakral, heilig geltenden Ideologien, die durch eine völlige Überzeichnung ihres Geistes ins Lächerliche gezogen werden, also sozusagen entmystifiziert werden.
Dazu bediene ich mich bei diesen nicht nur im Vokabular, sondern auch äußerlich (Kleidung etc...).
Und, um noch ein letztes Mal auf das Lied zu sprechen zu kommen: es ist monoton, aber einfach auch tanzbar. Oftmals sind es doch die simpel gestrickten Lieder, die sich ins Bewusstsein einbrennen...
Jetzt höre ich grade ein weiteres, sicherlich alles Andere als unproblematisches Lied:
OHL - Belsen war ein KZ
Bis bald,
F.