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Alt 11.05.2007, 10:28
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Carstens_Brüderchen Carstens_Brüderchen ist offline
Isch hol glei mein Bruda!
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AW: Freilassung der RAF-Terroristen

Ich zitiere jetzt nicht alles, gehe dafür Deine Kommentare chronologisch in der Reihenfolge von 1 - 6 durch:

1. Da stimmen wir überein - ich bin auch nicht dafür, ihn für immer wegzusperren.

2. Auch da gebe ich Dir Recht. Allerdings betrachte ich die Gefahr, dass er als Galionsfigur der RAF in Freiheit Schaden anrichten kann, als sehr groß. Ich befürchte, dass Klar sein Recht zur Meinungsäußerung als freier Bürger nicht nutzen, sondern eher für Hasstiraden gegen ein System missbrauchen wird, das nicht mehr so zu betrachten ist, wie vor 30 Jahren.

Natürlich ist mir bewusst, dass es auch in unserem politischen System noch viele Missstände gibt - Parteienkorruption, Wirtschaftskorruption, wachsende Schere zwischen Arm und Reich etc.

Dennoch bin ich der Meinung, dass wir im Rahmen der verfügbaren Systeme auf diesem Planeten eines der besten und eines der bestfunktionierenden haben. Das sollten auch ehemalige Terroristen vielleicht mittlerweile begriffen haben. Deutschland ist keinesfalls der Moloch nationalsozialistisch-imperialistisch ausgerichteter Politik, für den die RAF die damalige BRD erachtete. Die Zeiten haben sich geändert.

Das Vorgehen der Polizei gegen die G8-Gegner halte ich übrigens ebenfalls für deutlich überzogen. Randbemerkung hierzu: Deswegen rechtfertigt das keinen Terrorismus. Aber ich denke auch nicht, dass Du das anders siehst.

3. Politische Verfolgung damals: Vielleicht kann oder konnte man es so sehen, was allerdings eine sehr beengte Sicht der Dinge voraussetzt (die offenbar bei C. Klar noch unverändert besteht).

Politische Verfolgung heute: Wohl eher nicht. Allein die Tatsache, dass ein Bundespräsident Köhler sich persönlich darum kümmert und einen Parteienstreit um sein Amt in Kauf nimmt, zeugt von veränderten Sichtweisen. Was im persönlichen Gespräch den Ausschlag gab, würde ich übrigens gerne mal wissen. Jedoch schätze ich Köhler so ein, dass er zwar kritisch, aber durchaus wohlwollend das Gespräch gesucht hat. Klar muss schon so einige Thesen ausgepackt haben, die vermutlich eher verstörend auf Köhler gewirkt haben müssen.

Hartes Vorgehen gegen die Rechte Szene erscheint mir ebenfalls mehr als notwendig. Auch hier stimmen wir überein. Das Problem ist, dass die Neonazis sich oftmals "juristisch geschickt" verhalten und im Rahmen der Gesetze nicht die ultimative Angriffsfläche bieten. Hier sollte die Legislative vielleicht auch einiges ändern. Doch dann würde sich auch von dieser Seite der Vorwurf anbieten, dass entsprechende Gesetze erst eine Radikalisierung gefördert haben. Ich weiß nicht, was besser ist.

4. Ich habe auch nur von "lebenslänglich" gesprochen. Die gegenwärtige Rechtsprechung diesbezüglich ist mir bewusst.

Die Tatsache, dass er in der Diskussion um Reue nur davon spricht, dass er keine empfinde, jedoch nicht beharrlich abstreitet, die Morde überhaupt begangen zu haben oder daran beteiligt gewesen zu sein, spricht in meinen Augen Bände.

5. Richtig - er will nicht. Das zeigt er demonstrativ. Er scheint sich selbst eher als Märtyrer zu sehen. DAS macht ihn in meinen Augen weiterhin gefährlich.

6. Ich betrachte die konkrete Gefahr, die von ihm persönlich ausgeht, auch eher als marginal. Deine Ausführungen zu Drogendealern und Triebtätern kann ich ebenfalls teilen. Jedoch lässt mich der Gedanke an eine Übernachtung im Bärenkäfig nicht ruhiger schlafen, wenn ich die Nacht mit Wölfen teile.

Gruß

Olaf
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"Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen." George Orwell (1903-50), eigtl. Eric Arthur Blair, engl. Schriftsteller.
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