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AW: Tischtennisweltmeisterschaft 2007 in Zagreb
Entschuldige, aber ich halte es fuer absurd zu behaupten, dass "Schlager nur wenig ueber Ma Long weiss". Ein etablierter Weltspitzenspieler kann unmoeglich "nur wenig" ueber einen anderen etablierten Weltspitzenspieler wissen. Und wenn zwei Spieler in den letzten zwei Jahren viermal auf dem Pro-Tour aufeinander getroffen, dazu auch noch zweimal je eine Woche - zuletzt unmittelbar vor dem besagten Spiel - ganztaegig zusammen trainiert haben, dann kann man nicht nur nicht sagen, sie kennen sich gegenseitig nicht - nein, man muss dann das Gegenteil sagen, naemlich dass sie sich in- und auswendig kennen. Vier Begegnungen plus zwei Lehrgaenge - so viel "Kontakt" hat Schlager nicht einmal mit Boll.
Ich persoenlich war nicht ueberrascht ueber das Niveau, das Schlager in dem Spiel gezeigt hat. Fuer mich war es ein Niveau, das durchaus von ihm zu erwartendes war. Mich hat eher das Niveau von Ma Long leicht ueberrascht, denn im Gegensatz zu Schlager hat er sich keine Schwaechenphase (mehrere Punktverluste hintereinander) geleistet. Ma Long spielte noch besser als bei seinen letzten beide Matches gegen Schlager, die ich gesehen habe und an die ich mich noch erinnern kann. Zugegeben war Schlager beides Mal nicht in seinem Top-Form.
Auf einem Tibhar-Tisch ("WM-Tisch") haette Schlager vermutlich besser gespielt, aber dasselbe gilt fuer Ma Long, denn natuerlich hat auch China seit Wochen keine andere Tisch- und Ball-Modelle im Training mehr verwendet als genau die fuer die WM.
Schlagers harter Rueckhand-Topspin ist ein Killer-Schlag, keine Frage. Aber selbst in seinem besten Form ist die Fehlerquote dieses Schlags vergleichsweise hoch - ich wuerde sagen, 75% kommen auf den Tisch, davon 75% direkter Punktgewinn - vorausgesetzt natuerlich, der gegnerische Ball laesst so einen Schlag ueberhaupt zu. Was ich sagen damit will, ist, allein damit laesst sich das Spiel noch nicht gewinnen. Es muessen noch andere Elemente seines Spiels gut funktionieren - was ja bei dem Spiel durchaus der Fall war.
Dass Schlager Ma Longs Aufschlaege nicht lesen kann, ist ein riessiges Problem, das so einfach nicht zu beseitigen ist. Fuer zwei Spieler, die sich so gut kennen (s. o.), gibt es keine Ausrede mehr, wenn man den gegnerischen Aufschlaege nicht lesen kann - diese sind schlicht zu gut. Und Ma Long gehoert noch nicht einmal zu den Spielern mit den besten Aufschlaegen im chinesischen Team...
Geändert von henrypijames (21.05.2007 um 00:35 Uhr)
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