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AW: Tischtennisweltmeisterschaft 2007 in Zagreb
Finde, dass Timo in seinem Spiel gegen Ryu etwas übermotiviert war. Die Auslosung und damit der Weg zur ersten WM-Medaille sind ja sozusagen perfekt gewesen; als dann noch die angereisten deutschen Fans für eine Riesenstimmung sorgten, Timo durch "relativ" leichte Punkte direkt eine vielumjubelte Führung gegen seinen zu Anfang noch sichtbar beeindruckten Gegner herausarbeiten konnte, war er in seinem "Fokus"(den oft von Prause bzw. Rene Adler benannten Begriff) eindeutig irritiert - weil ihm nun Ryu, auch aus der voran gegangenen Erfahrung (klare 0:5-Bilanz gegen Boll) heraus, als absolut schlagbarer Gegner erschien. Passt man gegen Ryu mal nicht auf, dann schlägt dieser aber einem bekanntlich die Bälle dermaßen um die Ohren, dass ein "Zurückfinden ins Spiel" während eines Ballwechsels wahrlich im Keim erstickt wird. Sobald Ryu zum Schießen kommt ... ist vorbei. Als Timo nach dem kleinen Schock des knapp verlorenen 1.Satzes kurzzeitig zu "guter Normalform" wiederfand und direkt 6:0 führte, hatte er wiederum die perfekte Ausgangslage für ein siegreiches Spiel (zumindest auf den Satz bezogen).
Die spürbar leichte Unsicherheit endstand dann vielleicht daraus, dass sicherlich ein "normaler Timo" das Spiel gewinnen müsste, aber sich gerade dieser Aspekt als Trugschluß für ihn selbst erweisen würde. Denn wenn man gegen einen Ryu "normale Bälle" spielt, dann droht eben besonders hart die Gefahr, bestraft zu werden und Unkonzentriertheiten können extrem schlecht behoben werden, wenn dieser erst einmal das Spiel diktiert. Das anschließende 7:11 spricht Bände. (Auszeit?) Psychologisch war Timo zu diesem Zeitpunkt förmlich gezwungen, nichts Außergewöhnliches zu vollbringen, um möglichst sicher siegreich zu sein, durfte aber auch auf keinen Fall "normale Bälle" spielen, um nicht abgeschossen zu werden. In diesem Moment hätte er seinen "Fokus" einfach beiseite schieben müssen, da dieser aufgrund jener "mentalen Blockade" sein enormes spielerisches Verständnis gedanklich untergrub, welches Timo Boll schließlich bereits besonders oft beeindruckend unter Beweis gestellt hat.
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