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AW: Tischtennisweltmeisterschaft 2007 in Zagreb
Ich glaube, irgendwo mal gelesen zu haben, dass Wang Liqin mit Wang Hao und Chen Qi gut zurecht kommt, was aber mich beim letzteren wundert, denn der spielt ja mit Ma Lin Doppel.
Was Bolls Spiel betrifft muss ich abc und anderen recht geben. Wenn Boll als Außenseiter (wegen Verletzung, anders gewichtete Vorbereitung) ins Turnier startet, dann spielt er frei auf und ist wirklich ebenbürtig den Chinesen. Er vermag dann seine "Schwächen" über dem Tisch irgendwie auszugleichen.
Schaut euch aber mal die die dünnen Beinchen von Boll gegen die chinesischen Beine oder koreanischen Beine an, das ist ein Witz! Bei denen hat ausnahmslos jeder äußerst muskulöse Beine. Selbst der kleine Hüpfer Chen hat Oberschenkel, die einen anerkennend nicken kassen. Ma Lins Beine gehören freilich dann schon wieder in die Kategorie "Roberto Carlos".
Dafür, dass die Trefferquote der Rückhand eigentlich mit der Qualität des Bollsschen Spiel korreliert, spielt der gute Timo auch zu wenig Vorhand, wenn es mal nicht läuft. Wang Liqin mit seiner Betonrückhand und Wang Hao, der eigentlich alles jederzeit mit seiner Rückhand machen kann, spielen viel mehr Vorhand als Boll. Auch die Bälle, die Wang Hao, Ma Lin und Ryu über dem Tisch ziehen, sucht man bei Boll in der Härte und Platzierung. Gut, das ist halt Penholderspiel, aber um das zu verhindern, braucht es ein ebenbürtiges Aufschlag-Rückschlag-Spiel.
Als letzten Punkt möchte ich die Konzentration ansprechen. Die Chinesen aber noch mehr Ryu sind von Anfang an da. Die brüllen sich von ersten Ballwechseln nach vorne. Bei aller Fairness muss man dem Gegner einfach mal die Faust zeigen und wenn er den Punkt macht, einfach weggucken. Z.B. das Spiel Chuan gegen Wang, wie die sich angegiftet haben, da brannte die Luft! Boll sagte ja mal, dass die Chinesen vor allem bei wichtigen Spielen mit Satzvorsprung noch mal einen Gang zulegen können. Boll ist aber selbst so einer. Er spielt ja selbst im ersten Satz recht verhalten. Da lohnt sich dann schon das Training mit sehr kurzen Sätzen.
Nach Olympia dürfte zwar die Konkurrenz durch das Ausscheiden der für mich besten chinesischen Spieler aller Zeiten angenehmer werden, aber sich nie gegen die allerbesten mal durchgesetzt zu haben und gegen eine ganze chinesische Generation keinen großen Stich gelandet zu haben, ist traurig. Wenn Boll in Zukunft gegen Leute wie Ryu und Wang Hao bestehen will, sollte er die Konfrontation mit den Chinesen suchen, sei es durch mehr Turniere oder durch eine halbe Superleague-Saison.
Dreist (oder einfach optimistisch?) finde ich aber auch zu sagen, dass die Chinesen nicht mehr spielerisch auf der Pfanne haben. Ich sehe den Unterschied zwar auch nur im Service- und Rückschlagbereich, aber dort umso größer. Der Flip von Boll ist doch nicht zu vergleichen mit den Geschossen von Ma, Chen und Ryu.
Geändert von Max (27.05.2007 um 19:58 Uhr)
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