Mich erreichte heute eine PN von einem User aus Sachsen, der aber ungenannt bleiben möchte. Ich setze seine mail (nur Namen geändert) und meine Antwort mal hier rein. Weil ich denke dass hier (fast) alle Argumente, sowie Vor- und Nachteile nochmal zusamenfassend genannt werden:
Zitat:
Zitat von XY
Hallo!
Ich darf im Diskussionsforum leider keine Antwort zu diesem Thema verfassen (Anmerkung der Redaktion: für die TIME-OUT-Gesprächsrunde muss man sich freischalten lassen), wollte mich aber gern einmal dazu äußern:
Ich spiele im Sächsischen Tischtennis Verband (SäTTV). Bei uns werden seit ein paar Jahren in allen Ligen im Verband, d.h. von der untersten Kreisklasse bis hin zur Verbandsliga, beim Punktspiel sämtliche Spiele ausgetragen. Nur das Entscheidungsdoppel wird erst dann gespielt, wenn es benötigt wird.
Im Vergleich zu früher, als auch bei uns nach dem Siegpunkt der Abbruch kam, hat sich da schon einiges verändert. Und die meisten Leute sehen das Ausspielen als positiv an!
Auch ich bin ein großer Fan von dem Ausspielen, da in den 6-er Mannschaften wirklich jeder seine 2 Einzel spielen darf. So müssen zum einen die Spieler eines unteren Paarkreuzes nicht "umsonst" mitfahren wenn es einen klaren Sieg gibt, und zum anderen ist die Einzelauswertung sowie die Tabelle am Jahresende viel aussagekräftiger dadurch!
Einziger Wermutstropfen: ein 15:0 wird genauso angerechnet wie ein 9:7. Da gefällt mir die Punktevergabe in der Schweiz besser!
Fazit: in Sachsen hat sich das Ausspielen bis hin zur Verbandsliga seit Jahren bewährt, und ich finde man sollte auch auf Bundesebene ernsthaft über diesen Schritt nachdenken.
P.S.: ich hätte nichts dagegen, wenn Du mich im Forum zitierst oder meinen Beitrag da mit einbringen könntest.
MfG
XY
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Auch im WTTV gibt es solche Spielsysteme. Meist 4er Mannschaft mit Bundesligasystem in der Jugend oder in Hobbyklassen, in denen dann alle 10 Spiele ausgespielt werden.
Da geht es wirklich auch darum, dass alle ihre Spiele machen und das Mannschaftsergebnis ist dort zweitrangig, sowohl für die Spieler als auch für den Verein. Das geht auch relativ schnell und ist sinnvoll.
Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen und ich habe schon sehr sehr viele TT Spiele bestritten und auch als Zuschauer / Trainer usw. verfolgt.
Sobald das Spiel nicht mehr wirklich zählt - sprich für den Sieg notwendig ist - läßt bei ca 50% der Spieler das Interesse / die Motivation nach.
Auch die Zuschauer (Vereine bei denen ich in den letzten Spielen gespielt habe, hatten oft so 20-30 Zuschauer in der Halle), verlassen dann schlagartig die Halle. Das ist auch nicht sehr motivierend.
Solche Situationen entsehen hier zb. Wenn es z.B. 8-3 steht und Brett 3+4 spielen gleichzeitig. Brett 4 gewinnt aber schnell, das Spiel von Brett 3 zählt ja zuerst, das dauert aber noch eine Weile. Da gehen dann die Zuschauer - manchmal sogar schon die Mitspieler - zum geselligen Teil über und man spielt in der leeren Halle.
Gleiches passiert, wenn es ein vorgezogenes Spiel gab und man dann schon den 9. Punkt später sicher hat, dann finden auch einige nachfolgende Spiele eher lustlos statt. Meist ist es dann den Spielern der unterlegenen Mannschaft ziemlich egal, wie das ganze Spiel exakt ausgeht.
Wenn es bei gleicher Situation schneller bei Brett 3 geht und man 9-3 gewonnen hat und bei Brett 4 gegen 4 steht es 1-1 (bis dahin ein super Spiel), wird oft gefragt: "Es ist eigentlich vorbei, sollen wir noch weiter spielen?"
Nur in ca 5% der Fälle spielen die das Spiel dann wirklich noch zuende, obwohl es keine Zeitnot oder ähnliches gibt. "Nur zum Spaß" spielt da kaum noch eine Paarung weiter. Das ist so, zumindest laut meiner Erfahrung.
Ergo würden viele Spiele dann zwar noch gespielt aber:
1. interessiert es kaum noch einen der nicht gerade am Tisch steht
2. würden dann einfach auch viele Spiele anders ausgehen als normal (weil einer der beiden nicht voll spielt. Ich z.B. hätte da auch keine Motivation mehr ernst zu spielen und würde nur rumzocken.
3. Wären dadurch natürlich am Ende des Jahres die Bilanzen verfälscht, wenn jemand der in solchen unbedeutenden Spielen noch heiß ist wie Frittenfett nun dreimal gegen jemand gewonnen hat, der keinen Bock mehr hatte (wo er sonst evtl. verliert), ist die Bilanz auf einmal 10-10 statt eigentlich 7-13. Umgekehrt hat der Kollege, der auch unten spielt und eigentlich 13-7 gespielt hätte dann vieleicht 3 mal nicht mehr die Motivation gehabt und spielt am Ende auch 10-10 und muß sich dann von seinem Kollegen anhören: "Siehste wir sind gleichgut...."
Dazu das Problem der Zeit: Oft wird eben auch in der Woche gespielt also zb an einem Montag oder Mittwoch. Ist das in Sachsen auch so?
Manchmal geht pünktlich um 22 uhr das Licht in der Halle aus. Einmal mußte ich um 22 Uhr aus der Halle raus sein. da kam der Hausmeister und es war gerade Abschlußdoppel. Da konnte man danach nicht mal duschen usw.
Dieses Zeitproblem kann man durch Spiel an 3 Tischen lösen (ist im WTTV aber eigentlich nicht vorgesehen, lt. WO es kann sich also jemand weigern das zu machen - in anderen Verbänden geht das), aber dann guckt auch kaum noch einer der Spieler irgendwo zum Anfeuern zu, weil dann an den Tischen 9 von 12 Spielern beschäftigt sind und die restlichen 3 müssen bei drei Spielen zugucken (bei zwei Tischen nur 6 von 12 beschäftigt und restliche 6 gucken bei zwei Spielen zu - also gibt es doppelt soviele Zuschauer pro Tisch).
Dazu kommt, dass in kleineren Hallen bei Spielen in der Woche, wo man 6 Tische zum Training aufbauen kann oder 4 zum Meisterschaftsspiel (Standard) , dann entweder keine zwei Spiele gleichzeitig stattfinden können oder der Platz für die Trainierenden von drei auf einen Tisch schrumpft. Also drei Tische ist keine gute Lösung.
Bei zwei Tischen dauert so ein Spiel aber dann relativ lange. Wenn es dann manchmal lange dauert, weil es spannend ist, ok, wenn es aber dann jedes mal sehr lange dauert und das "unnötig", ist nach keinem Spiel mehr richtig Zeit die dritte Halbzeit (nach dem Spiel), gemütlich zu genießen.
Beispiel: ein Spiel beginnt um 19.00 und um 22 Uhr will (weil man nächsten Tag ja arbeiten muß) oder muß wegen Hausmeister / Schulamt / Stadt die Halle verlassen haben.
Bei 9-3 wäre das Spiel um 21 Uhr beendet. man kann also gemütlich noch nen bischen quatschen was trinken duschen... super!
Das Spiel endet knapp 9-7 und man ist um 22 Uhr fertig. Dann hat man nen super spannendes Spiel gehabt, sas macht Spaß bis zum Schluß. Die Unbeteiligten am Abschlußdoppel und den letzten Einzeln feuern an usw.: auch eine super Sache und Highlight in jedem TT-Spieler-Leben. Spiele an die man sich erinnert.
Aber was nun wenn es um 21 Uhr 9-3 steht und man muß noch 3 Einzel absolvieren. Entweder gehen alle raus und trinken und duschen schonmal? Man selbst muß aber noch spielen - für was....
Das macht den Spielern keinen Spaß. Oder alle Kollegen sind Kameraden und bleiben in der Halle bis zum letzten Ball. Klatschen evtl. müde. Um 22 Uhr hat auch der letzte sein Einzel gespielt. Jetzt aber schnell nach Hause.... und das jeden Spieltag an dem es normal ein klares Ergebnis gibt.
Nein, aus meiner Sicht macht das ganze bei 6er Mannschaften einfach keinen Sinn, das so zu regeln.
Da muß dann wie in der Schweiz eine Punkteregel her (die aber auch Nachteile hat, siehe Jugendspielereinsatz) und auch nicht verhindert, dass bei Spielen die spät enden, die dritte Halbzeit dann oft ausfällt. Diese ist eben für viele TT-Spieler gerade in "normalen" Klassen bis Verbandsliga sehr wichtig. Genausowichtig wie, ob man ein Einzel gemacht hat oder zwei.
Wenn ich nach meinen Erfahrungen alle Vorteile (eigentlich gibt es nur wirklich einen: Die unteren machen mehr Spiele - ich habe die meiste Zeit meiner TT Laufbahn unten gespielt, selten Mitte und oben) und Nachteile abwäge, dann bin gegen ein Durchspielen, denn der eine Vorteil für diejenigen, deren Priorität es ist, möglichst viele Spiele zu machen, wird durch die vielen Nachteile für alle anderen erkauft.