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Alt 05.07.2007, 19:42
Rudi Endres Rudi Endres ist offline
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AW: Pillen im Tischtennis

Ein recht hoher Anteil der Nahrungsergänzungsmittel ist mit gefährlichen, aber wirksamen Substanzen kontaminiert. Ertappe Dopingsünder berufen sich gerne auf solche verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel. Ich finde es generell nicht sehr glücklich, dass eine TT-Handelsfirma durch ihr Angebot den Kids suggeriert, man könne sich den Erfolg kaufen.

Nachstehend ein Auszug aus einem Fachbericht (2002). Laut einem Bericht des Deutschlandfunks von heute finden sich immer häufiger kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel. Dies gilt vor allem für chinesische Produkte.

Gesundheitliche Gefahren bei der Einnahme
verschiedener Nahrungsergänzungsmittel

U. Schröder, Bad Nauheim:

Nahrungsergänzungsmittel gelten als Lebensmittel, die lediglich in untypischer Weise (höhere Konzentration, Pillen, Pulver) abgegeben werden. Nicht erlaubt sind dabei anabole Phytosterole, Prohormone und DHEA. Häufig findet man auch Präparate mit Tribulus terrestris, Coffein und Guarana.
Auch wenn die Gabe von Creatin nicht unter die Dopingbestimmungen
fällt, kann es bei zu hoher Dosierung und zusammen mit anderen Mitteln zu
gesundheitlichen Risiken kommen. Einige Anbieter garantieren zwar 100%
Reinheit, trotzdem findet sich häufig eine Kontamination der Präparate mit
Dyanamiden, Dicyandiamiden und Dihydrotriazin.
Hohe Proteinkonzentrationen können zu einem verstärkten Kalziumverlust
führen, Nierenschäden werden erst bei Einnahmen von mehr als 4 g Protein/
kg KG und Tag beobachtet. Die Gabe von BCAA kann bei höheren Dosierungen Probleme bereiten, einzelne Aminosäuren können in zu großen Mengen mit gastrointestinalen Problemen einhergehen und die Aufnahme anderer Aminosäuren behindern. Auch bei Vitaminen und Mineralien kann eine zu hohe Dosierung einzelner Stoffe die Bioverfügbarkeit anderer Stoffe behindern. Zusätzlich kann z.B. eine zu hohe Kalziumaufnahme Nierensteine auslösen und zuviel Vit B6 zu neurologische Störungen führen. Im Grunde ist eine zusätzliche Gabe von Vitaminen und Spurenelementen überflüssig und
nur bei Personen mit sehr geringer Nahrungsaufnahme (gewichtsabhängige
Sportarten) notwendig. Bei der Dosierung dieser Ergänzungen kann den
Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft r Ernährung gefolgt werden,
auch wenn hier deutliche Unterschiede in ganz Europa bestehen.
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Soziale Drogen und sportliche Leistung
L. Rivier, Lausanne
Am häufigsten werden Stimulanzien wie Amphetamine, Ecstasy, Coca, Coffein, Nicotin und pflanzliche Präparate (Betel, Khat, Ginseng) verwandt. Ziel der Einnahme ist meist Entspannung in der Freizeit, die körperliche Leistung zu verbessern, kritische Phasen zu überstehen oder einfach Sucht. Amphetamine werden vor oder im Wettkampf verwandt, um sich besser zu fühlen, Alkohol und Cannabis gegen den Stress oder Cocain, um den sensorischen Reiz zu erhöhen. Dabei kann es zu einer Leistungssteigerung
von 1-3% kommen.
Amphetamine wurden erstmals 1887 synthetisiert. Sie stimulieren das
ZNS und erhöhen die Aufmerksamkeit, man fühlt sich gut, empfindet eine geringere Ermüdbarkeit und der Appetit nimmt ab. Ecstasy besitzt eine chemische Struktur zwischen Amphetamin und Mescalin. Es stimuliert und wirkt psychodysleptisch. Über 3 Stunden hält Es kommt zwar zur psychomotorischen Stimulation, aber eine gleichzeitige Hyperthermie macht eine Leistungsverbesserung unwahrscheinlich. Nebenwirkungen beider Präparate sind bei chron. Gebrauch Psychosen, Paranoia, Hypertonie etc..
Cocain zeigt im zentralen Bereich ähnliche Effekte wie die Amphetamine.
Zwar wurde schon 1884 eine Verbesserung der Reaktionszeit und Erhöhung
der Muskelkraft 4 Stunden nach der Einnahme beschrieben, trotzdem existieren bis heute keine kontrollierten Studien über die Effekte im Sport. Nebenwirkungen sind auch hier Blutdrucksteigerung, Tachykardien, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen.
Gesundheitliche Risiken sozialer Drogen
(E. Kouidi, Thessaloniki) Viele der Stimulantien bergen kardiale
Risiken. So kann es im Zusammenhang mit Ephedrin, Cannabis, oder smokeless tobacco, zu Hypertonien, Tachykardien und Rhythmusstörungen sowie erhöhter Gerinnungsneigung mit akuten Infarkten oder Schlaganfällen und plötzlichem Herztod kommen. Eine Koffeinüberdosierung kann mit Hyperglukosämie, Hypokaliämie und kardialen Störungen einhergehen.
Amphetamine führen über eine Zunahme der Diurese, Abnahme der
Hautdurchblutung, hypothalamische Störungen und eine erhöhte Stoffwechselrate zur Hyperthermie mit entsprechenden Gefahren.
Cocain kann koronare Vasospasmen, sowie eine Verstärkung der Thrombogenese und Erhöhung des Sauerstoffbedarfs des Herzens bewirken.
Morphin und andere Schmerzmittel und Doping (W. van Thuyne, Gent)
Schmerzmittel werden im Sport häufiger gebraucht. Bei einer Befragung von
2142 Sportlern berichteten 14% über den Gebrauch von Schmerzmitteln. Dabei schwören vor allem Ballsportler auf NSAID, während Radsportler den Einsatz von Kortikosteroiden bevorzugen. Morphine werden hauptsächlich nach Verletzungen, Operationen eingesetzt und bei Krebserkrankungen. Seit 1991 ist Morphium im Sport verboten, wobei ein Schwellenwert von 1 ppm im Urin nicht überschritten werden darf. Galt damals das Verbot auch für Codein, so ist dieses wie auch Ethylmorphin heute erlaubt, was 6-9 h nach therapeutischen Dosen zu positiven Dopingfällen führen kann. Immer wieder wurde gefragt, wie gefährlich ist Mohnaufnahme über Nahrungsmittel
bei der Dopingkontrolle. 6 und 24 Stunden nach Verzehr von 3
Mohnbrötchen oder aber 1 g Mohnkörnern kam es in keinem Fall zu positiven
Dopingbefunden. Bei Genuss von ca. 33 g Mohn in einem Mohnkuchen zeigten 3 von 5 Probanden nach 2-6 Stunden Werte auf bzw. über der Schwelle. Als ebenfalls gefährlich erwiesen sich Kräutertees mit 15% Papaveris fructus. Hier kam es bereits nach 2 Tassen innerhalb der ersten 6 Stunden bei allen Probanden zu positiven Dopingbefunden.
Das Gleiche gilt für Pinientee, der noch höhere Morphinkonzentrationen
enthält. Hier muss der Sportler gewarnt werden. Weitere Gefahren
eines „unbewussten“ positiven Dopingbefundes ergeben sich bei Einnahme
von Codein und Ethylmorphin, die zu Morphin abgebaut werden können.
Cannabis und Doping
(P. van Eenoo, Gent)
Cannabis wird entweder durch Rauchen (normal 15-30 mg) oder über „Kuchen“ (5fach höhere Dosis) aufgenommen. Besondere Gefahr besteht auch bei Nahrungsergänzungsmitteln, die Hanföl enthalten. Obwohl es nicht direkt leistungssteigernd wirkt, sollte es verboten sein, weil es zur Entspannung beiträgt, Euphorien auslöst, das Selbstvertrauen
stärkt und die Angst herabsetzt. Dies führt vor allem in Risikosportarten
zu möglichen Leistungszunahmen, aber auch vor allem im
Zusammenhang mit der gleichzeitig geringeren motorischen Kontrolle zu besonderen Gefahren. Verboten ist Cannabis daher momentan
im Motorsport, die meisten Sportverbände setzen einen Schwellenwert
von 15 ng/ml Urin fest, der Internationale Radsportverband legt diesen
Schwellenwert für das Mountainbiking auf 40 ng/ml fest, während in allen anderen Raddisziplinen sowie in der IAAF und der Internationalen Tennisvereinigung Cannabis nicht verboten ist. In Deutschland war die Zahl der positiven Cannabisfälle mit max. 0,25% relativ gering, höhere Zahlen wurden in Gent erzielt, wo zum einen Cannabis nicht verboten ist, aber auch nicht nur Spitzensportler kontrolliert werden. Die meisten positiven Fälle kamen aus dem
Boxen, Kick-Boxen und Bodybuilding.
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Wenn Realität und Weltbild kollidieren, gewinnt meistens das Weltbild.
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