Streit um Tischtennis-Übertragungen
Werder sperrt sich gegen Zentralvermarktung
Fischer: „Habe so etwas in 40 Jahren noch nicht erlebt“
Von unserem Redakteur
Peter Tänzer
BREMEN. Sie gilt als eine der stärksten Ligen der Welt. Live-Übertragungen aus der Tischtennis-Bundesliga sind jedoch eine Seltenheit. Eine Münchner Firma will dies zukünftig ändern und alle Liga-Spiele live im Internet übertragen. Doch Aufsteiger Werder Bremen will nicht mitmachen.
Früher einmal war Benno Neumüller Sportchef beim Pay-TV-Sender Premiere. Nun will der 45-Jährige mit einem neuen Projekt für Furore sorgen. Seine Firma Contenthouse GmbH möchte in der kommenden Spielzeit alle Spiele der Tischtennis-Bundesliga live und exklusiv im Internet übertragen (wir berichteten). Die notwendige Plattform unter der Adresse
www.dttl.tv besteht bereits.
Neumüller hat dabei nicht nur den deutschen Markt im Visier. Seinen Angaben zu Folge stehen die Verhandlungen mit nationalen und internationalen TV-Stationen kurz vor dem Abschluss. In Deutschland soll das Angebot zunächst als Zwölf-Monats-Abonnement verkauft werden (6,99 Euro/Monat). „Tischtennis bringt alles mit, um eine erfolgreiche Fernseh-Sportart zu werden“, ist der TV-Experte überzeugt.
Doch bei Bundesliga-Aufsteiger Werder Bremen ist man alles andere als Feuer und Flamme für das neue Projekt. „Eine solche Form der zentralen Vermarktung habe ich in 40 Jahren noch nicht erlebt“, schimpft SV-Präsident Klaus-Dieter Fischer.
Grund für den Ärger des 67-Jährigen ist die derzeitige Vertragsausgestaltung. Danach erhalten die Vereine für fünf Jahre lediglich 20 Prozent aller Einnahmen, der Rest geht an den zentralen Vermarkter. „Dafür müssen wir einen neuen Boden verlegen und auf Werbeflächen verzichten. Zudem verlieren wir unser Recht auf eine eigene Übertragung“, so Fischer. Contenthouse würde bei einem Vertragsabschluss bis zum Jahr 2012 die weltweiten TV-, Internet- und Mobilfunkrechte an den Spielen der 1. Herren-Bundesliga sowie dem Halbfinale und Finale des DTTB-Pokals halten.
„Prinzipiell freuen wir uns natürlich über eine möglichst gute Vermarktung“, sagt Werder-Team-Manager Sascha Greber. „Für uns ist es aber genauso wichtig, im Regionalfernsehen vertreten zu sein. Es ist nicht gut, wenn die Rechte exklusiv an einen Anbieter gehen.“
Doch die Hanseaten stehen mit ihrer Kritik derzeit recht einsam da. Kein anderer Bundesliga-Klubs hat bisher protestiert. „Ich habe mit Ligapräsident Wieland Speer darüber gesprochen. Die Vereine mussten bisher offensichtlich Geld für die Übertragung bezahlen“, so Fischer, der dennoch an seiner Überzeugung festhält. Er habe dem Ligabüro mehrere Vorschläge für eine Einigung unterbreitet. Unter anderem gehe es dabei um die prozentuale Angleichung der Einnahmeverteilung über mehrere Jahre sowie eine Beteiligung des Vermarkters an den Investitionen der Vereine. „Wir gehen schließlich in Vorleistung. Unsere Kosten können bis zu 20000 Euro betragen“, rechnet der Werder-Präsident aus.
Vor zwei Wochen habe er seine Ideen an den Verband geschickt, eine Reaktion sei bisher ausgeblieben. Sollte bis zum Saisonstart keine Einigung erzielt werden, wolle man die Teams der Contenthouse GmbH dennoch nicht aussperren. „Natürlich können sie gerne kommen und übertragen. Den Vertrag werden wir so aber definitiv nicht unterzeichnen“, stellt Fischer unmissverständlich klar.
Quelle: BREMER ANZEIGER, 11. Juli 2007