Also zum Thema Abi-Schnitt habe ich mich ja schon tangential geäußert. Nun komme ich nicht umhin, meine Ansichten zu vertiefen.
1. kommt es darauf an, wann und wo und auf welcher Schule man sein Abi absolviert hat. Ich entsinne mich gut an eine damalige Einser-Kandidatin aus Sachsen-Anhalt (sorry, geht nicht gegen Dich, Kathi

), mit der ich kurz nach dem Mauerfall im Urlaub war. Die gute Frau namens Karina war dämlich wie Bohnenstroh und dennoch im Zuge der damals durchaus üblichen "Einheitsbenotung" mit einer 1,0 aus dem noch ostdeutschen Abi hervorgegangen. Eingebildet ob dieses Geschenks, hielt sie sich für den Nabel der Welt und hätte nichtmal als Hämorrhoide der untersten Evolutionsstufe der Primaten glaubhaft hervorgestrahlt. Doch das nur am Rande...
2. ist Intelligenz völlig unabhängig von der schulischen Leistungs
willigkeit.
3. ist Intelligenz nicht zwingend ein Geschenk, um das Wort nochmal in einem anderen Sinnzusammenhang zu gebrauchen. Intelligenz kann sehr lästig sein. Vor allem für Andere, die bei der Vergabe dieses "Geschenks" eher leer ausgegangen sind. Zudem kann Intelligenz auch für den direkt Betroffenen unangenehm sein. Die Ausführungen zu dieser Variation sind sehr subjektiv, werden aber von vielen Hochintelligenten geteilt. Der Genuss des Lebens fällt vielen Hochintelligenten schwerer, weil sie sich schlicht zu viele Gedanken machen - über alles und jeden. Die permanente "Analyse der Variablen des Lebens" und der Abgleich von Soll- und Ist-Zuständen führt vielfach zu Verdruss. Ein Grund, weshalb es Hochintelligente gibt, die ihre Intelligenz bewusst verkümmern lassen, um in einer Welt angepasst leben zu können, die sich ihnen niemals anpassen könnte. Autismus, im Zusammenhang mit Hochintelligenz oder Hochbegabung (sehr wohl zu unterscheiden!), ist -
manchmal (unbelegt) - eine übersteigerte Form dieser Situation, die eher die Kapitulation des Bewusstseins vor der Verarbeitungsleistung des Hirns darstellt. Ich nehme an, dass Nacki hierzu noch weit profundere Fakten und Theorien beitragen kann, sich allerdings ob der hiesigen, eher oberflächlich-spekulativen Diskussion zurückhalten wird. Doch auch das nur am Rande...
4. Goethes Faust hatten wir inkl. Dramentheorie und sämtlicher Betrachtungswinkel in der Untertertia. Kafkas "Verwandlung" bereits in der Quinta. Ein normales städtisches Gymnasium im Osten Dortmunds...bin ich deswegen ein Auserkorener? Nein!
5. habe ich einen
wirklich hochintelligenten und hochbegabten Burschen im Biologie-Studium an der Ruhr-Uni Bochum kennenlernen
dürfen, der nun wirklich einfach grandios war! Ein blonder Lockenschädel, der mit
19 Jahren bereits sein Chemie-Diplom in der Tasche hatte, noch eben sein Biochemie-Diplom dranhängte und mit mir zusammen im 4. Semester Biologie saß (ich war 24); permanent Possen riss, geradezu provokant (für die Dozenten) unaufmerksam war und den ganzen
Spaß (zu der Zeit das schwierigste Studium neben Maschinenbau) aus dem Hangelenk machte. Der war witzig, der war gut drauf, und es interessierte ihn einen Scheiss, ob er mit 17 Jahren ein Abi von 0,7 hingelegt hatte! Er wäre jedenfalls niemals auf die Idee gekommen, irgendwann irgendwem aufzudrängen, was er für ein Wunderkind war/ist/sein würde! Und
DAS unterscheidet die wirklichen Genies von den Lamentierern, die hier meinen, mit irgendwas strotzen zu müssen, was sowieso nicht verifizierbar ist. Punkt.
6. macht Selbstverliebtheit aus großen Talenten meistens große Versager. Denkt mal drüber nach...
Herzliche Grüße
Olaf